Flugreiseplanung für Rollstuhlfahrer

Flugreisen sind zwar erst seit wenigen Jahrzehnten der Weg um ans mehr oder weniger weit entfernte Reiseziel zu kommen, doch heute sind sie ein wichtiger Faktor in puncto Lebensqualität. Zu glauben, als Rollstuhlfahrer müsse man darauf verzichten, wäre ziemlich unsinnig. Nur in die Vorbereitung muss man ein bisschen mehr Mühe stecken.

Bild 83625031 copyright Gilmanshin, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Damit eine Flugreise mit Rollstuhl so reibungslos wie möglich klappt, ist eine gute Planung und Vorbereitung wichtig. Wenn die Fluggesellschaft im Vorfeld über die Behinderung eines Reisenden und die sich daraus ergebenden speziellen Bedürfnisse informiert ist, kann das Personal entsprechende Vorkehrungen treffen.

Grundsätzliches bei der Reiseplanung

Wenn man den schönen Teil der Reiseplanung hinter sich hat und weiß, wo man seinen barrierefreien Urlaub verbringen wird, beginnt die eigentliche Arbeit:

Medizinische Aspekte

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, berät sich eingehend und frühzeitig (mind. acht Wochen) vor Reiseantritt und am besten noch vor der Buchung mit dem behandelnden Arzt über medizinische Eventualitäten, die während der Reise zu beachten sind. Diese sind z. B.

  • Faktoren der physischen Belastung durch
    • Klima
    • Zeitverschiebung
    • Druckverhältnisse im Flugzeug
  • Medikamentenbevorratung und Ausstellung von Rezepten und beglaubigten Attesten
  • Evtl. die Beschaffung von Medikamenten und Pflegemitteln am Urlaubsort
  • Veränderte Medikamenteneinnahme und -dosierung durch Zeitverschiebung
  • Notwendige Prophylaxen und Impfungen u. a. abhängig vom Reiseziel

Zudem sollte rechtzeitig vor Antritt der Reise der Gültigkeitsbereich der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung überprüft und evtl. eine Reisekranken- und Rücktransportversicherung abgeschlossen werden. Oft sind diese jedoch im Preis eines Pauschalreisepakets enthalten.

Arrangements mit Fluggesellschaft bzw. Reiseveranstalter

Wichtig ist eine frühzeitige Buchung, denn die Rückbestätigung durch den Reiseveranstalter kann bei Sonderarrangements für Rollstuhlfahrer längere Zeit in Anspruch nehmen.

  • Bei der Buchung sollten Reisende das gewählte Reisebüro bzw. den Reiseveranstalter über die Behinderung und ihre Konsequenzen informieren und spezielle Arrangements rückbestätigen lassen. Eine Überprüfung von Deckungsumfang und Geltungsbereich der persönlichen Krankenversicherung und Reiseversicherung ist sinnvoll.
  • Bei Abschluss der Buchung, spätestens bei Abholung der Reiseunterlagen sollte das Betreuungsformular der Fluggesellschaft ausgefüllt und weitergeleitet werden. Auch nach evtl. Sonderservices für Behinderte auf dem Abflug- und Zielflughafen sollte man sich nun erkundigen.
  • Sondergepäck wie z.B. Rollstuhl, Gehhilfen oder Blindenhund sollte bei der Buchung bei der Fluggesellschaft angemeldet und um Rückbestätigung gebeten werden. Der Transport für Sondergepäck ist bei rechtzeitiger Anmeldung meist kostenlos.
  • Spätestens drei Tage vor Abflug sollte eine Sitzplatzreservierung vorgenommen werden, vor allem wenn eine oder mehrere Betreuungspersonen mitreisen, so dass räumliche Nähe gewährleistet ist. Fast alle deutschen Linien- und Ferienfluggesellschaften nehmen eine Sitzplatzreservierung kostenfrei entgegen, wenn eine Behinderung oder Erkrankung diese erfordert.
  • Falls eine spezielle Diät notwendig ist, bieten einige Fluggesellschaften entsprechende Sondermenüs. Auch dies sollte spätestens drei Tage vor Abflug erfragt und ggf. bestellt werden.

Bei Abholung bzw. Zustellung der Reiseunterlagen sollten alle erforderlichen Sonderarrangements noch einmal eingehend geprüft werden.

