Sicherheit von Rollstuhlfahrern in Fahrzeugen

Wenn Rollstühle als Sitz in Kraftfahrzeugen verwendet werden, unterliegen sie bestimmten Vorschriften. Sie müssen verschiedene Prüfkriterien erfüllen und über einen Kraftknoten, d. h. einen Befestigungspunkt für die Sicherung im Fahrzeug verfügen. In der Praxis erfüllt laut einer neuen Feldstudie des Deutschen Instituts für Qualitätsförderung e. V. (DIQ) nur ein geringer Teil der transportierten Rollstühle diese Bestimmungen. Die Auswirkungen solcher Versäumnisse zeigt ein Crashtest.

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Wer als Querschnittgelähmter nicht im eigenen Auto selbst als Fahrer unterwegs ist, ist als Passagier in Bussen, Bahnen oder Transportern mobil. Die Funktion der Fahrzeugsitze übernehmen hierbei die Rollstühle. Für die ab September 2009 hergestellten Rollstühle gelten in diesem Zusammenhang klar definierte Vorschriften zum Schutz und zur Sicherheit des Nutzers: Sie müssen durch die Hersteller geprüft, im Verwendungszweck deklariert und als geeignet gekennzeichnet sein. Im Idealfall entwickelt der Hersteller für diese Rollstühle selbst spezielle Befestigungspunkte für die Sicherung, die sogenannten Kraftknoten, nach DIN 75078. Für die Nutzung als Fahrzeugsitz müssen neue Rollstühle neben den Kraftknoten eine Herstellerfreigabe nach DIN EN 12183 oder 12184 haben.

Theoretisch dürfen also nur Rollstühle, die auch dazu geeignet sind, zum Transport in Fahrzeugen verwendet werden. Die Praxis sieht anders aus: Das DIQ hat in einer Feldstudie im Sommer 2013 bei Schulkindern, die mit dem Rollstuhl im Fahrzeug transportiert wurden, Versäumnisse festgestellt. Etwa 85 % der geprüften Rollstühle entsprachen nicht den Vorschriften. Die Kinder wurden in einfacheren, handhabbareren Klapprollstühlen transportiert. In der Studie des DIQ fiel weiterhin auch auf, dass es zwar vorgegebene Prozeduren zur Befestigung dieser Rollstühle gibt, diese aber nur auf speziell entwickelte und für den Transport zugelassene Rollstühle anwendbar sind. Bei einfacheren Modellen fehlen die adäquaten Befestigungspunkte und das Befestigungsmaterial häufig ganz. Zudem schienen laut DIQ Zeit- und Kostendruck oftmals die guten Absichten der Fahrer, die Insassen entsprechend der Vorschrift zu sichern, zunichte zu machen.

Nicht zugelassene Rollstühle versagen im Crashtest

Die im Auftrag des DIQ durchgeführten Crashtests zeigten in ihren Auswirkungen deutlich die Unterschiede zwischen den für die Nutzung als Fahrzeugsitz zugelassenen und den dafür nicht erlaubten Rollstühlen. Bei einem Crash mit 50 km/h zeigte der zugelassene Rollstuhl relativ geringe Beschädigungen. Dies bedeutet für den Insassen des Rollstuhls, dass er ein geringes Verletzungsrisiko hat.

Ein nicht zugelassener, aber in der Feldstudie oft im Fahrzeug gesehener Rollstuhl wurde ebenfalls dem Crashtest unterzogen. Der Rollstuhl wurde nahezu gänzlich zerstört. Er klappte regelrecht zusammen. Diese Tatsache und die ungeeigneten Rückhaltesysteme würden im Falle eines echten Zusammenstoßes zu schweren Verletzungen, wenn nicht gar zum Tode des Rollstuhlinsassen führen. Es ist auch zu erwarten, dass durch die unzureichende Befestigung andere Fahrzeuginsassen bei einem Unfall massiv gefährdet sind.

Wieso hier am falschen Ende gespart wird, bleibt unverständlich. Durch die unsichere Befestigung der nicht erlaubten billigen Rollstühle während des Transportes verbiegen sich deren Strukturen. Dies kann bereits bei leichten Bremsmanövern passieren. Teure Reparaturen und Bereitstellungen von Ersatzstühlen sind die Folge.

„Es muss schnell und nachhaltig Abhilfe geschaffen werden“, sagt Thomas Koch, Geschäftsführer des DIQ. „Mobilität muss auch für behinderte Menschen mit den höchsten Sicherheitsstandards möglich sein. Dazu sind für den Transport geeignete Rollstühle und einheitliche Anbindungen absolut notwendig.“

 

Siehe auch: Sicherheit und Sichtbarkeit im Rollstuhl