Antiseptische Lösungen zur Katheterisierung auf Rezept

Personen, die ihre Blase mittels intermittierendem Katheterismus (IK) entleeren, verbrauchen mehrmals täglich antiseptische Lösungen zur Desinfektion von Händen und Schleimhäuten. Dass sie diese Antiseptika nicht selbst bezahlen müssen, ist nicht sonderlich bekannt.

 

Bild 62647111 Copyright Palto, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Viele Menschen, die sich regelmäßig selbst katheterisieren oder dazu Hilfe in Anspruch nehmen (Fremdkatheterismus), lassen sich zwar die Katheter vom Arzt verschreiben, nicht aber das benötigte Zusatzmaterial. In dieser Frage kann es leicht zu Missverständnissen kommen, weil antiseptische Lösungen in der Regel tatsächlich nicht verschreibungspflichtig bzw. -fähig sind. Die besondere Situation von Menschen, die auf die Technik des Katheterisierens angewiesen sind, wurde vom Gesetz jedoch berücksichtigt.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Der intermittierende Katheterismus gilt als Mittel der ersten Wahl zur Harnblasenentleerung bei neurogenen Blasenfunktionsstörungen und kann nur unter Gebrauch von Antiseptika medizinisch sachgerecht durchgeführt werden. In besonderen Fällen kann auch der Einsatz eines Gleitmittels notwendig sein, um das Einführen eines Katheters reibungsarm zu gewährleisten und Verletzungen der Harnröhre vorzubeugen. Da beim IK beides bis zu sechs Mal am Tag zum Einsatz kommen kann, hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Krankenversicherungen (G-BA) bereits vor 10 Jahren eine Ausnahme von der Arzneimittelrichtlinie formuliert. Darin heißt es:

„Die Vorschriften in § 12 Abs. 1 bis 10 der Richtlinie (Passage über apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel; Anm. d. Red.) in Verbindung mit dieser Anlage regeln abschließend, unter welchen Voraussetzungen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig sind. (…) Schwerwiegende Erkrankungen und Standardtherapeutika zu deren Behandlung sind:

 … Antiseptika und Gleitmittel nur für Patienten mit Katheterisierung.“ (G-BA, 2018)

OTC-Präparate

Diese Ausnahmeregelung wird auch als „OTC-Übersicht“ bezeichnet. Die Abkürzung OTC kommt aus dem Englischen und betrifft Medikamente, die es nur in der Apotheke gibt (over the counter = über den Tresen), die aber nicht verschreibungsfähig sind. Da sie nicht verordnet werden müssen oder können, werden sie auch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

In der OCT-Übersicht sind Therapeutika gelistet, die in Zusammenhang mit einer Erkrankung eine Ausnahme von der Regel darstellen und mit entsprechender Begründung doch verschrieben werden können. Antiseptika, wie z. B. Octensisept, die zum aseptischen Kathetern benötigt werden, gehören dazu und können vom Arzt zu diesem Zweck auf Rezept verordnet und von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Die OTC-Übersicht beschäftigt sich nicht nur mit Personen, die katheterisieren, sondern mit zahlreichen chronischen Erkrankungen oder Handicaps, die eine dauerhafte Behandlung und entsprechende Präparate notwendig machen.  Zur Behandlung schwerwiegender Erkrankungen können Ärzte auf dieser Grundlage verschiedene  Verordnungen begründet ausstellen.

 

OTC-Übersicht

 

Fragen & Kommentare

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  1. Sylvia Thon 17.07.2018, 23:46 Uhr

    Nach Jahren von Gebrauch von Desinfektionsmittel ist meine Scheidenflora hinnüber, da die ganzen guten Scheidenflorabakterien zerstört werden.
    Die Frage ist stellt sich doch, das man im Vaginalbereich ein besser Mileau schafft aus Milchsäurebakterien.

    • DQS Admin 18.07.2018, 10:08 Uhr

      Guten Tag Frau Thon,

      vielen Dank für diese wichtige Frage.

      Ziel einer Schleimhautdesinfektion ist folgendes: Die krankmachenden Keime abzutöten, um somit das Einschleppen dieser Bakterien in die Blase zu verhindern (was ja vor allem bei Menschen, die den intermittierenden Katheterismus anwenden von Bedeutung bei der Vermeidung von Harnwegsinfektionen ist).

      Leider werden bei der Desinfektion auch kleine Mengen gesunder Bakterien angegriffen. Das Milieu der Vaginalschleimhaut spielt dabei sicherlich eine Rolle. Aber für dieses Milieu sind verschiedene Aspekte wichtig:

      Keimflora generell
      Abwaschen von Desinfektionsmittel nach der Katheterisierung
      Inkontinenz
      Blasenentleerungsart
      Intimhygiene generell
      Verwendung von Gleitmittel und Gele
      Kleidung

      Bei Beschwerden kann nicht einfach gesagt werden, dass man die Säurebaktieren aufbauen muss. Notwendig ist eine Klärung der Gesamtsituation von Zustand der Vaginalschleimhaut, Schleimhautmilieu, der Harnwegsinfekteraten und der relevante Bakterien müssen betrachtet werden. Diese Klärung muss durch einen Neuro-Urologie oder Gynäkologe erfolgen, der dann entsprechende Behandlungen vorschlägt.

      Viele Grüße
      Die Redaktion