Ärzte ohne Barrieren

Einen guten Arzt zu finden, ist unter „normalen“ Umständen schon ein schwieriges Unterfangen. Für Rollstuhlfahrer scheitern Besuche von Ärzten, mit denen etwa Familie und Freunde gute Erfahrungen gemacht haben, oft an unzugänglichen Praxen. Der „vdek-Arztlotse“ führt die Adressen aller Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten mit kassenärztlicher Zulassung in Deutschland und beschreibt, wie rollstuhlgerecht deren Praxen sind.

 

Bild 64779322 copyright yvart, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Der vdek-Arztlotse ist ein online-Ärzteverzeichnis mit der Möglichkeit zur Bewertung von rund 240.000 Ärzten, Zahnärzten und Psychotherapeuten. Bereitgestellt vom Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) in Kooperation mit der Stiftung Gesundheit ist es nach eigenen Angaben wirtschaftlich unabhängig.

Der vdek besteht aus:

  • BARMER GEK
  • Techniker Krankenkasse
  • DAK-Gesundheit
  • Kaufmännische Krankenkasse – KKH
  • HEK – Hanseatische Krankenkasse
  • hkk Erste Gesundheit

Die Stiftung Gesundheit ist eine gemeinnützige und bundesweit tätige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Hamburg und 20 Mitarbeitern in der Adressredaktion. Nach eigenen Angaben überprüft und aktualisiert diese das Verzeichnis regelmäßig und arbeitet dazu u. a. mit ärztlichen Fachgesellschaften, Ärzteverbänden, Forschungseinrichtungen und Medien im Gesundheitswesen zusammen. Jede Praxis werde mindestens einmal pro Jahr angeschrieben.

Das Ärzteverzeichnis

Ärzte können ihre Praxis für die Aufnahme in das vdek-Verzeichnis anmelden. Der Eintrag ist freiwillig. Das heißt aber auch, dass das Verzeichnis keinen vollständigen Überblick garantiert.

Über die Schritt-für-Schritt-Suche können Nutzer die Kriterien für ihre Arztwahl schrittweise spezifizieren: Von der Facharztbezeichnung über die Ortsangabe bis hin zu Service, Funktionen oder Angaben zur Barrierefreiheit:

  • Öffnungszeiten
  • Behandlungsprogramme
  • Patientenservice (z. B. Erinnerung an Vorsorge, Hausbesuche, weitere Sprechzeiten nach Vereinbarung)
  • Erreichbarkeit (Busse und Bahnen, Parksituation)
  • Apotheke im Haus
  • Grad der Barrierfreiheit:
    • Ebenerdig oder Aufzug
    • Stufenfreier Zugang
    • Aufzug ist rollstuhlgerecht
    • Aufzug ist barrierefrei
    • Zugang ist barrierefrei
    • Stühle/Liegen verstellbar
    • Gebärdensprache
    • Orientierungshilfen für Sehbehinderte
    • WC ist bedingt barrierefrei
    • WC ist barrierefrei
    • Praxis ist rollstuhlgerecht
    • Behindertenparkplätze

Interaktive Praxis-Profile

Das Profil einer Praxis bietet Patienten mit dem Button „Empfehlung abgeben“ zudem die Option, über ihre Erfahrungen mit dem entsprechenden Arzt zu berichten. Das funktioniert über ein Schulnoten-Bewertungssystem für Kriterien wie Organisation oder Personal und den Arzt selbst und kann durch frei formulierte Kommentare ergänzt werden. Bewertungen können ohne Registrierung gelesen und abgegeben werden. Damit bleiben Absender von Bewertungen anonym, Schmähkritik wird von der Redaktion allerdings aussortiert.

www.vdek-arztlotse.de

Der vdek-Kliniklotse

Etwas anders funktioniert der vdek-Kliniklotse. Datengrundlage sind hier die von den einzelnen Krankenhäusern selbst gelieferten Qualitätsberichte. Sie geben u. a. Auskunft über Fachbereiche und Ansprechpartner oder formale Abläufe hinsichtlich des Beschwerdemanagements. Dass Krankenhäuser weitgehend rollstuhlgerecht sind, darf natürlich vorausgesetzt werden. Weitere Suchkriterien sind beispielsweise Medizinische Geräte, Therapeutisches Personal oder Barrierefreiheit in Bezug auf Sinnesbehinderungen.

www.vdek-kliniklotse.de

vdek-Pflege-Datenbank in der Kritik

Auch im Bereich der Pflege haben vdek und die Stiftung Gesundheit eine Datenbank erstellt, die die Suche nach einer geeigneten Einrichtung zur ambulanten oder stationären Pflege erleichtern soll. Zu den Angaben des vdek-Pflegelotsen zählen neben einer Preisliste, Fotos der Einrichtung und Ansprechpartnern auch die Veröffentlichungen der sogenannten „Transparenzberichte“. In ihnen finden sich Noten für Kriterien wie „Pflege und medizinische Versorgung“, „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“ oder „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“. Der Sozialverband VdK steht den Ergebnissen dieser Berichte allerdings kritisch gegenüber: „Die derzeit nahezu ausnahmslos vergebenen Bestnoten gewähren den Patienten keinen umfassenden Überblick über Strukturen, Leistungen und Qualitätsbestrebungen der Einrichtungen“ (Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e.V., 2014)

www.pflegelotse.de

 

 

 

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