Erwischt! Mit der WegeHeld-App gegen Parksünder

Um auf einem Behindertenparkplatz zu parken, braucht man entweder eine Sonderparkberechtigung für Menschen mit (außergewöhnlicher) Gehbehinderung (siehe: Sonderparkberechtigung im In- und Ausland) – oder eine Riesenportion Unverfrorenheit. Über letzteres verfügen vor allem Leute, die es rein gar nicht kümmert, was das blaue Schild mit dem Rollstuhl-Icon nun zu bedeuten hat. Eine neue Smartphone-App könnte frisches Interesse wecken …

Bild 37730998 copyright strelka, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Die Ausreden von Falschparkern sind immer die gleichen: „Ich wollte nur schnell was holen (oder abgeben).“ „Ich warte hier nur auf XY.“ Oder: „Es war kein anderer Parkplatz frei.“ Wer angesichts solcher Zeitgenossen schon gerne mal die Kriegsstandarte geschwungen hätte, wird sich über die neue WegeHeld-App freuen, mit der Parksünder, die Gehsteige, Durchgänge oder eben Behindertenparkplätze blockieren, angeschwärzt werden können. Die anonymisierten Fotos und Berichte werden auf der Internet-Karte WegeAlarm veröffentlicht, auf der Verkehrsteilnehmer und Ordnungsamt nachschauen können, wo in der Stadt was schief läuft. Wenn sich Meldungen häufen, könnten Rückschlüsse gezogen werden, wo noch stärker kontrolliert werden oder wo evtl. eine strukturelle Veränderung vorgenommen werden sollte.

Wie funktioniert die WegeHeld-App?

Nach dem Laden der App bestimmt sie zunächst den Standort des Nutzers, der dann einen Vorfall aus einer vorgegebenen Liste und einen Fahrzeugtyp aus einer ebenfalls vorgegebenen Liste auswählt und den Verkehrssündenfall postet. Wahlweise können diese Posts mit folgenden Optionen versehen werden:

  • Fahrzeug-Foto machen und ergänzen
    Fahrzeug fotografieren und Nummernschild schwärzen. (Die Nummernschild-Schwärzung ist Pflicht!)
  • Spruch auswählen
    Einen passenden vorgegebenen Spruch auswählen und mitposten.
  • Vorfall schildern
    Den Vorfall im Detail und ob oder wie der Fahrer/die Fahrerin reagiert hat, kann der App-Nutzer genau schildern.
  • Social Media
    Das Posting an WegeAlarm kann man auch auf dem eigenen Facebook-Account veröffentlichen oder twittern. Die Zugangsdaten werden nur auf dem eigenen Smartphone gespeichert und nicht mit übertragen.
  • Dem Ordnungsamt helfen
    Der Nutzer kann über die App eine E-Mail mit Vorfall, Nummernschild und Bild an das Ordnungsamt schicken. Alle anderen Aktionen über die WegeHeld App sind anonym. Bei einer Mail ans Ordnungsamt müssen Nutzer allerdings ihre persönlichen Daten angeben, da sonst dem Hinweis gar nicht erst nachgegangen wird. Die Mail ans Ordnungsamt ist allerdings keine Anzeige. Ursprüngliche Pläne der Macher ließen sich aus rechtlichen Gründen nicht verwirklichen.

Das WegeHeld-Kärtchen

Um nicht nur die Welt, sondern auch den Fahrer des gemeldeten Fahrzeugs auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen, können Nutzer der WegeHeld App zusätzlich zu einem weniger digitalen Medium greifen. Ausgedruckte WegeHeld-Visitenkarten informieren den Falschparker mit den Worten: “Gucken Sie doch mal nach unter www.wegeheld.org, denn Ihr Auto ist jetzt berühmt!” darüber, dass er gemeldet wurde. Zu einem Denkanstoß könnte das reichen (siehe: Hinweiskarte für Falschparker).

Weitere Informationen

Die WegeHeld-App steht ab dem 29. März 2014 für Android Systeme zur Verfügung und ist kostenlos. Eine Version für Apple iOS-Geräte war ursprünglich geplant, wird nun aber erst einmal doch nicht realisiert werden. Derzeit (2016) hat sich daran noch nichts geändert.

