Spaß am eigenen Beet

Niko Werding ist Gartenbauingenieur und Ausbilder mit Zusatzeignung für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung. In der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach bei Heidelberg hat er Kurse zum Gärtnern am Hochbeet für Menschen mit Querschnittlähmung angeboten. Im Interview macht er Lust auf Blumen, Kräuter und Gemüse im eigenen Beet.

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Herr Werding, worauf müssen Rollstuhlfahrer achten, wenn sie am Hochbeet gärtnern?

In einem Hochbeet sollten die Pflanzen nicht zu hoch wachsen. Man nimmt also z. B. lieber eine Tomatenpflanze, die nur einen halben Meter bis einen Meter hoch wird.

Je nachdem, ob das Hochbeet unterfahrbar ist oder nicht, muss man auch an den Bedarf der Pflanze unter der Erde denken. Ein unterfahrbares Hochbeet ist ja sehr niedrig, dort gedeihen Gewächse, die man auch im Topf ziehen kann. Ein Kräutergarten oder Salate sind damit zufrieden, brauchen aber eine regelmäßige Bewässerung. Anders als ein mit dem Boden verbundenes Hochbeet kann sich die Erde im Hochbeet ohne Bodenkontakt nicht über Kapillare Wasser aus den tieferen Schichten ziehen und läuft dadurch Gefahr auszutrocknen (siehe auch: Hochbeete im barrierefreien Garten).

Mit welchen Pflanzen können Anfänger wenig falsch machen?

Mir geht es sehr darum, die Lust auf das Selber-Gärtnern zu wecken. Dazu braucht es keine große Kraft oder Fingerfertigkeit. Manche Pflanzen profitieren gerade davon, wenn man mit ihnen ganz zart umgeht.

Wenn es wärmer wird, eignet sich die Geranie sehr gut für angehende Gärtner. Die ist pflegeleicht, gedeiht im Halbschatten und in der Sonne und verträgt auch mal eine Durststrecke.

Nachteile?

Die Geranie übersteht keinen Frost, denn sie kommt aus Südafrika. – Wobei viele Menschen das Verdursten einer Pflanze mit dem Erfrieren verwechseln. Dabei bräuchten manche Pflanzen einfach nur vor und nach dem Frost genügend Wasser. An das kommen sie nämlich nicht, wenn es friert. Dann verdursten sie, werden gelb, und die Leute glauben, ihre Pflanze sei erfroren. Die Geranie allerdings ist es dann meist tatsächlich.

Welche Nutzpflanzen lassen sich im Hochbeet gut selbst anbauen?

Klassiker sind Tomaten, Paprika oder KrDSC_0523_Tomatenpflanze_MSSäuter wie Schnittlauch oder Petersilie.  In einem Hochbeet haben Sie im Gegensatz zu einzelnen Töpfen die Möglichkeit, eine Mischkultur anzupflanzen, also Gewächse so zu kombinieren, dass sie sich positiv beeinflussen. Z. B. Tomaten, Kohlrabi und Salate. Ein besonderer Anreiz für den eigenen Anbau sind auch Sorten, die es nicht auf jedem Markt gibt, z. B. gelber, orangefarbener, grüner oder lila Blumenkohl, bunter Mangold oder gelbe Möhren. Solche Sorten stelle ich auch in meinen Kursen vor.

Gibt es auf dem Balkon oder in einem unterfahrbaren Hochbeet ebenso eine Chance auf Ernte?

Ja, wenn Sie Essbares anbauen, das auch im Topf gut gedeiht, z. B. Radieschen, Kräuter und Salate.

Was tue ich gegen Läuse?

Vorbeugend hilft eine gute Pflege. – Je gesünder meine Pflanze ist, umso weniger Schädlinge siedeln sich an. Gibt es erste Läuse, kann man es zunächst mit KernsDSC_0507Gewaechshaus_MSSeife versuchen: Etwas Kernseife in Wasser auflösen und mit den Händen über die Pflanze träufeln.

Bei meiner Arbeit als Gärtner verwende ich z. T. auch Alkohol als Pflanzenschutz. Wer komplett biologisch gegen Schädlinge vorgehen will, nimmt Brennnesseljauche. Das ist allerdings ein aufwendiges Verfahren, weil die Blätter drei bis vier Tage kochen müssen. Bequemer geht es mit Pyrethrum, einem Mittel, das früher aus Chrysanthemenblüten  gewonnen wurde, heute aber billiger chemisch hergestellt wird.

 

 

 

 

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