Grippeschutzimpfung bei Querschnittlähmung

Bevor die nächste Grippewelle rollt, sollte jeder, der von der ständigen Impfkommission (STIKO) Deutschlands zu einer Risikogruppe gezählt wird, darüber nachdenken, ob er sich gegen die Influenza impfen lassen möchte. Die Frage inwieweit Querschnittgelähmte zu diesen Risikogruppen gehören, lässt sich pauschal nicht beantworten.

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Grippaler Infekt oder Grippe

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird zwischen Erkältung (grippaler Infekt) und Grippe oft nicht unterschieden, da die Symptome auf den ersten Blick ähnlich sind. Beide Erkrankungen werden aber von verschiedenen Erregern verursacht und sind in ihrer Ausprägung völlig unterschiedlich:

• Erkältung (auch: grippaler Infekt)

Es gibt ca. 200 unterschiedliche Virusarten, die einen grippalen Infekt hervorrufen. Das erklärt auch, warum man während eines Jahres immer wieder neue Erkältungen bekommen kann. Eine Schutzimpfung gegen den grippalen Infekt ist aufgrund der Vielzahl von Viren nicht möglich.

• Grippe (auch: Influenza, Virusgrippe)

Die Grippe wird durch das Influenzavirus hervorgerufen. Es wird zwischen drei verschiedenen Virustypen (Influenza Typ A, B und C) unterschieden. Typ A ist der häufigste und für den Menschen am gefährlichsten. Die Typen B und C sind harmloser, wobei eine Ansteckung mit Letzterem nur sehr selten vorkommt. Typ B tritt besonders bei Kindern und Jugendlichen auf, der Verlauf ist milder als bei Typ A. Die Influenza-Viren haben die ungünstige Eigenschaft ständig mutieren zu können, weshalb auch der Impfstoff immer wieder angepasst werden muss. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt regelmäßig neue Empfehlungen für Impfstoffe heraus.

Die Impfstoffe schützen vor allem gegen die Variante des Virus, von der man annimmt, dass sie in der jeweilig anstehenden Grippesaison am aktivsten sein wird. Ist eine andere Mutation des Virus aktiv, kann das Immunsystem dieser nichts entgegensetzen.

Als sehr wahrscheinlich gilt, dass in der folgenden Saison die Viren bereits derartig veränderte Eigenschaften haben, dass eine Impfung aus dem Vorjahr gegen diese neue Variante unwirksam ist. Daher muss eine Grippeschutzimpfung jedes Jahr aufs Neue durchgeführt werden (grippe-info, 2013).

Wieso eine Grippeimpfung für Querschnittgelähmte sinnvoll sein kann

Es steht jedem frei sich gegen die Grippe impfen zu lassen; besonderen Risikogruppen wird die Schutzimpfung von der STIKO ausdrücklich empfohlen:

  • Personen über 60 Jahre
  • Werdende Mütter ab dem vierten Schwangerschaftsmonat, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem ersten Schwangerschaftsmonat
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • Personen mit erhöhter Ansteckungsgefahr, z. B. medizinisches Personal, Menschen mit beruflich bedingtem hohem Publikumsverkehr, etc.
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und/oder Wildvögeln
  • Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung aufgrund chronischer Krankheiten (z. B. Erkrankungen der Atemorgane, chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes, Multiple Sklerose, etc.)
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem (siehe: Das Immunsystem bei Querschnittlähmung) und angeborenen oder erworbenen Immundefekten (RIK, 2013)

Als Querschnittgelähmter muss man diesen Risikogruppen nicht zwangsläufig angehören. Unbestreitbar ist jedoch, dass es im Falle einer Rückenmarksverletzung abhängig von der Läsionshöhe verschiedene Komplikationen, Folge- und Begleiterkrankungen (siehe: Komplikationen, Folge- und Begleiterkrankungen bei Querschnittlähmung) gibt, die das Immunsystem schwächen können.

Risikofaktoren bei Querschnittlähmung

Aspekte, auf die Querschnittgelähmte hinsichtlich ihrer Immunabwehr ein besonderes Augenmerk haben sollten, sind:

  • Bewegung
    Die Einschränkung der körperlichen Mobilität führt zu einem Bewegungsdefizit, dass oft nur schwer und bei einer hohen Läsionshöhe überhaupt nicht ausgeglichen werden kann. Wer aber körperlich nicht aktiv genug ist, leidet oft unter schwachen Abwehrkräften, da die Anzahl der Abwehrzellen niedriger ist und sie nicht effizient genug arbeiten können (Herzner, 2013).
  • Ernährung
    Aus verschiedenen Gründen kann es bei einer Querschnittlähmung zu einer Unterernährung kommen. Häufig geht diese mit einer Mangelernährung einher, d. h. der Körper wird weder mit Makro– noch mit Mikronährstoffen ausreichend versorgt.
  • Lungenfunktion
    Eine eingeschränkte Lungenfunktion kann abhängig von der Läsionshöhe vorliegen (siehe: Atemproblematik) und macht die Atemwege anfälliger für Infektionen.
  • Medikamente
    Verschiedene Medikamente, z. B. Antibiotika oder Cortison, können dem Immunsystem schaden (erkältung-online.de, 2013). Eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist notwendig.
  • Verdauung
    Der Darm gilt als das größte Immunorgan im Körper, u. a. weil er 70 bis 80% aller Zellen, die Antikörper produzieren, beinhaltet. Wenn durch eine neurogene Darmfunktionsstörung die Darmflora geschädigt ist, kann der Darm seine Aufgaben nicht ausreichend erfüllen und das Immunsystem wird gehemmt.

Vorbeugende Maßnahmen

Wer eine Impfung ablehnt oder als nicht sinnvoll erachtet, sollte folgende vorbeugende Maßnahmen gegen Grippe und Erkältungen ergreifen:

  • Ausreichende Bewegung an der frischen Luft
  • Vitamin- und ballaststoffreichen Ernährung, mit einer ausreichenden Menge an Zink und Vitamin C (siehe: Verblüffend vitaminreich)
  • Verzicht auf Alkohol und Zigaretten
  • Stresssituationen vermeiden und für ausreichend Schlaf sorgen
  • Körperlichen Kontakt zu Menschen mit Krankheitssymptomen vermeiden
  • Ausreichende Luftfeuchtigkeit in Wohnung und Büro, um die Austrocknung von Schleimhäuten zu vermeiden

Siehe auch: Das Immunsystem stärken

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