Für mehr weitere Informationen siehe: www.WegeHeld.org

WegeHelden: Weltverbesserer oder Petzer?

Bild 124157686 copyright FooTToo, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comWährend Kritiker der App befürchten, dass mit den WegeHelden eine Armee von Hilfs-Sheriffs auf die Autofahrer losgelassen werden und Begriffe wie Blockwartschnüffeleien und Staatssicherheit in die Diskussion einbringen, sehen die Befürworter eine reelle Chance auf mehr Rücksicht und damit mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Peter Reichert vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. sagt: „Die Idee einer Falschparker-App finden wir gut, weil Parksünder nachhaltig auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. verteilt seit Jahren Hinweiszettel an Falschparker auf Gehwegen oder Behindertenparkplätzen. Für Passanten mit Kinderwagen, Gehhilfe oder Rollstuhlbenutzer ist häufig an einem auf dem Gehweg parkenden Fahrzeug Endstation. Ein Ausweichen für diese schwächsten Verkehrsteilnehmer ist dann nur über die befahrene Straße möglich. Hinzu kommt, dass nicht alle Bürgersteige so tief abgesenkt sind, dass der Rollstuhlbenutzer problemlos den Gehweg verlassen kann, oder Schnee und Eis behindern die Weiterfahrt. Welchen Gefahren sich die Verkehrsteilnehmer dabei aussetzen, ist nachvollziehbar.“

Fragen & Kommentare

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  1. grisu 17.06.2014, 18:46 Uhr

    Ich finde daß das nichts mit Blockwartschnüffelei oder Stasi zu tun hat. Schließlich werden die Melder hauptsächlich betroffene Behinderte sein, die tatsächlich am Parken oder Gehsteigpassieren gehindert wurden. Das ist was anderes als wenn Unbehinderte Hilfssheriff spielen. Ausserdem: Gesetz ist Gesetz!

    Irritiert bin ich nur von der Nummertafelschwärzung – was soll das dann für einen Sinn haben? Polizei bzw bei euch das Ordnungsamt kann doch ohne Nr auch nichts damit anfangen.

    Wieder meine Frage – wie ist die rechtliche Lage dazu in Österreich? +Schweiz? Ich hab da von so einer App (vllt ist das eh dieselbe) gelesen, in der die Fotos mit Nr. erlaubt sind.

    • Tanja Konrad 18.06.2014, 09:48 Uhr

      Guten Tag Grisu,

      vielen Dank für Ihr Kommentar und die wichtige Frage nach der Situation in Österreich und der Schweiz.
      Die Schwärzung des Nummernschilds muss in Deutschland aus Gründen des Datenschutzes vorgenommen werden. Dies gilt allerdings nur, wenn die Fahrzeuge im Internet auf die für jeden einsehbaren WegeHeld Website gestellt werden sollen. Die Weiterleitung an das Ordnungsamt erfolgt mit der WegeHeld App ohne die Schwärzung des Nummernschildes, so dass der Anzeige nachgegangen werden kann.
      Unseres Wissens gibt es die WegeHeld App nur in Deutschland. Für die Schweiz konnten wir kein ähnliches Produkt finden, doch in Österreich gibt es den Service falschparker.cc falschparker.cc. Diese Website ermöglich es registrierten Benutzern Verwaltungsübertretungen (ruhender Verkehr) an die zuständige Behörde zu melden. Via Online-Formular wird die Anzeige samt Beweisfoto direkt weitergeleitet. Da auf dieser Website kein öffentliches „Anprangern“ stattfindet, wird das Nummernschild nicht geschwärzt.

      Viele Grüße
      Tanja Konrad

  2. Rüdiger Schmidt 07.04.2014, 12:32 Uhr

    Ich glaube nicht, dass man die User, die diese App oder die von http://www.fahrerbewertung.de nutzen, als Weltverbesserer oder Petzen sehen sollte. Das sind einfach nur Leute, die vom tagtäglichen Chaos auf unseren Straßen die Nase voll haben und sich mal ein wenig Luft machen. Sollen sie doch! Die Verkehrspolizei ist nämlich längst nicht immer zur Stelle.