Radar Key und Changing Places: Die Toilettensituation in Großbritannien

Nicht nur durch den Linksverkehr unterscheidet sich Großbritannien von Festlandeuropa. Auch was die Situation hinsichtlich Behindertentoiletten angeht, sind die Insulaner mit Radar Keys und Changing Places ein bisschen anders unterwegs.

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Radar Key: Was ist gleich und was ist anders?

Ebenso wie auf dem Kontinent sind in Großbritannien Behindertentoiletten aus gegebenem Anlass meist abgeschlossen. Wenn man als Rollstuhlfahrer eine Behindertentoilette nutzen möchte, muss man zunächst jemanden finden, dem man sagen kann, dass man gerne mal aufs Klo möchte (in England übrigens: the loo). Dieser Jemand sucht dann den Schlüssel oder die Person, die wissen könnte, wo der Schlüssel ist, und wenn es ganz dumm läuft, hat der gerade Urlaub oder Mittagspause und ist auf sonst eine Art nicht auffindbar.

Diese Probleme können hüben wie drüben auftreten, weshalb es hierzulande den Euro-Toilettenschlüssel gibt (siehe: Schlüsselerlebnis – Der Euro-Toilettenschlüssel). In Großbritannien heißt dieser Schlüssel Radar Key, ist mit ca. 10 cm Länge deutlich größer und sieht auch anders aus. Laut einer Sprecherin von Disability Rights UK sind diese Unterschiede bewusst herbeigeführt, einerseits um den Schlüssel auch bei eingeschränkter Handfunktion leichter bedienen zu können und andererseits soll die ungewöhnliche Form unberechtigte Nutzer daran erinnern, dass sie ihn nicht verwenden sollten.

Was kostet ein Radar Key und wo kann man ihn beziehen?*

Wenn man eine Reise nach Großbritannien plant, kann man den Radar Key im Vorfeld entweder aus England direkt von Disability Rights UK oder über den Online-Versandhandel beziehen. Als Kosten werden ca. 7,30 Euro zzgl. Versandkosten genannt.

Es gibt aber auch Anbieter in Deutschland, bei denen man den Radar Key für ca. 20 Euro (bei z. B. London barrierefrei) kaufen oder für eine Gebühr ca. 7 Euro und Kaution von 40 Euro mieten kann (bei z. B. Rolliwelten e.V.).

Radar Key Toiletten-Broschüre und App.

Um einen Überblick darüber zu haben, wo sich Behindertentoiletten in greifbarer Nähe befinden, gibt es von Disability Rights UK Broschüren, die Region Lists, in der alle gelisteten Toiletten (Stand 2013) aufgeführt sind. Die Region Lists gibt es für 21 Regionen zum Stückpreis von ca. 5 Euro.

Tipp: Manche Urlaubsorte bieten für Reisende mit Behinderung die Region List, die sie selbst betreffen, und manchmal auch die Radar Key selbst in den Touristeninformationsstellen an.

Neben dieser Printausgabe gibt es auch eine Smartphone App zu den Radar Keys. Sie kostet ca. 7 Euro und ist im App Store erhältlich. Allerdings weisen Nutzer in Foren darauf hin, dass längst nicht alle in Frage kommenden Toiletten in der App aufgelistet sind. Es gibt zwar eine interaktive Funktion, mit der man Toiletten, von denen man weiß, die aber nicht aufgeführt sind, einpflegen kann – für den Nutzer auf der Suche nach einer Toilette ist dies aber ein schwacher Trost.

Changing Places – Behindertentoilette mit Sonderausstattung

Changing Places ist nicht einfach der englische Name für Behindertentoiletten. Die meisten öffentlichen Toiletten (public toiletts) dort verfügen über eine Behindertentoilette (disabled toilett). In ganz Großbritannien stehen schätzungsweise ca. 9.000 zur Verfügung. Changing Places, die Behindertentoilette mit Sonderausstattung, gibt es weit seltener.

Etwa 1.000 gibt es derzeit, 70 davon in London. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr hinzukommen werden, denn Changing Places sind eine feine Sache: Sie sind nicht nur größer und bieten daher mehr Platz, sondern haben auch eine Liege, d. h. eine Ruhe- und Wickelmöglichkeit, sowie ein Liftsystem, um schwerbehinderte Menschen einfacher aus dem Rollstuhl und wieder zurück heben zu können. Außerdem verfügen sie über einen rutschfesten Boden zum sichereren Manövrieren sowie genug Platz auf beiden Seiten der Toilette, damit man sich aussuchen kann, von welcher Seite aus man transferieren möchte oder damit Begleitpersonen bzw. Assistenten genug Platz haben.

Wie alle Behindertentoiletten kann man auch die Changing Places mit dem Radar Key öffnen.

So findet man die Changing Places:

Die Website Changing-Places.org bietet eine Suchfunktion, bei der man den eigenen aktuellen Standort eingibt. Die Ergebnisanzeige listet die Changing Places auf, die es im Umkreis von 10 Meilen gibt, die näheste wird an erster Stelle genannt. Vor allem in staatlichen Einrichtungen, aber auch an Bahnhöfen und in Einkaufszentren wird man fündig werden.

Auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren Changing Places eingerichtet, vor allem an Flughäfen und in Amtsgebäuden.

*Alle Preise Stand: Oktober 2015

 

Für ein ähnliches Projekt in Deutschland siehe: Die Aktion „Toiletten für alle“

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