Last but not least

Alle Hilfsmittel für den täglichen Gebrauch – an allererster Stelle der Rollstuhl – sollten vor Reiseantritt einer Inspektion und ggf. einer Wartung unterzogen werden.

Was gehört ins Handgepäck?

 Neben den erforderlichen Reisedokumenten gehört folgendes in Handgepäck:

Achtung: Das Handgepäck darf aufgrund von Sicherheitsbestimmungen nicht schwerer sein als 5 kg. Ausnahmen sind nur bei wenigen Fluggesellschaften auf Anfrage hin möglich.

Flugreisen mit Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln

Medikamente und medizinischen Hilfsmittel, die man regelmäßig einnimmt bzw. verwendet, sollten in ausreichender Menge vom Arzt verschrieben und mitgeführt werden. Evtl. kann sich der Reisende auch ein Rezept ausstellen lassen, so dass eine Beschaffung der Medikamente im Ausland nicht zum Problem wird. Ebenfalls hilfreich und teilweise notwendig ist ein beglaubigtes ärztliches Attest, das besagt, dass der Reisende auf die Medikamente, die er mitführt, angewiesen ist und in welcher Menge sie für seinen persönlichen Bedarf ausreichend sind.

Für mehr Informationen und rechtliche Hinweise zum Transport von Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln für den alltäglichen Gebrauch siehe:

Wer die Zeitzone wechselt, sollte beachten, dass dies Auswirkungen auf die Einnahmezeit von Medikamenten hat. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ist hierzu erforderlich.

An Bord eines Flugzeugs entspricht  das Klima dem von ca. 2.500 Meter Höhe über Normalnull, bei einer Luftfeuchtigkeit von nur 20 Prozent. Dies kann einerseits die Wirkung von Medikamenten verstärken und andererseits bei einer Flugdauer von über zwei Stunden zu Hautreizungen und zum Austrocknen der Schleimhäute führen. Vor allem beatmungspflichtige Reisende sollten darauf entsprechend vorbereitet sein. Die Empfehlungen des Arztes sind zu berücksichtigen und ggf. entsprechende Hilfsmittel vorsorglich mitzuführen.

Flugreisen mit Rollstuhl und Sportgeräten

Sondergepäck für Passagiere mit Behinderung (Rollstuhl, Zugmaschinen für Rollstühle, etc.) wird von vielen Fluggesellschaften ohne Aufpreis befördert, wenn die Mitnahme der benötigten Hilfsmittel rechtzeitig angemeldet wird.

Einige deutsche Airlines befördern auch Übergepäck für Behindertensport (Liegebike, Vorspannbike, etc.) ohne Mehrkosten. Wie dies im Einzelfall gehandhabt wird, kann bei den Service- oder Flughafenbüros der jeweiligen Fluggesellschaft bzw. dem Reiseveranstalter angefragt werden. Folgende Angaben sind bei der Mitnahme dieses Zusatzgepäcks notwendig:

  • Gewicht und Maße des Hilfsmittels
  • Energiequelle von E-Rollis (nur auslaufsichere Nass- oder Trockenbatterien werden transportiert)
  • Zollcarnets sind zur Einreise in Länder der Europäischen Union nicht und außerhalb auch nur in wenigen Staaten notwendig.  Auskunft geben Fluggesellschaften und/oder die Konsulate der Länder, die bereist werden sollen.

Meist wird man dazu aufgefordert, Rollstühle und andere sperrige Hilfsmittel an einem Schalter für Sondergepäck aufgegeben. Allerdings macht es Sinn, darauf zu bestehen sich erst am Gate vom eigenen Rollstuhl zu trennen und auf den schmalen bordeigenen Rollstuhl umzusteigen, mit dem man dann in die Maschine gebracht wird. Dadurch wird gewährleistet, dass der eigene Rollstuhl auch wirklich im Frachtraum des richtigen Flugzeugs landet und nicht nach Singapur fliegt, während man selbst nach Quebec möchte.

Das Sitzkissen, das man im Rollstuhl verwendet, sollte man unbedingt mit an Bord nehmen und als Unterlage im Flugzeugsitz verwenden.

