Sonnenschutz bei Querschnittlähmung

Die Sonne ist ein Spitzen-Therapeut. In ihrem Licht verschwinden die trüben Gedanken der kalten Jahreszeit; alles sieht zugänglicher, erlebbarer und freundlicher aus. Die Sonne schafft es, uns dazu zu bringen, uns neu in unsere Umwelt zu verlieben. Und das Leben ist für viele Menschen schlichtweg schöner, wenn die Sonne scheint. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten.

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Pro Sonne

Lebenswichtige Auswirkungen auf den Organismus und positiver Einfluss auf die Psyche

Ein regelmäßiger Aufenthalt im Freien, d. h. der Zugang zu Sonnenlicht, ist lebensnotwendig. Die Sonne steuert das körpereigene Wechselspiel der Gewebehormone Serotonin und Melatonin und sorgt dadurch für einen optimalen Wach-Schlaf-Rhythmus. Serotonin ist einer der wirksamsten natürlichen Stimmungsaufheller und hat eine anregende Wirkung u. a. auf die Verdauung; Melatonin wirkt beruhigend und ermöglicht die Erholung im Schlaf. Zudem sorgt Sonnenlicht dafür, dass Vitamin D gebildet wird. Dieses Hormon erfüllt eine wichtige Trägerfunktion bei der Versorgung der Zellen mit Mikronährstoffen. Vitamin D transportiert u. a. Kalzium in Knochen, Zähne und Haut, wirkt vorbeugend bei Osteoporose und stärkt Stoffwechsel und Immunsystem (Brockhaus, 2008).

Contra Sonne

Hautschädigungen möglich

Querschnittgelähmte Sonnenanbeter – vor allem jene mit heller Haut – müssen aber auch über die Gefahren informiert sein, die heißes Wetter und Aktivitäten im Sonnenschein mit sich bringen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit von:

  • Hitzeschäden
    • Hitzekrampf
    • Hitzekollaps
    • Hitzeerschöpfung
    • HitzschlagBild 56132251 copyright Suzanne Tucker, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com
    • Sonnenstich
  • Sonnenschäden
    • Hautrötungen
    • Sonnenbrand
    • Hautkrebs
    • Sonnenallergien
  • Dehydrierung
  • Überlastung von Kreislauf und Gefäßen
  • Hautschäden

Da bei einer Rückenmarksverletzung Empfindung- und Temperaturregulationsstörungen vorkommen können, fehlen bei Querschnittgelähmten die Schutzmechanismen, die diesen Eventualitäten entgegen wirken könnten. Bei ungewohnter Hitze und intensivem Sonnenschein ist hohe Vorsicht geboten.

Was man wissen sollte

  • Äußere Faktoren
    • Im Hochgebirge ist die UV-Belastung grundsätzlich stärker.
    • Am Strand oder am Pool wird das Sonnenlicht von Wasser, Sand bzw. hellem Untergrund reflektiert und dadurch verstärkt.
    • Schweißtreibende Aktivitäten lösen Sonnenschutzprodukte von der Haut.
    • Die UV-Belastung ist während der Mittagszeit (zwischen 11 und 15 Uhr) am höchsten.
    • Die ungewohnte Reizung, die die Haut durch Sonne, Hitze, Schweiß, Wasser und Pflegeprodukte erfährt, machen sie anfälliger für Infektionen und Dekubiti.
    • Bei einer Tendenz zu geschwollenen Beinen sollten Sonnenbäder und Hitze grundsätzlich vermieden oder auf ein Minimum reduziert werden.
  • Kleidung
    • Sonnenbrillen können an Nasenrücken und Ohren Druckstellen auslösen.
    • Sehr helle Kleider/Hüte bieten keinen 100%igen UV Schutz.
    • Dunkle Kleider/Hüte können sich so stark erhitzen, dass bei langem Tragen des erhitzten Gewebes Verbrennungen nicht auszuschließen sind. Dies gilt auch für metallene oder dunkle Komponenten am Rollstuhl oder anderen Gegenständen.
    • Zusätzlichen Schutz bieten Sonnenschirme und -dächer, siehe: Schutz vor Regen und Sonne: Schirme und Dächer für den Rollstuhl
  • Sonnenschutzprodukte
    • Schutzfaktor des Produktes abgestimmt auf den eigenen Hauttyp oder höher wählen; empfohlen wird generell Lichtschutzfaktor 30.
    • 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien eincremen.
    • Keine Körperstelle auslassen: Ohren, Nacken, Fußsohlen, bei schütterem Haar auch die Kopfhaut.
    • Ausreichende Menge verwenden: In der Regel genügt eine walnussgroße Menge für das Gesicht und 30 g für den restlichen Körper.
    • Im Laufe des Tages nachcremen.
    • Auch bei bewölktem Himmel und Aufenthalt im Schatten ausreichend Sonnenschutzcreme verwenden.
    • Körperstellen mit sehr dünner Haut (Lippen, Augenpartie) mit speziellen Pflegeprodukten schützen.
    • Achtung: Auch wasserfeste Sonnenschutzprodukte waschen sich ab oder werden beim Abtrocknen mit dem Handtuch entfernt.

