Indego: Neues aus der Welt der Exoskelette

Die Wunschvorstellungen, die beim Verfassen des Beitrags Exoskelette – Schritte in die Zukunft gehegt wurden, scheinen ein Stück realistischer geworden zu sein. Das neue Exoskelett Indego, das voraussichtlich 2015 zu haben sein wird, ist leichter und schmaler als andere Modelle und muss beim Sitzen im Auto oder im Rollstuhl nicht abgenommen werden, da die Rucksackkomponente entfällt.

indego

Das Indego Exoskelett ermöglicht Querschnittgelähmten selbständige Aufstehen und Setzen, das Überwinden von Hindernissen und das Gehen und Stehen auf, laut Hersteller, jeder Art von Untergrund. Auch das Hinauf- und Hinunterlaufen von Treppen ist Indego-Nutzern möglich, sodass ein Maß an Mobilität erreicht werden kann, das das eines Rollstuhlfahrers deutlich übersteigt.

Indego und die Wettbewerbsmodelle: Was ist anders, was ist gleich?

Das Indego-Exoskelett unterscheidet sich in verschiedenen Punkten von den Modellen anderer Hersteller:

  • Mit 12 Kilo ist es um bis zu 50 % leichter.
  • Es verfügt über eine schmale Bauform mit vergleichsweise schlanken Maßen.
  • Es lässt sich aufgrund des modularen Designs besonders einfach auseinander- und zusammenbauen und somit problemlos transportieren.
  • Sowohl Rucksackkomponente als auch Fußplatte entfallen, was den Trage- und Anwenderkomfort erhöht. Eine Knöchel-Fuß-Orthese stabilisiert den Fuß.
  • Die Bedienoberfläche sorgt, laut Hersteller, für eine mühelose Betätigung des Geräts.
  • Funktionale Elektrostimulation (FES): Indego ist derzeit das einzige Exoskelett, das zusätzlich zu seiner mobilitätverbessernden Funktion mit der Rehabilitationstechnik der Funktionalen Elektrostimulation (FES) ausgestattet ist und somit seine therapeutische Wirkung ausweitet.
  • Im Falle von inkompletten Lähmungen, passt sich der Automatismus an die noch vorhandene Muskelkontrolle automatisch an und wird in seinem Umfang entsprechend reduziert.
  • Das Hinsetzen, z. B. ins Auto, den Rollstuhl, auf Sitzmöbeln, etc. stellt wegen der fehlenden Rucksackkomponente kein Problem dar.
  • Die harmonischen und natürlichen menschlichen Bewegungen und Körperhaltungen, die das Unternehmen in einer Pressemitteilung vom September 2013 verspricht und die als Differenzierungsmerkmal angegeben werden, scheinen allerdings eher Ziel denn aktuelle Realität zu sein. Dies wird deutlich, wenn man das Indego Exoskelett in der Anwendung sieht; ein Unterschied zu den Wettbewerbsmodellen existiert, wenn überhaupt, nur minimal.

Andere Komponenten des Indego sind mit Wettbewerbsmodellen vergleichbar:

  • Eine gewisse Rumpfstabilität muss bei Nutzung vorhanden sein; bestimmte Krankheitsbilder werden als Ausschlusskriterien (siehe: Exoskelette – Schritte in die Zukunft) nicht ausgeschlossen.
  • Gehstöcke zur Gangbalance sind notwendig.
  • Die positiven Auswirkungen, die das Gehen und Stehen in Exoskeletten für Querschnittgelähmte laut Hersteller haben kann, sind dieselben (siehe: Exoskelett – Rewalk). Die Kombination mit der Funktionalen Elektrostimulation kann zusätzlich
    • Die Blutzirkulation verbessern, und
    • Sowohl einen Rückgang der Knochendichte als auch
    • Muskelschwund verhindern.

Bei den Kooperationspartnern Parker Hannifin und der Vanderbilt Universität, USA, ist man zuversichtlich was die Überlegenheit und das Potential des Indego angeht: „Nach sorgfältiger Betrachtung des gegenwärtigen Stands der Technik sind wir davon überzeugt, dass unsere Technologie sowohl in Bezug auf Konstruktion als auch Funktionalität um ein Vielfaches besser ist,“ sagt ein Sprecher. „Wir forcieren derzeit ein ehrgeiziges Entwicklungs- und Einführungsprogramm, um eine Technik auf den Markt zu bringen, die einst als Science Fiction galt.“

Indego steht noch nicht zum Verkauf, sondern wird momentan im Rahmen klinischer Studien getestet und weiterentwickelt bzw. verfeinert. Rückmeldungen von Patienten und klinischem Personal in den USA fallen ausgesprochen positiv aus; nach einem potentiellen klinischen Partner in Europa wird nun gesucht. Die Markteinführung in Europa ist für 2015 geplant.

Update: Obwohl die Markteinführung des Indego für den persönlichen Gebrauch für Mitte 2015 geplant war, wird es derzeit (Sept. 2015) nach wie vor nur für den Einsatz in Kliniken verkauft.

Für mehr Informationen in englischer Sprache siehe:

www.indego.com

 

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