Im Rolli durch die Stadt mit Wheelmap

Es bestätigt sich immer wieder: Die einfachsten Ideen sind die besten. In diesem Fall die Idee, rollstuhlgerechte Orte in einer Karte zu verzeichnen – und jeder kann mitmachen.

Wheelmap_paintnet

2010 wurde dieses Konzept von dem Berliner Raúl Krauthausen ins Leben gerufen und seither mehrfach ausgezeichnet. Selbst Rollstuhlfahrer, entwickelte er das Projekt aus dem Wunsch nach größerer räumlicher Flexibilität heraus: „Ein Freund hatte sich beschwert, dass wir uns immer in demselben Café treffen müssen. Wir beide wussten aber nicht, in welchem anderen Café ein Treffen überhaupt möglich wäre, ohne eine Stufe am Eingang zu haben, die man mit einem Rollstuhl nicht überwinden kann.“ Inzwischen gibt es nicht nur die auf der Online-Karte Open StreetMap basierende Wheelmap mit etwa 330.000 Eintragungen, sondern auch eine dazugehörige App. Am Rechner oder mobil über ein Smartphone lassen sich Cafés und Restaurants, Bibliotheken und Theater, Parkhäuser und viele andere öffentliche Orte auf ihre Zugänglichkeit hin abrufen oder neu eintragen und bewerten.

Grünes Licht für Rollifahrer

Wheelmap ist nicht nur für alle in mehreren Sprachen frei nutzbar, sondern auch ein Produkt aller: Wie das Online-Lexikon Wikipedia beruht das Projekt auf der Beteiligung möglichst vieler Menschen, die Orte in die Karte eintragen. „Jeden Tag kommen durchschnittlich 200 neue Orte hinzu“, sagt Pressesprecher Andi Weiland. Die meisten davon seien voll rollstuhlgerecht, das bedeutet, alle Räume sind mit dem Rollstuhl erreichbar und das WC, wenn vorhanden, ist rollstuhlgerecht. Nur dann bekommt der Ort einen grün hinterlegten Eintrag. Gelbe Hinweise bedeutet: teilweise rollstuhlgerecht – der Eingang hat maximal eine Stufe, die nicht höher als 7 cm ist, die wichtigsten Räume sind stufenlos, auf eine behindertengerechte Toilette kann man sich hier leider nicht verlassen. Rot schließlich heißt: mehrere Stufen, mit dem Rollstuhl nicht zugänglich. „Wir sprechen bewusst nicht von Berrierefreiheit“, erklärt Weiland „denn die würde noch viel mehr beinhalten. Ob Stufen da sind oder nicht, kann hingegen jeder beurteilen und für Rollstuhlfahrer ist das schon mal ein ganz wichtiges Kriterium.“

Mithilfe erwünscht

klein wheelmap_app Copyright Sozialhelden e.V.Noch zeigt Wheelmap viele graue Eintragungen von Sehenswürdigkeiten, Gastronomie oder Haltestellen, gerade in ländlichen Regionen. Sie sind bislang unbekannt und unbewertet, können aber jederzeit und von jedem in das Ampelsystem übernommen werden. Insbesondere in Stadtgebieten sorgt die Karte jedoch zunehmend für Orientierung und Planbarkeit: „Damit trägt sie zu einem aktiven und abwechslungsreichen Lebensstil für Rollstuhlfahrer bei. Aber auch Menschen mit Rollatoren oder Kinderwägen profitieren von dem Angebot.“ Zudem, bemerken die Macher, sei Wheelmap auch ein Anstoß für Inhaber und Betreiber, ihr Unternehmen für mobilitätseingeschränkte Menschen zugänglich zu machen. Aktuell sucht das Team für 200 mobile Rampen eine sinnvolle Beschäftigung: „Wer einen Ort kennt, der eine Rampe gebrauchen könnte, kann sich mit uns in Verbindung setzten. In Absprache mit dem Inhaber schicken wir dann eine mobile Rampe kostenfrei zu.“ Das Geld für die Rampen kommt aus einer Spendenaktion vom Dezember 2012, die sich 2013 wiederholen könnte. „Noch sind aber genügend Rampen verfügbar, sie müssen nur angefordert werden“, so Weiland. Für mehr Informationen zur Rollstuhlrampe siehe: Auf neuen Wegen mit Wheelramp.

Ein Problembewusstsein schaffen

Die Wheelmap ist ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Sozialhelden e.V., einem  Netzwerk mit Sitz in Berlin, das seit 2004 einmalige Projekte, aber auch fortlaufende Aktionen im sozialen Bereich initiiert. Die meisten drehen sich um das Zusammenleben von behinderten oder kranken und gesunden Menschen, um Berichterstattung über Behinderung oder darum, auf Missstände zu verweisen. So zieht das Team auch schon mal mit Rampen ausgerüstet los, um – wenn auch vorübergehend – ganz neue Zugänge für Rollstuhlfahrer zu schaffen und zugleich darauf aufmerksam zu machen, dass ansonsten an den diversen Orten für sie kein Fortkommen ist. Über Wheelmap referiert Raúl Krauthausen zudem vor Architekturstudenten, um das Problembewusstsein zu stärken und mit dem Ziel, die eine oder andere Barriere schon im Vorfeld aus den Köpfen und den Entwürfen zu verbannen. Aber auch Nachbesserungen sind durchaus willkommen: „Wenn z. B. Inhaber sich bei uns melden und uns bitten, sie in der Karte von Rot auf Grün zu setzen – sie hätten mittlerweile einen rollstuhlgerechten Zugang.“

Update 2018

Mit dem Projekt „Elevate“ werden seit 2018 auch Informationen zu funktionierenden Fahrstühlen im öffentlichen Nahverkehr angezeigt. Siehe: Bundesweite Informationen zur Aufzugsstörungen: Wheelmap erweitert Angebot

Weitere Informationen

www.wheelmap.org

 

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