Der Hitze trotzen

Alle rufen nach dem Sommer und ist er endlich da – meinen die meisten es sei doch viel zu heiß. Gerade Querschnittgelähmte, die aufgrund ihrer Lähmung Probleme mit dem Schwitzen haben, sollten auf einige Dinge im Umgang mit heißen Temperaturen und Sonnenschutz achten.

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Sonnenbilder

UV-Strahlen

Zuviel Sonne kann die Haut schädigen. Auch durch Kleidung können UV-Strahlen durchdringen, das heißt, je lockerer die Kleidung gewebt oder gestrickt ist, desto mehr UV-Strahlen treffen auf die Haut. Es gibt spezielle Kleidung, die einen Schutz gegen UV-Strahlen bietet, aber diese Kleidung kann man nicht unbedingt als preiswert bezeichnen. Kostengünstiger kommt sicherlich die Variante, den UV-Schutz mit der Wäsche auf die Kleidung aufzubringen. In USA ist dies eine gängige Methode, während es in Deutschland kein registriertes Produkt dafür gibt.

Bei den UV-Absorber werden chemische Substanzen wie Oxalanilid, Benzotriazol und Chlorotriaz in speziellen technischen Verfahren auf die Textilien aufgebracht, wobei sich allerdings der Schutz durch Waschen der Kleidung reduziert. Dauerhafter ist daher der UV-Schutz, der in Form von Titanoxid bei der Herstellung der Fasern fest verankert wird. Damit bleibt die Schutzfunktion während der Lebensdauer des Textils erhalten.

Neben diesen speziell aufgerüsteten Kleidern, kann man aber schon beim Einkauf herkömmlicher Kleidung einiges beachten. Baumwolle, Viskose und Leinen haben einen geringeren UV-Schutz als Nylon, Wolle und Seide. Den besten UV-Schutz bietet Polyester. Auch die Farben spielen eine Rolle. Dunkle Farben sind besser als helle.

Eine Orientierungshilfe zur UV-Strahlung bietet der UV-Index (UVI). Je höher der UVI an einem Tag ist, desto schneller kann bei ungeschützter Haut ein Sonnenbrand auftreten.

  • UVI 1 oder 2: Niedrige UV-Belastung. Es sind keine Schutzmaßnahmen erforderlich.
  • UVI 3 bis 7: Mittlere bis hohe UV-Belastung. Jetzt sollte man eine Kopfbedeckung aufsetzen, eine Sonnenbrille tragen, möglichst langärmelige T-Shirts, Hosen oder Röcke und Schuhe tragen. Alle freien Körperstellen sollten mit einem Sonnenschutzmittel gut eingecremt werden und zumindest mittags zwischen 11 und 15 Uhr sollte man sich im Schatten aufhalten.
  • UVI 8 und mehr: Sehr hohe UV-Belastung. Jetzt sollte man zusätzlich zur Kleidung, Kopfbedeckung, Hut, Sonnenbrille und Sonnenschutzmittel so viel wie möglich im Schatten bleiben und sich mittags zwischen 11 und 15 Uhr in Gebäuden aufhalten. Die in südlichen Ländern bei den Einheimischen übliche „Siesta“ hat durchaus ihren Sinn (BVS, 2013)

Sonnenschutz

Informationen zum Thema Sonnenschutz sind im Beitrag Sonnenschutz bei Querschnittlähmung beschrieben.

Überhitzung (Hyperthermie)

Querschnittgelähmte haben aufgrund der Lähmung ein höheres Risiko für Überhitzungen. Der Körper unterhalb der Lähmungshöhe ist nicht in der Lage zu schwitzen und so kann es schneller zu Überhitzungen aufgrund von zu hohen Außentemperaturen kommen.

Neben den einfachen Aktionen wie im Schatten bleiben, ausreichend Wasser zuführen und leichte Kleider tragen, gibt es noch eine Reihe schützender Maßnahmen:

  • Eine Sprühflasche mit Wasser füllen (Blumensprühflasche) und regelmäßig den Kopf und den Oberkörper mit Wasser besprühen
  • Ein feuchtes/nasses Handtuch um den Hals legen
  • Unterarme in kaltem Wasser kühlen
  • Kleidung in Kühlschrank oder Gefrierschrank legen (bietet kurzfristigen Kühleffekt)
  • Ventilatoren in diversen Varianten

Aufgrund der Überhitzung kann es auch zu Fieber und allgemeinem Unwohlsein kommen. So kann ein Tetraplegiker an einem heißen Tag oder nach zu viel Sonne aufgrund seiner Temperaturdysregulation durchaus mit Fieber reagieren. Sollte es soweit kommen, dann können Essigsocken oder Wadenwickel mit Essig und ein Ventilator am Bett dabei helfen die Temperaturen wieder zu senken. Ein feuchtes Laken am Fenster aufgehängt kann durch den bei großer Hitze auftretenden thermodynamischen Effekt, ebenfalls dazu beitragen, dass der Raum kühler wird.

