Kinesiotaping und Aku-Taping in der Schmerztherapie

Kinesiotaping und Aku-Taping sind – zwar nicht wissenschaftlich wohl aber durch individuelle Erfahrungsberichte – belegte Verfahren aus der Schmerztherapie, bei denen elastische Bänder auf die Haut geklebt und dort bis zu zwei Wochen belassen werden, wo sie ihre schmerzlindernde und stoffwechselanregende Wirkung entfalten sollen.

Bild 101407120 Copyright Colman Lerner Gerardo, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

 

In der Schulmedizin werden starre Tape-Verbände in der Orthopädie, Sportmedizin und/oder Unfallchirurgie zur Behandlung und Prävention eingesetzt. Dabei werden die behandelten Muskeln, Bänder und Gelenke ruhig gestellt, so dass unerwünschte oder übermäßige Bewegung verhindert und dadurch die Heilung gefördert wird. Zudem sollen Tape-Verbände die Körperwahrnehmung verbessern und Gewebeschwellungen vorbeugen.

Im Unterschied dazu sind die Verbände beim Kinesio- und Aku-Taping stark dehnbar und lassen Muskel- und Gelenkbewegung zu, während die Haut fixiert beleibt. Über die so gewollt herbeigeführten Scherkräfte, soll die heilende Wirkung erreicht werden.

Kinesiotaping

Vor 40 Jahren entwickelte der japanische Arzt und Chiropraktiker Kenzo Kase das Kinesiotaping, bei dem dehnbare Bänder direkt auf der Haut angebracht werden. Diese Tapes bestehen aus Baumwolle und einer dünnen Schicht Acrylkleber und sind hautfreundlich, atmungsaktiv, hochelastisch und in verschiedenen Farben erhältlich.

Bei der Behandlung wird zunächst die Haut über den betroffenen Bereichen von Haar und Fett befreit und die Muskel- bzw. Gelenkzonen vorgedehnt. Dann werden die ebenfalls vorgedehnten Tapes entlang der Sehnen und Muskeln angebracht. Werden die behandelten Bereiche dann bewegt, bleibt die Haut am Tape-Verband haften, wodurch es zu einer anhaltenden Reibung der Haut gegen die Unterhaut und somit zu einer Stimulierung der darunter liegenden Muskeln, Bänder oder Gelenke kommt.

Die Tape-Verbände können so angelegt werden, dass sie entweder tonisierende oder detonisierende Wirkung haben. Neben diesem Einsatz zur Tonusregulierung und Schmerzlinderung können Tapes mit stützender oder massierender Funktion angewendet werden und so z. B. die Stabilität und Beweglichkeit von Gelenken verbessern oder den Abfluss der Lymphflüssigkeit anregen.

Aku-Taping

Das Aku-Taping ist eine Weiterentwicklung des Kinesiotapings und integriert neben den Grundlagen und Regeln der Akupunktur auch die Prinzipien der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) und die Erkenntnisse der manuellen Medizin bzw. der Osteopathie. Behandelt werden somit auch Körperzonen, die zwar vom Patienten selbst nicht als gestört empfunden werden, wohl aber in ihrer Funktion beeinträchtigt sind und somit Störungen und/oder Schmerzen an anderen Stellen des Körpers verursachen.

Eingesetzt wird Aku-Taping hauptsächlich zur Tonusregulierung und zur Behandlung von akuten oder chronischen Schmerzen. Ebenso kann es aber – wie das Kinesiotaping auch – zur Stärkung von Organen und dem Immunsystem eingesetzt werden, Schwellungen mindern, die Verdauung anregen und die Durchblutung verbessern.

Da Rollstuhlfahrer ihre Gelenke und Muskeln anders beanspruchen als Fußgänger es tuen – vor allem Schulter, Hals und Ellbogen- und Handgelenke erfahren oft eine Überlastung – besteht ein gesteigertes Interesse an Methoden, die prophylaktisch oder therapeutisch dazu eingesetzt werden können solche übermäßigen Beanspruchungen zu behandeln. Aku-Taping kann hierbei helfen; spezielle Anwendungen bei orthopädischen Beschwerden gibt es für:

  • Gelenkschmerzen und -ergüsse
  • Muskelzerrungen und Muskelkater
  • Schulterschmerzen (siehe: Die Schulterproblematik)
  • Ellbogenschmerzen
  • Handgelenkschmerzen (z. B. Karpaltunnelsyndrom)
  • Rückenschmerzen (Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Steißbein) und Kopfschmerzen
  • Hüftschmerzen

Farben

Die elastischen Bänder, die für das Kinesio- und Aku-Taping eingesetzt werden, gibt es in mehreren Farben, wodurch die Elemente der Farbenlehre aus der Kinesiologie in die Behandlung integriert werden können. Blau, zum Beispiel, soll eine beruhigende Wirkung haben, pink soll Energien zuführen und die Durchblutung fördern; die Farbe Braun symbolisiert das Selbst und wirkt neutral.

Kosten

Die Kosten für eine Kinesio- oder Aku-Taping-Behandlung belaufen sich je nach Anbieter auf durchschnittlich zwischen 12 und 25 Euro und werden von den gesetzlichen Krankenkassen derzeit (Stand: Aug. 2015) nicht übernommen.

Selbstbehandlung

Hier gibt es Pro und Kontra. Für eine Selbstbehandlung spricht, dass nur die Kosten für eine einmalige professionelle Einweisung und die Bänder selbst anfallen. Bei einer falschen Anwendung ist nicht mit negativen Auswirkungen zu rechnen. Allerdings bleiben bei falscher Anwendung auch die positiven, gewünschten Effekte aus. Zudem findet kaum eine Integration in das medizinische Gesamtkonzept der Schmerztherapie statt, was nach Ansicht von Therapeuten jedoch entscheidend für den Erfolg aller Behandlungsbemühungen ist.

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