Querschnittlähmung – Begriffserklärung

Eine Querschnittlähmung ist eine Kombination von Symptomen, die in Folge einer Verletzung der Nervenbahnen im Rückenmark auftritt. Sie bedeutet den Ausfall motorischer, sensibler und vegetativer Funktionen in Höhe der Schädigung und darunter.

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Das Rückenmark ist ein Teil des zentralen Nervensystems und leitet Bewegungsimpulse vom Gehirn an die Muskeln weiter (siehe auch: Das Nervensystem). Umgekehrt überträgt es die Empfindung von Berührungen, Temperatur oder Schmerz sowie die Lage von Gliedmaßen an das Gehirn. Das Rückenmark reicht entlang der Wirbelsäule vom obersten Halswirbel bis zum zweiten Lendenwirbel.

Verletzungen des Rückenmarks zeichnen sich durch eine große Vielfalt aus: „Lokalisation und Anzahl der beteiligten Wirbel, Verlauf der Frakturlinien, Größe der Fragmente usw. sind in jedem Fall wieder unterschiedlich. Trotzdem lässt sich eine Reihe von wiederkehrenden Mustern identifizieren“ (Zäch/Koch, 2006). Werden die hier im Spinalkanal gebündelten Nervenleitungen teilweise oder ganz (im Querschnitt) unterbrochen, sind fünf Hauptmerkmale charakteristisch (Zäch/Koch, 2006):

  • Ausfälle im Bereich der aktiven Bewegung (motorische Störungen)
  • Störungen der Körperwahrnehmung, des Temperaturempfindens und der Temperaturregulation (sensible Störungen)
  • Veränderungen der Muskelspannung und -reflexe
  • Störungen vegetativer Funktionen: Das kann etwa den Ausfall oder die Störung der Kontrolle von Mastdarm und Blase sowie von Sexualfunktionen bedeuten.
  • Zäch und Koch zählen auch Schmerzen zu den Hauptmerkmalen einer Rückenmarksverletzung und unterscheiden nozizeptive, radikuläre und neuropathische Schmerzen. Während der nozizeptive Schmerz direkt an der Verletzung auftritt, werden neuropathische Schmerzen unterhalb der Verletzungshöhe empfunden und hängen möglicherweise mit Vernarbungsprozessen zusammen.

Über bildgebende Diagnostik kann die Beeinträchtigung neuronaler Strukturen häufig eindeutig erkannt werden, von der Verlagerung, über die Quetschung bis hin zur vollständigen Durchtrennung des Rückenmarks und der dort gebündelten Nerven. Die Akutphase ist in der Regel gekennzeichnet durch den sogenannten „Spinalen Schock„: Durch eine Schwellung (Ödem) im Bereich der Verletzung entsteht ein zusätzlicher Druck auf die Nerven, der zu Beeinträchtigungen führen kann. Mit dem Rückgang des Ödems können einzelne Funktionen in Teilen wiederkehren (siehe auch: Dauer und Phasen der Rehabilitation). Daher ist es in der Akutphase auch für Fachleute nicht einfach, den Grad einer Behinderung konkret vorauszusagen. Zudem wird unterschieden zwischen einer kompletten und einer inkompletten Lähmung (siehe auch: Die inkomplette Querschnittlähmung).  Ebenso vielfältig und individuell wie das Ausmaß der Verletzung zeigt sich auch die resultierende Beeinträchtigung (Siehe auch: Formen der Querschnittlähmung)

In Deutschland leben etwa 100.000 Menschen mit einer Querschnittlähmung (Flieger, 2012). Mit zunehmendem Alter der Betroffenen steigt der Anteil an Querschnittlähmungen, die durch eine schwere Krankheit, wie z. B. durch einen Tumor, ausgelöst werden.

Siehe auch:

Ursachen von Querschnittlähmung

Auswirkungen einer Querschnittlähmung auf Organe und Körperfunktionen

 

Fragen & Kommentare

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  1. jojo 14.06.2013, 09:19 Uhr

    Gibt es auch Zahlen aus der Schweiz ?

    • Nikola Hahn 14.06.2013, 17:31 Uhr

      Guten Tag Jojo,
      der Dachverband der Querschnittgelähmten in Nottwil, die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) hat etwa 10.000 Mitglieder. Es gibt in der Schweiz pro Jahr rund 400 neue Fälle von Querschnittlähmung (Eberhard, 2004). Grundsätzlich unterscheiden sich die Anteile Querschnittgelähmter an der Gesamtbevölkerung in den industrialisierten Ländern nicht wesentlich und werden daher auch zum Teil übergreifend aufgeführt (1-4/100.000; Rollnik, 2013)
      Hinsichtlich der Ursachen ging gemäß einer Statistik der Unfallversicherungen der Anteil traumatisch bedingter Querschnittlähmungen in der Schweiz zwischen 1995 und 2001 von 238 Betroffenen auf 133 Betroffene im Jahr zurück (Eberhard, 2004). Auch Zäch und Koch (2006) sprechen von einer Verschiebung in Richtung krankheitsbedingter Para- bzw. Tetraplegie.
      Lesen Sie hierzu auch gern unseren Artikel „Ursachen für Querschnittlähmung“.
      Viele Grüße
      Nikola Hahn