Schmerz-Syndrome, Sensibilität und Empfindungstörungen bei Querschnittlähmung

Die Sensibilität, d. h. die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Reizen, ist bei einer Querschnittlähmung unterhalb der Rückenmarksschädigung teilweise oder vollständig gestört. Wie und in welchem Umfang hängt vom Ausmaß der Rückenmarksläsion ab (Zäch/Koch, 2006).

Bild 130030184 copyright Voyagerix, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Sensibilität umfasst als Oberbegriff die Oberflächen– und Tiefensensibilität.

Die Oberflächensensibilität beschreibt die Wahrnehmung von (äußeren) Reizen über die Haut, wie Schmerz, Kälte und Hitze, Nässe, Druck, Berührung und Vibration (Wikipedia.org, 2015).

Mit Tiefensensibilität ist die Wahrnehmung von Reizen aus dem Körperinneren gemeint, die über die Position bzw. den Aktivitätszustand der Gelenke, Muskeln und Sehnen informieren. Die Tiefensensibilität ist verantwortlich für Lagesinn, Bewegungssinn und Kraft- und Widerstandssinn (Antwerpes/Hircin, 2015).

Im Falle einer kompletten Lähmung sind alle Nervenbahnen des Rückenmarks betroffen. Es kommt zu einem vollständigen Ausfall der Tiefen- und Oberflächensensibilität unterhalb des Schädigungsortes (Zäch/Koch, 2006).

Schmerz-Syndrome bei inkompletter Querschnittlähmung

Bei der inkompletten Lähmung sind nicht alle Nervenbahnen betroffen. Trotz Lähmung der Muskulatur kann die Sensibilität intakt sein und umgekehrt (Müller, 2015). Der Ausfall bzw. der Erhalt der Sensibilität bei inkompletter Querschnittlähmung hängt von Ort und Art der Verletzung ab. Man unterscheidet:

  • Dorsal-cord-Syndrom
    • Schmerz-  und Temperaturempfindung sind erhalten
    • Verlust von Lage-, Vibrationssinn, 2-Punkte Diskrimination und teilweise der Berührungsempfindung
  •  Anterior-cord-Syndrom
    • Lage, Vibrations- und Berührungsempfindung sind erhalten
    • Verlust von Schmerzempfindung
  • Central-cord-Syndrom
    • Verlust von Schmerz- und Temperaturempfindung in den Segmenten der Läsion (Zäch/Koch, 2006)
  • Brown-Séquard-Syndrom, je nach Ausprägung
    • Ausfälle aller sensiblen Modalitäten auf Läsionshöhe
    • Ausfälle des Vibrationssinns, Lagesinns und der taktilen Diskriminierung unterhalb der Läsion
    • Reduktion oder Verlust Schmerz- und Temperaturempfindung auf der Gegenseite unterhalb der Läsion.
  • Epikonussyndrom
    • Sensibilitätsstörungen in den Dermatomen L4 – S4-5 (Dermatomverteilung)
  • Konussyndrom
    • Sensibilitätsstörungen an den Innenseiten der Oberschenkel (‚Reithosen‘-Verteilung)
  • Kaudasyndrom
    • Trotz Lähmung ist die Sensibilität am Damm und/oder den unteren Gliedmaßen häufig erhalten (Wurzelverteilung) (Zäch/Koch, 2006)

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.