Auswirkungen einer Querschnittlähmung auf Organe und Körperfunktionen

In der Anfangszeit steht für viele neu von einer Querschnittlähmung Betroffene die Aussicht, nicht mehr laufen und vielleicht auch die Arme nicht mehr oder nicht mehr voll einsetzen zu können, im Vordergrund. Erst nach und nach werden weitere Auswirkungen der Verletzung auf Organe und Körperfunktionen deutlich.

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Dabei spielt nicht nur das Wissen um anatomische Vorgänge eine Rolle, sondern vor allem die Erfahrungen mit den veränderten Reaktionen des eigenen Körpers. Dennoch finden Betroffene im Folgenden ein Grundwissen zu möglichen Veränderungen über die Motorik hinaus, das helfen kann, die ungewohnte Situation besser zu verstehen. Ein angemessener Umgang mit den individuellen Beeinträchtigungen kann nur in Abstimmung mit Fachpersonal erarbeitet werden.

Zentrales und vegetatives Nervensystem

Das zentrale Nervensystem (ZNS) verarbeitet sensorische Reize aus Haut, Gelenken, Muskeln und Sehnen sowie inneren Organen im Rückenmark. Viele Funktionsausfälle bei einer Rückenmarksverletzung rühren daher, dass neben dem zentralen Nervensystem auch Bahnen des damit eng verbundenen autonomen Nervensystems beeinträchtigt sind. Sie betreffen meist Leistungen des Sympathikus, was dazu führt, dass sein Gegenspieler, der Parasympathikus, die Oberhand gewinnt. Vegetative Störungen können Harn- und Verdauungstrakt, Atmung, Sexualfunktion und andere innere Organsysteme betreffen.

 

  •  Muskelaktivität

Die zielgerichtete Steuerung von Muskelaktivität erreichen ZNS und autonomes Nervensystem gemeinsam. Fehlen dem ZNS dämpfende Impluse, bleibt die Aktivität eines Muskels oder von Muskelgruppen ungebremst. Bewegungen und Muskeln sind unkontrolliert versteift.

Organe:

    • Von eingeschränkter oder ungesteuerter Muskelaktivität können zahlreiche Organe betroffenen sein, z. B. die Lunge, das Zungenbein, das Herz oder auch der Mastdarm.

Funktionen:

    • Motorik

Störungen:

 

  • Atmung

Auch hier sind das Lähmungsniveau, die Ausprägung der Lähmung und vegetative Auswirkungen entscheidend für die Komplexität der Problematik.

klein 94626550 lungenembolie Copyright AlilaMedicalImages, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.comOrgane:

Funktionen:

    • Atmung
    • Husten

Störungen:

 

  • Herz und Kreislauf

In seiner tendenziell hemmenden Funktion kann es bei einer ungebremsten Aktivität des Parasympathikus leicht zu gefährlichen Herz-Kreislauf-Problemen kommen, vor allem in der Akutphase. Im akuten Stadium können Blutdruck und Herzfrequenz je nach Höhe der Verletzung massiv abfallen. Im weiteren Verlauf bedeutet eine Störung der Regulation der Herzfrequenz, dass Tetraplegiker die Leistungsfähigkeit ihres Herzens kaum noch genügend an die körperliche Leistung anpassen können und die gesamte körperliche Leistungsfähigkeit dadurch eingeschränkt sein kann.

Organe:

    • Herz

Funktionen:

    • Kreislauf
    • Temperaturregulation

Störungen:

 

  • Sensibilität und Schmerzempfinden

Über die Haut nehmen wir nicht nur bewusst Berührungen, Schmerz, Druck oder Vibration wahr, sondern auch unbewusst. Wir verlagern unsere Sitzposition, wenn der Druck an einer Stelle zu hoch wird oder drehen uns im Schlaf. Damit bewahrt der Körper sich selbst vor Schäden. Neben Einschränkungen der Motorik ist bei einer Querschnittlähmung zunächst die Beeinträchtigung des Berührungsempfindens offensichtlich. Ist die Sensibilität der Haut durch eine Rückenmarksverletzung gestört, werden Reize nicht mehr weitergeleitet und die Schutzfunktion fällt aus. Daher ist der bewusste Schutz vor Druckstellen bei einer Querschnittlähmung so wichtig.

Organe:

    • Haut

Funktionen:

    • Sensibilität
    • Schmerzempfinden

Störungen:

 

  • Darm- und Blasenfunktion

Kaum jemand vermutet, dass bei einer Querschnittlähmung meist auch Blasen- und Darmfunktionen beeinträchtigt sind. Auch Betroffene müssen erst lernen, mit Dingen, die früher so selbstverständlich und reibungslos verliefen, anders umzugehen und den Körper in seinen eingeschränkten Funktionen angemessen zu unterstützen, um Komplikationen zu vermeiden.

Organe:

Funktionen:

Störungen:

 

  • Sexualfunktionen

Eine Verletzung des Rückenmarks verändert das Erleben des eigenen Körpers und meist auch die Sexualität. Gewohnte Sexualfunktionen sind nicht mehr selbstverständlich, aber in vielen Fällen mithilfe von geeigneten Medikamenten, Hilfsmitteln oder durch operative Eingriffe zu beeinflussen. Betroffene müssen auf eine lustvolle und befriedigende Sexualität nicht verzichten. Auch der Erfüllung eines Kinderwunsches steht in der Regel nichts entgegen.

Funktionen:

Störungen:

 

Organische Auffälligkeiten

Untersuchungen zum Einfluss von Querschnittlähmungen auf Gallenerkrankungen (z. B. Gallensteine) ergaben ein erhöhtes Risiko für solche Erkrankungen bei einer Läsion oberhalb von Th10 und gestörter Gallenblasenmotilität (Apstein et al., 1987).

 

 

 

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