Was tun bei geschwollenen Beinen? – Ödemtherapie bei Querschnittlähmung

Zu geschwollenen Beinen kommt es bei Querschnittgelähmten oft wegen der fehlenden Gelenk-/Muskelpumpfunktion der Beine, die eine Lympho-Phlebostase (Stauungen in Lymphen und Venen) auslöst. Tritt die Schwellung konstant über einen längeren Zeitraum auf, spricht mach von einem Inaktivitätsödem (Herpertz, 2013a).

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Bei Inaktivitätsödemen ist die Ödemtherapie eine wirksame Behandlungsmethode, jedoch muss die Kompressionsbehandlung mit geringem Druck erfolgen, wegen des relativ hohen Risikos von Druckstellen (Dekubitus) und resultierenden Hautnekrosen (Herpertz, 2013a).

Die Ödemtherapie besteht aus:

  • Ödemgriffen

Manuelle Behandlung, die mit kräftigen Griffen die Rückresorption in den Venen fördert.

  • Kompressionsbehandlung
    Erfolgt ganztägig durch Bandagierungen oder Kompressionsstrümpfe oder durch ein Kompressionsgerät (gibt es auch für den Hausgebrauch) mit dem Ziel, das verfestigte Gewebe zu lockern. Siehe: Kompressionsstrümpfe Klasse I in der häuslichen Krankenpflege
  • Manuelle Lymphdrainage
    Manuelle Behandlung, die mit sanften, rhythmischen Pump- und Kreisbewegungen der Hände durchgeführt wird und bei der die Haut gegen die Unterhaut verschoben wird, um den Lymphabfluss zu aktivieren. Ziel ist es, das Ausmaß der Schwellung zu reduzieren und die Neubildung von Lymphgefäßen im Narbengewebe zu fördern (Herpertz, 2013b).

Bild 134406176 copyright Ocskay Bence, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comDie Verringerung des Ödemvolumens führt sowohl zu einer Schmerzlinderung als auch zu einer Beweglichkeitszunahme. Zu beachten ist, dass querschnittgelähmte Patienten bei einer manuellen Lymphdrainage entsprechend der Empfehlungen von Arzt oder Therapeut gelagert werden und eine anschließende Ruhezeit einhalten (Zäch/Koch, 2006).

 

 

Prophylaxe/Behandlung:

Prophylaxe- und Behandlungsmaßnahmen gibt es folgend:

  • Kompression der betroffenen Gliedmaße: Kompressionstextilien gibt es als Strümpfe, Strumpfhosen, Handschuhe, Ärmel und elastische Binden (Kompressionsverbände). Sie sollen den geschwächten Muskeln der betroffenen Extremitäten helfen, die überschüssige Zellflüssigkeit wieder in den Blutstrom zu überführen. Bei der Verwendung ist zu beachten, dass nur maßgefertigte und unbeschädigte Strümpfe der Klasse II die medizinischen Anforderungen erfüllen.Es gibt Menschen, die keine Kompressionskleidung tragen sollten, z. B. Patienten, die unter einer peripher arteriosklerotische Gefäßerkrankung oder akuter Zellgewebsentzündung leiden. Zudem ist es möglich, dass Kompressionskleidung eine autonome Dysreflexie (siehe: Was geschieht bei einer Autonomen Dysreflexie?) auslösen können. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und/oder Therapeuten ist daher im Vorfeld angezeigt.
  • Konsequente und regelmäßige Entstauungsbehandlungen (manuell/apparativ), sowie begleitende krankengymnastische Übungen
  • Keine abschnürende Kleidung (auch Schuhe, Unterwäsche und Gürtel)
  • Extreme Temperaturschwankungen (große Hitze/Kälte) meiden
  • Beine regelmäßig hoch lagern (nachts z. B. das Fußende des Bettes hochstellen)
  • Keine knetenden Massagen des ödematösen Beines (deutsche-gefaessliga.de, 2013)

Bei Hautpflege (siehe: Hautpflege), Freizeitgestaltung und Ernährung (siehe: Ernährung bei Querschnittlähmung) gelten Empfehlungen, die Querschnittgelähmte zu einem Großteil auch dann beachten sollten, wenn sie nicht unter geschwollenen Beinen leiden:

  • Vorsicht bei der Fußpflege: nicht in den Nagelfalz schneiden
  • Keine reizenden, allergisierenden Kosmetika verwenden
  • Keine Injektionen (weder in die Haut noch in die Muskeln oder in ein Gelenk) auf der geschwollenen Seite geben lassen
  • Keine Akupunkturbehandlung; keine Blutegelbehandlung
  • Bei der Urlaubsplanung insektenverseuchte Gebiete meiden
  • Vermeiden von Prellungen, Verletzungen, Blutergüssen
  • Keine Sauna
  • Kein Sonnenbaden, keine Solarien, keine Infrarotbestrahlung, keine heißen Bäder
  • Normalgewicht erreichen bzw. halten
  • Ausgewogene, salzarme Ernährung
  • Viel trinken (1,5–2 Liter am Tag) siehe: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung
  • Rauchen und Alkohol sind in jedem Fall gesundheitsschädlich und sollten möglichst vermieden werden (deutsche-gefaessliga.de, 2013)

Da vor allem langandauerndes bzw. übermäßiges Abknicken der Beine und Verharren in derselben Position die Entstehung von geschwollenen Beinen fördern, ist folgendes zu beachten:

  • Wechsellagerung oder Positionswechsel beim Sitzen
  • Falls möglich, Stehbetten oder Stehrollstühle nutzen (Siehe: Stehtraining bei Querschnittlähmung)
  • Bestimmte Medikamente schwemmen Wasser über die Nieren aus dem Körper. Rücksprache mit dem Arzt ist unbedingt erforderlich.

Weitere Informationen

Siehe auch: Ödeme bei Querschnittlähmung

Siehe auch: Alternative Methoden zur Behandlung von Ödemen

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