Karpaltunnelsyndrom bei Rollstuhlfahrern

Unter einem Karpaltunnelsyndrom versteht man eine Druckschädigung (Kompression) des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel. Diese schmerzhafte Komplikation tritt vergleichsweise häufig bei Rollstuhlfahren auf und kann die Hand irreversibel schädigen. Wenn konservative Behandlungsmethoden keine Besserung erzielen, bleibt häufig nur eine Operation.

Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom tritt bei Querschnittgelähmten, die aktiv transferieren und/oder den Rollstuhl aktiv antreiben, in einer Häufigkeit von 50 bis 80% auf (Uni HD, 2013). Dies liegt vermutlich daran, dass bei den Abstützmanövern mit flacher Hand der Nervus medianus gedehnt wird, sich aber vor allem die Weichteile im Bereich des Karpaltunnels wegen der chronischen und unphysiologischen Belastung verdicken. Hinzu kommen die wiederholten Schläge des Handballens gegen den Greifreifen und die Belastung der Hand und des Handgelenks in starker Streck- und Beugehaltung beim Antreiben des Rollstuhls. Dabei kommt es zur Kompression des Nervs; Missempfindungen (Zäch/Koch, 2006) und Schmerzen in der Hand, im Handgelenk und evtl. im gesamten Arm können auftreten (Erdmann, 2012). Diese Symptome treten zunächst meist nach einer Belastung des Handgelenks, später zunehmend auch ganztägig auf. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Muskelschwund im Bereich des Daumenballens, Schwäche beim Greifen und/oder einer Minderung des Tastgefühls kommen (Wikipedia, 2013).

Prophylaxe

Da ein Karpaltunnelsyndrom durch eine Überlastung hervorgerufen wird, gilt es den betreffenden Bereich zu entlasten bzw. eine Überbeanspruchung zu vermeiden, z. B. durch

  • Korrekte Transfertechniken
  • Vermehrtes Abstützen auf die Faust (nicht dem Handballen)
  • Rollstuhlhandschuhe
  • Verletzungen und Entzündungen am Handgelenk oder der Innenhand immer ärztlich behandeln lassen, da eine Ausbreitung und Verschleppung drohen könnte

Behandlung

Wenn ein Karpaltunnelsyndrom erst einmal aufgetreten ist, ist Schonung das A und O.Bild 39150295 copyright Julian Rovagnati, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

  • Konservative Behandlung
    • Ruhigstellung durch angepasste Manschetten, Schienen bzw. Nachtschienen
    • Orale Einnahme oder Einspritzen von schmerzlindernden Medikamenten (Steroidapplikationen)
    • Einspritzen von entzündungshemmenden Kortison-Präparaten

Als wirksame Behandlung der Symptome hat sich auch das Aku-Taping (siehe: Kinesiotaping und Aku-Taping in der Schmerztherapie) erwiesen (Erdmann, 2012).

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte mit einem operativen Eingriff nicht zu lange gewartet werden, um keine bleibenden Schäden zu riskieren.

  • Operative Behandlung
    Operativ werden die Verengungen, die zur Druckschädigung des Nervus medianus geführt haben, entfernt und/oder der Karpaltunnel erweitert. Der Eingriff erfolgt unter Regionalanästhesie, d. h. der gesamte Arm wird betäubt.

    • Offene Operation
      Der Operateur arbeitet von außen mit direkter Sicht auf das Operationsfeld mit optischer Vergrößerung. Ein Hautschnitt von ca. 1,5 bis 3 cm Länge ist notwendig.
    • Endoskopische Operation
      Der Operateur arbeitet endoskopisch, also von innen her, nur mit instrumenteller Sicht auf das Operationsfeld.

Nach dem Eingriff sollten – je nach Dauer und Ausmaß der Nervenschädigung – alle Beschwerden sofort verschwinden. Falls Gefühlsstörungen, Missempfindungen und/oder Muskelschwäche bereits aufgetreten waren, kann nicht in jedem Fall von sofortigem oder vollständigem Verschwinden ausgegangen werden (Wikipedia, 2013). Postoperativ sollten Rollstuhlfahrer drei bis vier Wochen keine Transfers vornehmen, da dies den operierten Bereich zu stark belasten würde. Daher ist meist ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Wenn beide Hände betroffen sind, sollte der Eingriff gleichzeitig vorgenommen werden, da so die Rehabilitationszeit halbiert werden kann. Vor der Operation „sollte bereits geübt werden, mit der Faust zu transferieren. Diese Technik sollte wenn möglich längere Zeit bis zur vollständigen Heilung der Operationsgebiete beibehalten werden“ (Zäch/Koch, 2006).

Bild copyright Alicia Media, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Siehe auch: Alternative Methoden zur Behandlung von Gelenkschmerzen.

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