Was geschieht bei einer Autonomen Dysreflexie?

Menschen mit einer Lähmungshöhe oberhalb von Th 6 / Th 7 sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine Autonome Dysreflexie (AD) auftreten kann, wenn es zu Dehnung von Hohlorganen unterhalb der Lähmungshöhe kommt. Die Autonome Dysreflexie muss sofort behandelt werden, da sie anderenfalls zu Herz-, Hirnschlägen, Hirnblutungen und schlimmstenfalls zum Tod führen kann. Daher ist es wichtig über ihre Ursachen, Anzeichen und Symptome und Interventionsmöglichkeiten genauestens informiert zu sein.

Bild 130170527copyright AlexanderRaths, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Ursachen der Autonomen Dysreflexie

Ausgelöst wird die Autonome Dysreflexie durch einen Reiz unterhalb der Läsionshöhe, der aufgrund der nicht vorhandenen Sensibilität nicht (als unangenehm oder schmerzhaft) empfunden und daher nicht behoben wird. In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine übervolle Harnblase. An zweiter Stelle steht ein mit Stuhl oder Luft gefüllter Darm. Weitere Ursachen sind:

  • Blase
    • Blasenüberdehnung wegen unzureichender Entleerung oder wegen verstopftem oder abgeknicktem Katheter
    • Harnwegsinfektione
    • Blasensteine
  • Darm
  • Haut
    • Dekubiti
    • Enge Kleidung
    • Eingewachsener Zehennagel
    • Blasen / Verbrennungen
  • Andere
    • Sexuelle Aktivität
    • Schwangerschaft
    • Entbindung
    • Menstruation, etc.

Anzeichen / Symptome einer Autonomen Dysreflexie

Anzeichen und Symptome der Autonomen Dysreflexie

Anzeichen und Symptome der Autonomen Dysreflexie

Anzeichen einer Autonomen Dysreflexie sind neben einem Blutdruck von 20-30 mmHg über dem Normalwert (Bluthochdruck)

  • Hämmernde Kopfschmerzen
  • Schwitzen
  • Erst blasse, dann gerötete Gesichtshaut
  • Sehstörungen
  • Engegefühl im Brustraum
  • Atembeschwerden
  • Niedriger Puls
  • Kaltschweißige Haut
  • Heiße, gerötete Ohren
  • Pupillenerweiterung
  • Schwindelgefühle
  • Gänsehaut
  • Gefühl einer verstopften Nase

Was geschieht bei einer Autonomen Dysreflexie?

Der Körper reagiert auf eine Reizung unterhalb des Läsionsniveaus mit einer Engstellung der Gefäße, wodurch der Blutdruck stark ansteigt. Dies versucht der Körper auszugleichen, indem er den Pulsschlag drosselt und die Blutgefäße oberhalb der Lähmungshöhe erweitert.

Vorgang der Autonomen Dysreflexie

Vorgang der Autonomen Dysreflexie

Was tun bei Autonomer Dysreflexie?

Wenn eine Autonome Dysreflexie festgestellt wird, sollte sich der Betroffene sofort aufrecht hinsetzen, die Beine senken und enge Kleider lösen. Der Blutdruck muss kontinuierlich beobachtet werden.

Dann muss die Ursache gefunden werden. Da die Autonome Dysreflexie sehr oft von einer übervollen Blase oder einer Ansammlung von Stuhl oder Luft im Enddarm ausgelöst wird, sollte dies zuerst überprüft werden. Ist die Ursache gefunden, muss sie sofort behandelt, d. h. Blase oder Darm müssen entleert werden. Meist klingen die Symptome ab, sobald die Ursache beseitigt ist. Wenn die Ursache nicht gefunden wird und/oder die Symptome anhalten, können blutdrucksenkende, im Vorfeld verschriebene Medikamente eingesetzt werden, z. B. Nifedipine, 10 mg.

Sollte der Blutdruck trotz der Medikamentengabe nicht sinken und die Ursache für die Autonome Dysreflexie nicht gefunden werden, muss der Betroffene seinen behandelten Arzt aufsuchen oder sich in die Notaufnahme begeben.

