Studienergebnisse zu Stammzellentherapie bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine degenerative Krankheit des Nervensystems und kann bei ihrem Fortschreiten eine Querschnittlähmung (siehe: Multiple Sklerose und Querschnittlähmung) auslösen. Die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie geben neuen Grund zur Hoffnungen MS bald mit einer Form der Stammzellentherapie behandeln zu können.

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Ein US-amerikanisches Forscherteam berichtet über die Zwischenergebnisse einer fünfjährigen Studie zu einem Verfahren, das das Immunsystem zunächst ausschalten und dann neu starten soll, mit dem Ziel weitere Immunattacken auf Gehirn und Rückenmark zu verhindern. Eingesetzt werden hierzu Blutstammzellen und eine hochdosierte Immuntherapie.

Die Methode: HSCT

Bei der Methode handelt es sich, wie im Multiple Sklerose Portal Amsel beschrieben, um das sog. HSCT-Verfahren, die Re-Transplantation von eigenen hämatopoetischen (Blutzellen-bildenden) Stammzellen in Kombination mit einer Hochdosis-Immuntherapie. Blutstammzellen werden aus dem Knochenmark gewonnen und sind der Ausgangspunkt für die gesamte Zellneubildung des Blutes und des Abwehrsystems (Hämatopoese).

In der vorliegenden Studie wurden Stammzellen aus Knochenmark oder Blut des Patienten entnommen und vermehrt, während die im Körper verbliebenen Immunzellen durch eine Chemotherapie verarmt, d.h. fast völlig zerstört wurde. Nach Ende der Chemotherapie wurden die zuvor gewonnenen Stammzellen dem Blutkreislauf zugeführt, von wo aus sie sich im Knochenmark ansiedeln, um von dort nach und nach neue Zellen zu produzieren. Bei diesem Neuaufbau – so das Ziel des experimentellen Verfahrens – soll die Multiple Sklerose komplett ausgeschaltet sein.

Die Studie

An der vorliegenden Studie nahmen ursprünglich 25 Patienten teil. Sie alle haben bzw. hatten eine aktive, d. h. in Schüben verlaufende, MS und Verlust neurologischer Funktionen trotz Einnahme von krankheitsmodifizierenden Medikamenten während der 18 Monate im Vorfeld der Studie. Die Teilnehmer wurden während und fünf Jahre nach der HSCT Behandlung begleitet und beobachtet.

Die Ergebnisse

Knapp 80 % der Teilnehmer sind seit drei Jahren (Stand: Dezember 2014) frei von MS Krankheitsaktivitäten.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Eine Patientin hatte eine Lungenembolie aufgrund des Eingriffs zur Zellentnahme und brach die Studie vorzeitig ab.
  • Bei fünf Patienten führte die Behandlung nicht zum erhofften Ergebnis.
  • Ein Jahr nach der Behandlung zeigten sich bei 95,8% der Teilnehmer, und nach drei Jahren bei 80%, deutlich verbesserte Werte bei der Messung der Krankheitsaktivitäten und der Einschätzung der Lebensqualität.
  • Bei diesen Patienten zeigten Immunanalysen einen Rückgang jener Immunzellen, die das Immunsystem angreifen, was auf einen tatsächlichen Neustart des Immunsystems hinweist.
  • Die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen nach einem und nach drei Jahren ergab sich u. a. aus zwei Todesfällen unter den Teilnehmern.
  • Einen Patient verstarb nach Komplikationen aufgrund der MS-Progression, ein weiterer aufgrund von Asthma.
  • Ein Teilnehmer Person erlebte einen MS-Schub. Dies führen die Studienleiter darauf zurück, dass bei dieser Person (aufgrund verweigerten Einverständnis) keine Prednison-Therapie vorgenommen wurde, die das Risiko eines MS-Schub bei der Gewinnung der Stammzellen reduziert.
  • Insgesamt gab es 130 schwerwiegende bzw. lebensbedrohliche Nebenwirkungen, meist Zytopenien (Blutkörperchensenkungen) und Infektionen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen einerseits mit welchen Gefahren die  Stammzelltherapie verbunden ist, andererseits aber wie vielversprechend das Verfahren ist, um das Krankheitsbild MS drastisch einzudämmen oder im besten Fall zu stoppen.

Für weitere Informationen (in englischer Sprache) siehe: HSCT – What to expect

Warnung vor ungeprüften Angeboten

Auch wenn diese Ergebnisse überwiegend Grund zur Hoffnung geben, bleibt die Warnung vor unseriösen Angeboten einer Stammzellentherapie bestehen. Seriöse Stammzelltherapien werden derzeit ausschließlich an spezialisierten Zentren und im Rahmen von Studien angeboten.

Siehe hierzu: DGN warnt vor vorschnellem Einsatz einer Stammzellentherapie

 

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