 UV-Schutz bei unterschiedlichen Hauttypen

Das Risikopotenzial für Sonnenbrand, Hautschädigungen durch Sonneneinstrahlung und letztendlich auch Hautkrebs hängt ab von dem körpereigenen Pigmentschutz, der individuell stark variieren kann. Generell lässt sich sagen, dass alle, die eine helle Haut, blaue oder grüne Augen, blonde oder rote Haare und/oder Sommersprossen haben, ein höheres Risiko tragen als andere.

Typ 1

Typ 2

Typ 3

Typ 4

Typ 5

Typ 6

Merkmale helle Haut, Sommer-sprossen, blonde oder rote Haare,blaue oder grüne Augen helle Haut, blonde Haare,blaue oder grüne Augen helle Haut, dunkle Haare, braune Augen dunkle Haut,dunkle Haare,braune Augen dunkle Haut, schwarze Haare, dunkle Augen schwarze Haut, schwarze Haare, schwarze Augen
Reaktionen auf 30 Minuten ungeschützte Sonnenbe-strahlung   im Sommer immer Sonnenbrand, niemals Bräunung immer Sonnen- brand, schwache Bräunung leichter Sonnen- brand,  gute Bräunung kein Sonnen-brand, immer Bräunung kein Sonnen-brand kein Sonnen-brand
Eigenschutz-zeit der Haut 5-10 min 10-20 min 20-30 min 45 min 60 min 90 min

(Tabelle: UV-Check.de, 2013)

Aus der Tabelle lässt sich die Eigenschutzzeit der Haut beim entsprechenden Hauttyp ablesen, d. h. die Zeitspanne, in der die Haut ungeschützt der Sonne ausgesetzt sein kann ohne Schaden zu nehmen. Bei Typ 1 sind dies gerademal 5 bis 10 Minuten. Typ 6, am anderen Ende der Skala, kann anderthalb Stunden ungeschützt sonnenbaden. Der Lichtschutzfaktor in Sonnenmilch oder Sonnencreme erhöht diese Eigenschutzzeit um den jeweiligen Faktor des Produktes. Bei Lichtschutzfaktor 30 bedeutet dies, dass ein Mensch mit Hauttyp 3 bis zu 15 Stunden in der Sonne bleiben kann, ohne dass seine Haut Schaden nimmt. Allerdings gilt dies nur, wenn eine ausreichende Menge (40 g) des Sonnenschutzmittels verwendet wird.

Neuerdings lässt sich die Eigenschutzzeit der Haut auch via App bestimmen: Die App gegen Sonnenbrand

Sonnenallergie

Als Sonnenallergie werden Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut gegenüber UV-Licht bezeichnet. Mögliche Formen sind:

  • Photoallergische oder phototoxische Kontaktekzeme
  • Lichturtikaria
  • Sonnenekzem bzw. Polymorphe Lichtdermatose
  • Sommerakne bzw. Mallorca-Akne

Sonnenallergien treten dann auf, wenn Haut, die lange Zeit keiner oder nur wenig direkter Sonne ausgesetzt war, unvermittelt die volle Breitseite an UV-Strahlung abbekommt, etwa bei Wochenendausflügen im Freien oder – ganz klassisch – im Urlaub am Strand oder im Hochgebirge. Prophylaktisch kann mit einer Ernährung, die reich an Antioxidantien ist, gegengesteuert werden, da diese die Entstehung von freien Radikalen hemmen. Freie Sauerstoffradikale (ROS) stehen im Verdacht, eine direkte Ursache für Dermatosen zu sein und vor allem bei übermäßiger UV-Strahlung vermehrt gebildet zu werden. Möglich ist auch eine Gewöhnungstherapie mit UV-Licht (Hardening), die beim Dermatologen dBild 110964443Urheberrecht Scisetti Alfio, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comurchgeführt werden kann.

Juckende Hautausschläge und/oder Hautrötungen können aber auch bei der Einnahme von verschiedenen Medikamenten auftreten. Antibiotika, Blutdruckmittel, Psychopharmaka oder pflanzliche Stimmungsaufheller wie Johanniskraut etc. können die Haut lichtempfindlich machen. In jedem Fall empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Arzt, bevor es heißt: Ab in die Sonne.

Für mehr Informationen für das Leben im Sommer siehe:
Der Hitze trotzen

 

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