Erektionsstörungen bei Querschnittlähmung

Das (Wieder-) Erlangen der vollen Erektionsfähigkeit beeinflusst nicht die Wiederkehr von Empfindung oder die Orgasmus- und Ejakulationsfähigkeit, sie stellt aber eine wichtige Komponente beim Ausleben der Sexualität von Betroffenen dar, macht den Geschlechtsverkehr im eigentlichen Sinne überhaupt erst möglich und gewährleistet so für den Querschnittgelähmten, dem dieser Bereich des Daseins und vor allem von Partnerschaft wichtig ist, eine verbesserte Lebensqualität.Bild 66080008 Copyright Fabio Berti, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Zur Behandlung der erektilen Dysfunktion gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Medikamentöse Therapie

Viagra

Viagra

Bei der medikamentösen Therapie unterscheidet man die orale Einnahme von individuell abgestimmten Präparaten und die Injektion gefäßaktiver Substanzen direkt in den Penis. Bevorzugt werden heute Medikamente aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer (Phosphodiesterase-5-Hemmer) verwendet. Verfügbar sind Sildenafil (Viagra), Levitra, Cialis, Tadalafil und Verdenafil. Die Wirkung dieser Präparate setzt nur in Verbindung mit sexueller Stimulation ein (Kämpfer, 2012) und hat eine Erfolgsrate, d. h. ein bei Anwendung als zufriedenstellend beschriebenes Ergebnis, von 80% (Märk/ et al., 2012). Für eine Beschreibung der pflanzlichen Alternative zu Viagra, der südamerikanischen Maca-Wurzel, siehe: Aphrodisiaka – Lustmacher aus der Natur. Keinesfalls dürfen PDE-5-Hemmer mit Nitropräparaten, mit denen man z.B. Blutdruckkrisen bei autonomer Dysregulation behandelt, kombiniert werden, weil dies zu einer lebensbedrohlichen Verschlechterung der Herzdurchblutung führen kann.

Wenn die Medikamente in Tablettenform nicht den gewünschten Erfolg zeigen oder Nebenwirkungen auftreten, ist die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) eine Alternative. Der Wirkstoff Alprostadil wird hierbei vom Betroffenen selbst direkt in den linken oder rechten Schwellkörper gespritzt, wo sie sich verteilt und innerhalb von 5 bis 10 Minuten durch Erschlaffung der glatten Muskulatur einen vermehrten Bluteinstrom und schließlich – unabhängig von sexueller Stimulation – eine Erektion auslöst, die zwischen 30 und 60 Minuten anhält (Kämpfer, 2012 und Märk / et al., 2012). Sollte die Erektion länger als ein bis zwei Stunden nach Injektion immer noch nicht abgeklungen sein, muss vom Urologen ein Gegenmittel verabreicht werden. Eine Narbenbildung auf dem Penis lässt sich auch bei häufiger Anwendung vermeiden, wenn die Injektionstechnik korrekt ausgeführt wird (Ducharme/Gill, 2006). Die entsprechende Dosis wird vom behandelnden Arzt festgelegt und muss individuell erprobt werden. Grundsätzlich ist es möglich den Wirkstoff Alprostadil auch transurethral, d. h. mit einem Applikator in die Harnröhre einzubringen. Von dort kann er über gemeinsame Blutgefäße in den Schwellkörper gelangen und die Erektion auslösen. Allerdings ist der Erfolg bei dieser Applikation deutlich geringer als bei der Injektionsmethode (Kämpfer, 2012).

Mechanische Therapie

Vakuumerektionspumpe (Penispumpe)

Vakuumerektionspumpe (Penispumpe)

Eine Vakuumerektionshilfe in Form einer Vakuumpumpe löst eine Gliedversteifung aus, die mit Hilfe eines Penisringes aufrechterhalten werden kann.  Zunächst wird ein Kunststoffzylinder über den Penis gestülpt und fest an die Peniswurzel gedrückt. Mit einer Pumpe wird ein Unterdruck erzeugt, durch dessen Sog sich die Schwellkörper mit Blut füllen. Der Penisring wird nun vom Zylinder auf den Penis gestreift, um einen vorzeitigen Blutabfluss aus den Schwellkörpern zu verhindern; nach spätestens 30 Minuten sollte er entfernt werden. Die mechanische Therapie birgt das Risiko von Druckschäden und Nekrosen; zudem knickt der Penis an der Wurzel oft ab (Kämpfer, 2012). Allerdings bietet sie im Vergleich zu der medikamentösen Therapie den Vorteil, dass der Organismus nicht durch zusätzliche Medikamente belastet wird. Siehe auch: Sexualität: Hilfsmittel für Männer und Frauen.

Operative Therapien

Bei Rückenmarksverletzungen gibt es (derzeit) keine operative Möglichkeit, die körpereigene Fähigkeit eine Erektion zu erreichen wiederherzustellen. Ein vaskulärer Bypass eignet sich  – mit eingeschränkten Erfolgsaussichten – zur  Verbesserung der Erektionsfähigkeit von Männern, die ein Trauma in der Beckenregion hatten und bei denen die Penisarterien nicht durchgängig sind oder der Blutfluss gestört ist. Bei neurologischen Verletzungen werden die Erektionsstörungen aber durch die geschädigte Reizleitung ausgelöst, weshalb ein vaskulärer Bypass für Querschnittgelähmte nicht in Frage kommt  (Ducharme/ Gill, 2006). Es besteht die Möglichkeit ein Schwellkörperimplantat,  d. h. eine Penisprothese, in den Penis einzusetzen. Hierbei werden zwei Plastikzylinder operativ in die Schwellkörper eingebracht, die bei Bedarf hydraulisch, d. h. durch eine im Hodensack implantierte Pumpe, mit Flüssigkeit gefüllt werden und so eine mechanische Gliedversteifung erzielen. Das Flüssigkeitsreservoir ist im Bauchraum verborgen; nach dem Geschlechtsverkehr fließt die Flüssigkeit durch öffnen eines Ventils an der Pumpe wieder ab und die Erektion lässt nach. Der Vorteil für den Betroffenen liegt darin, dass Implantate nur direkt vor Gebrauch und ohne Umstände aktiviert werden müssen. Das Risiko von mechanischen Defekten bei Penisprothesen besteht heutzutage fast nicht mehr, und auch ein Abstoßen des Implantates durch Infektionen ist wenig wahrscheinlich (wenn auch möglich), da die meisten Ursachen für Infektionen inzwischen behoben werden konnten. Allerdings ist es möglich, dass die Implantate schwere Schäden an den Schwellkörpern verursachen, was etwa eine zusätzliche SKAT-Therapie unmöglich macht (Ducharme/ Gill, 2006 u. Kämpfer, 2012).

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