Bei Klimaanlagen muss das Für und Wider abgewogen werden. Siehe hierzu: Klimaanlagen – Gesundheitliche Aspekte und Bauanleitung.

Hitzeerschöpfung oder Hitzeschlag?

 

Sonnenstich und Hitzschlag vorbeugen

Hier gelten die gleichen Grundprinzipien wie bei der Überwärmung. Körper kühl halten, Mittagssonne meiden und luftige Kleidung tragen.

Eiskaltes Duschen ist keine Lösung

Eiskalte Duschen gegen das Schwitzen sind keine gute Idee. Denn zum einen schlägt der Temperaturunterschied vom überhitzten Körper mit eiskaltem Wasser abgeduscht auf den Kreislauf und zum anderen wird die körpereigene Heizung durch eiskaltes Duschen angeregt. Die Poren ziehen sich anfänglich zusammen doch danach schwitzt man umso stärker, da der Körper versucht den Kälteschock zu kompensieren. Also ist lauwarm duschen die bessere Alternative!

Eispackungen auf Kopf und Nacken sind auch keine Lösung, da der große Temperaturunterschied den Kreislauf stark belastet. So sollten auch Getränke lieber lauwarm als eiskalt getrunken werden.

Kühlende Kleidung

Die Industrie hat mittlerweile auch kühlende Kleidung entwickelt, ein Beispiel ist E.COOLINE. Diese Kleidung funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie der menschliche Körper: Bei hohen Temperaturen bildet sich Schweiß, der verdunstet und dadurch auf der Haut einen Kühleffekt auslöst. Dieses Prinzip der Wasserverdunstung macht sich das COOLINE- Material ebenfalls zunutze. Es wird schnell und einfach mit Wasser getränkt und kühlt während des Tragens durch die Verdunstung von Wasser. Die Kühlwesten sind nierenfrei und aus angenehmer, nach außen trockener Funktionsfaser. Sie kühlen den Bereich, der mit dem Herz-Kreislauf-System am stärksten von der Hitzebelastung betroffen ist.

Diese Technologie wird für Shirts, Westen und Kopfbedeckungen wie Basecap, Bandana und Stirnband aber auch Nackenband und Unterarmkühlung angewendet (e.cooline, 2013)

Für weitere Kleidung und Stoffe, die temperaturregulierend und hautpflegend wirken können, siehe: Hautfreundliche Textilien und Kühle Kleidung an heißen Sommertagen.

Auf hellen Urin achten und Trinkmenge anpassen

Bei warmen bis heißen Temperaturen benötigt unser Körper mehr Flüssigkeit. Auch wenn ein Teil des Körpers bei Querschnittlähmung nicht schwitzen kann, funktioniert das Schwitzen im nicht gelähmten Bereich und es wird Wasser abgeatmet. Daher ist eine ausreichende Trinkmenge notwendig. Für die Blase gehen die Neurourologen davon aus, dass 1.500 ml ausgeschieden werden sollen. D.h. es müssen zwischen 1.800-2.300 ml getrunken werden und an heißen Tagen durchaus noch 500 ml mehr. Durch genaue Beobachtung der Konzentration des Urins sieht man ob die Trinkmenge ausreicht oder nicht. Der Urin sollte hell und klar sein. Bei dunklerem Gelb reicht die Trinkmenge wahrscheinlich noch nicht aus, denn dunkler Urin deutet in der Regel auf eine hohe Konzentration hin. Wasser und lauwarmer Tee sind Getränke, die dem Körper gut tun. Siehe auch: Viel trinken an heißen Sommertagen.

Achtung Druckstelle!

Erhöhte Feuchtigkeit auf der Haut erhöht auf das Risiko für Druckstellen. Hier spielt die Hautpflege eine wichtige Rolle und es ist darauf zu achten, dass der Schweiß nicht auf der Haut bleibt, sondern durch atmungsaktive Kleidung abtransportiert wird. Ein atmungsaktives Rollstuhlsitzkissen kann hierbei hilfreich sein.

Leicht salzig essen

Schweiß schmeckt salzig. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Körper neben Wasser auch Salz verliert. Das sollte man dem Körper durch leicht gesalzene Speisen wieder zuführen. Aber alles in Maßen.

Von den Südländern lernen

Man kennt die Lebensweise der Italiener, der Spanier und der Griechen, die ihre Siesta pflegen. Dies bedeutet, dass zur heißesten Zeit eine Siesta also eine Mittagsruhe eingehalten wird. Siehe auch: Siesta – Wozu der Mittagschlaf gut sein kann.

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