Epidurale Elektrostimulation ermöglicht willentliche Beinbewegungen

Die epidurale Elektrostimulation ermöglicht Probanden neuen Studien zufolge offenbar auch willentliche Bewegungen der unteren Extremitäten. Allerdings nur, solange das erforderliche Gerät eingeschaltet ist.

Copyright Brain Journal, 2014 Pressedownload Christopher and Dana Reeves Foundation.com

Im englischsprachigen Fachmagazin Brain, beschreibt das Forschungsteam um Neurologin Claudia Angeli vom Zentrum für Rückenmarksverletzungen an der Universität Louisville im US-Bundesstaat Kentucky, USA, Studienergebnisse, nach denen vier querschnittgelähmte Männer durch ein Implantat, das elektrische Signale ins Rückenmark sendet (epidurale Elektrostimulation), wieder in der Lage sind willentlich Knie, Hüften und Zehen zu bewegen.

Elektrostimulation von Nervenbündeln im Rückenmark

Anfang 2013 wurden drei Studienteilnehmer (ein weiterer hatte sich dem Eingriff bereits zwei Jahre zuvor unterzogen) – alles junge Männer, die nach Verkehrsunfällen querschnittgelähmt waren und die unteren Extremitäten weder bewegen noch spüren konnten – Elektro-Implantate im Bereich der unteren Wirbelsäule eingesetzt. Fünf Tage nach der Operation wurden die jeweiligen Implantate mittels Fernsteuerung aktiviert. Das Ergebnis: Die vier Männer können ihre unteren Gliedmaße wieder willentlich bewegen und den dafür notwendigen Kraftaufwand teilweise kontrollieren. Dies gelingt ihnen allerdings nur bei eingeschaltetem Elektro-Implantat, betont Angeli, da es dessen elektrischen Signale sind, die die noch vorhandenen gesunden Nerven im Rückenmark aktivieren.

Deutlich verbesserte Lebensqualität

Von einer Heilung der Querschnittlähmung kann keinesfalls die Rede sein, jedoch empfinden alle vier Studienteilnehmer  die neu gewonnene Bewegungsfähigkeit während des Trainings als enorme Steigerung der Lebensqualität. Durch das regelmäßige Training von Beinen und Hüften nahm die Muskelmasse deutlich zu, die Ausscheidung über Blase und Darm kann von den Patienten wieder besser kontrolliert werden und auch ihr sexuelles Empfinden hat sich verbessert.

Was genau diese Behandlung bewirkt und wie sie funktioniert, ist derzeit noch unklar. Angelis Team vermutet,  dass manche Signale, die das Gehirn durch das Rückenmark sendet, die Läsionsstelle überwinden könnten – stark genug eine Bewegung auszulösen seien sie im Normalfall aber nicht. Susan Harkema, Professorin für Neurologie in Louisville, wertete die erzielten Ergebnisse als Beleg dafür, dass bei Rückenmarksverletzungen auch nach mehreren Jahren nicht alle Nervenverbindungen absterben: „Das Rückenmark hat Fähigkeiten, die wir früher nicht für möglich hielten. Je mehr wir hinzulernen, umso besser sind wir dazu in der Lage Menschen mit Querschnittlähmung helfen zu können.“

Als nächsten Schritt wollen die Forscher in Kentucky herausfinden, ob die vier Testpersonen ihre Beine nach längerer Therapie auch ohne elektrische Impulse bewegen können. Eine Ausweitung der Studie mit weiteren Teilnehmern ist in Planung.

Update: The Big Idea

Derzeit wird die Studie auf 36 weitere Testpersonen ausgeweitet. Beworben haben sich 4.000 Querschnittgelähmte weltweit um die Aufnahme in das Programm, doch so vielversprechend die Ergebnisse der Pilotstudie ist, nicht einmal für die 40 bestehenden Teilnehmer ist die Finanzierung gesichert.

Für weitere Informationen siehe: Behandlungsmöglichkeiten finden – Die Christopher und Dana Reeve Foundation

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