Flugreisen mit Begleitperson

Während für den öffentlichen Personenverkehr (Busse und Bahnen) in Deutschland der Anspruch auf die kostenfreie Beförderung einer Assistenzperson (siehe: Das Recht auf eine Begleitperson) ausdrücklich gegeben ist, wenn ein B im Schwerbehindertenausweis vermerkt ist, ist das für die Reise in Flugzeugen nicht automatisch der Fall. Fluggesellschaften, Flughäfen und Reiseveranstalter sind nur zu bestimmten Unterstützungsleistungen verpflichtet. Zwar muss die durchgehende Betreuung mobilitätseingeschränkter Flugreisender von der Ankunft am Flughafen bis zum Abflug ohne zusätzliche Kosten für die Betroffenen sichergestellt werden, doch bedeutet dies nicht notwendigerweise, dass Reisende ohne zusätzliche Kosten eine persönliche Begleitperson mitnehmen können. Einige Fluggesellschaften bieten zwar an, Begleitpersonen auf bestimmten Flügen ermäßigt zu befördern – gezahlt werden müssen z. B. nur Steuern und Servicegebühren – andere bieten als Ersatz die Möglichkeit im Vorfeld eine Begleitung am Flughafen anzufordern. Da die Leistungen der Fluggesellschaften stark  variieren und ggf. auch Änderungen unterworfen sind, bleibt Betroffenen nichts anderes übrig, als sich vor Antritt jeder Reise bei der betreffenden Fluggesellschaft zu informieren.

Flugreisen mit Assistenzhund

Assistenzhunde reisen meist ohne Zusatzkosten mit Herrchen in den Urlaub. Allerdings ist der  vierbeinige Begleiter nur in Ausnahmefällen in der Passagierkabine willkommen:

  • In der Regel fliegen Hunde, die mehr wiegen als 5 kg aufgrund internationaler Sicherheitsbestimmungen in speziellen Transportboxen im Frachtraum mit.
  • Bei einer Reise mit Assistenzhund müssen unbedingt die Einreise-, Quarantäne und Impfbestimmungen für Tiere in den gewählten Urlaubsländern (Auskünfte geben deren Botschaften und Konsulate) beachtet werden.
  • Ein Impfpass des Tieres muss unbedingt mitgeführt werden.

Transfers und die Frage nach dem Waschraum

Wie komme ich an den Flughafen/an Bord/ zu meinem Sitz und – eine Frage, die vor allem für Langstreckenflüge wichtig ist – von meinem Sitz in die Waschräume?

90 Minuten (60 Minuten bei Linienflügen) vor Abflug sollte man am Check-In-Counter der Fluggesellschaft sein. Viele Fluggesellschaften bieten behindertengerechte Transferservices. Falls diese Leistung erbracht wird, sollte man sie unbedingt in Erwägung ziehen, da spezielle Behindertenparkplätze an Flughäfen in begrenzter Zahl vorhanden  sind und möglicherweise weit von der Passagierabfertigung entfernt liegen. Informationen hierzu erteilen die Betreibergesellschaften.

Bei rechtzeitig erfolgter Anmeldung steht an allen deutschen Flughäfen Personal bereit, das beim Ein- und Aussteigen aus dem Flugzeug behilflich ist, gegebenenfalls wird auch ein Sanitätsfahrzeug für den Transport zum Flugzeug bereitgestellt. Diese Sonderservices sind fast immer kostenlos.

Einige Fluggesellschaften haben eigens konstruierte Rollstühle, die den Transport von gehbehinderten Passagieren bei den beengten Verhältnissen in der Kabine erleichtern und so einen Besuch der Waschräume ermöglichen sollen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sind die Toiletten oft so beengt, dass weder mit noch ohne Hilfspersonen ein Transfer möglich ist. Ein Leser von Der-Querschnitt.de gibt folgenden Hinweis:

„Am einfachsten ist es eine Jacke mit Kapuze mitzunehmen, die man dann beim katheterisieren über sich hängt. Außerdem sollte man eine Plastiktüte dabei haben, in der man den Abfall entsorgen kann.“

Eine andere Möglichkeit wäre die Verwendung eines Dauerkatheters während des Flugs.

Weitere Informationen

Für mehr Informationen zu den Rechten, die Fluggästen mit Behinderungen zustehen siehe: Rechte im Luftverkehr

Zu einer Checkliste zur Flugreiseplanung von www.reisen-fuer-rollstuhlfahrer.de geht es hier: Fliegen mit dem Rollstuhl

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