Es ist wichtig, dass Querschnittgelähmte, ihre Familie und Pflegepersonen über die möglichen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Autonomen Dysreflexie im Bilde sind. Wenn die Autonome Dysreflexie schnell erkannt und sofort behandelt wird, können die Symptome abklingen und Komplikationen vermieden werden.

Fragen & Kommentare

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  1. Heinz Gries 08.08.2016, 23:06 Uhr

    Hallo,
    ich bin 56 Jahre männlich, seit 40 Jahren durch Unfall Tetraplegie C 4/5 inkomplett, unterhalb C6 komplett. Schon immer hatte ich bei Blasen und Darmentleerung Problem mit der Autonomen Dysreflexie.
    Deshalb wurde mir 1991 ein Brindley Blasenstimulator implantiert. Seit dieser Zeit löst die Blase oder der Darm keine autonomen Dysreflexien mehr aus. Allerdings reagiere ich diesbezüglich was Reizungen (zb durch Schmerzen Hautreizungen) unterhalb der Lähmungshöhe betrifft immer noch mit den
    Symtomen der AD. Vor 6 Wochen habe ich mir nun leider durch einen Sturz den Oberschenkelhals
    gebrochen.. Klar, dass ich auf diesen Schmerzreiz mit extremer AD reagierte. Der gebrochene Teil
    des Oberschekelhals wurde samt der Gelenkkugel entfernt (girdlestone hüfte).
    Nach der OP bildete sich ein Serom Oberschenkel, dass sich hoffentlich bald zurück bildet.
    3 Wochen nach der OP wurde ich nach Hause entlassen. Die Autonohme Dysreflexie tritt leider je nach lage des Beines immer noch auf. Ich denke wohl, das die Wunde wohl immer noch schmerzt
    und dieser Reiz die AD auslöst. Mein Leben ist dadurch im Moment echt die Hölle. Ich hoffe, dass mit
    fortschreitendem Heilungsprozess und dem auflösen des Seroms eine Verminderung der AD auftritt
    Hat jemand mit ähnlichen Situatione erfahrung, zb Autonohme Dysreflexien nach OP durch
    Wundschmerz oder Ähnlichem? Bin für jede Hilfe dankbar.
    Grüsse
    Heinz

  2. grisu 17.06.2014, 17:29 Uhr

    Ich bin nicht sicher wie die Wirbel gezählt werden, ich glaube von oben nach unten? Ich bin jedenfalls Th10-geschädigt. Kann ich daher eine autonome Dysreflexie, verusacht durch überfüllten Darm, überhaupt bekommen?
    Ich hatte letzten Monat, April 2014, starke Probleme, etliche der beschriebenen, Magenkrämpfe?, dazu Übelkeit, zuerst zurückgeführt auf das Verbot von Paspertin.
    Das verordnete Motilium+Antiflat helfen nicht wirklich gegen die ständige Übelkeit.
    Ich lese diese Seite übrigens zum ersten Mal, ich werde sie weiterempfehlen! Solche Infos habe ich noch nie erhalten.

    • Tanja Konrad 18.06.2014, 09:53 Uhr

      Guten Tag Grisu,

      die Wirbel werden von oben nach unten gezählt, d. h. Th 1 grenzt an die Halswirbel und Th 12 an die Lendenwirbel an. Mit einer Läsionshöhe von Th10 gehören Sie eigentlich nicht zu der Gruppe, die von einer Autonomen Dysreflexie betroffen sein können.

      Magenkrämpfe und Übelkeit können viele verschiedene Ursachen haben, z. B. können Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorliegen oder eine Überempfindlichkeit gegen Medikamente, die Sie nehmen. Als Informationsplattform dürfen wir keine individuellen medizinischen Auskünfte geben; wegen Ihrer Beschwerden könnten Sie evtl. einen Anruf im Beratungszentrum für Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter in Erwägung ziehen (Tel.: +49 (0) 6226 960 25 33). Sollten diese Beschwerden auf Probleme des Verdauungstraktes zurückzuführen sein, kann man Ihnen dort sicher helfen. Für Querschnittgelähmte und deren Angehörige ist die Beratung kostenfrei.
      Und vielen Dank für das schöne Lob in Ihrem Kommentar! Wir freuen uns sehr, wenn wir für Leser hilfreich oder interessant sind.

      Viele Grüße
      Tanja Konrad