Google Glass und der Glasschair – Spionagetechnologie und Rollstuhlsteuerung

In Zukunft werden Tetraplegiker ihren Elektro-Rollstuhl allein über die Augen steuern können. Eine neue Generation von Mini-Computer-Smartphone Hybriden und eine eigens für diesen Zweck entwickelte App auf der Basis einer eye-tracking-Technologie machen’s möglich.

Bild 132146921 copyright Nomad_Soul, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Google Glass ist ein am Kopf getragenen Miniaturcomputer, der auf einen Brillenrahmen montiert werden und so Informationen in das Sichtfeld des Nutzers einblenden kann. Diese Daten können kombiniert werden mit dem aufgenommenen Bild, das eine in Blickrichtung des Trägers integrierte Digitalkamera live liefert.

Der Mini-Computer ist verbunden mit Touchpad, Mikrofon, Kamera, Beschleunigungssensor, Gyroskop, Kompass, Helligkeitssensor, Eyetracker, Näherungssensor, Lagesensor und verfügt über eine Funkverbindung mit WLan 802.11b/g und Bluetooth. Dies ermöglicht folgende Kernfunktionen:

  • Navigation
  • Telefonieren
  • Videotelefonie
  • Livestream
  • Nachrichten
  • SMS
  • Chatten
  • Fotografieren
  • Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder Gebäuden
  • Freunde in der Nähe suchen
  • Wetterdaten
  • Aktuelle Sicht mit anderen teilen (netzwelt, 2013)

Zunächst einmal klingt dies alles nach einem Smartphone in neuem Gewand. Der Mehrwert für Tetraplegiker ergibt sich aus der geplanten App des US-amerikanischen Ingenieurs Steve McHugh. Das Besondere: Eine Steuerung – nicht nur der Google Glass Funktionen sondern auch des Rollstuhls selbst – allein über die Augen wird möglich sein.

McHugh will es Personen durch Anwendung der eye-tracking-Technologie ermöglichen, dem Rollstuhl simple Befehle wie Start, Stopp, gewünschte Geschwindigkeit oder Ausrichtung zu übermitteln. In einem Interview auf Bostinno.com erläutert der Erfinder, dass die Rollstuhl-App ihre Anwender zudem auch vor Gefahren oder Hindernissen auf ihrem Weg warnen und Routenvorschläge anbieten soll.

eye-tracking-Technologie verfolgt Augenbewegungen

Die Steuerung des Rollstuhls könnte durch die eye-tracking-Technologie erfolgen, die die Augenbewegungen des Nutzers präzise verfolgt. Wenn z. B. der Blick für eine bestimmte Zeit auf eines der eingeblendeten Steuerfelder gerichtet wird, würde dieser Blick von der Datenbrille als Steuerbefehl interpretiert werden. Eine entsprechende Reaktion des Rollstuhls würde daraufhin in Gang gesetzt werden. Extremere Reaktionen des Nutzers, wie etwas das Schließen der Augen, könnten durch diese Technologie ebenfalls verarbeitet werden, um z. B. einen Not-Stopp einzuleiten.

Spionage verboten

Wer sich von den Funktionen von Google Glass und der Rollstuhl-App zum Kauf animieren lässt, sollte bei Geschäftsreisen oder im Urlaub folgendes bedenken: In der Ukraine und der Russischen Föderation wird die Benutzung (und natürlich auch der Kauf/Verkauf) von Google Glass vermutlich verboten sein. Denn nach der dortigen Gesetzeslage fällt der Mini-Computer in die Rubrik Spionagetechnologie (wikipedia, 2013).

Erscheinungstermin und Preis – Update 2015

Für den Verbraucher war Google Glass seit Anfang 2014 zu erwerben. Vermutlich weil das Produkt zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgereift war und nicht hielt was es versprach, waren die Verkaufszahlen schleppend. Aufgrund der geringen Nachfrage, wurden Produktion und Verkauf von Google Glass Anfang 2015 eingestellt (wikipedia, 2015).

 

Der Glasschair – Rollstuhlsteuerung mit Kopfbewegungen

Ungeachtet dessen, dass das Google Glass für die breite Öffentlichkeit vom Markt genommen wurde, bleibt die Technologie und all die Möglichkeiten, die sie bietet, bestehen. Zudem werden auch Smart Glasses von anderen Anbietern hergestellt. Auf Grundlage von Google Glass haben Studenten der Technischen Universität München einen Adapter entwickelt, der es als Steuerungsmodul Tetraplegikern ermöglicht den Rollstuhl alleine durch Kopfbewegungen zu lenken.

Gesteuert wird der Rollstuhl mit Nickbewegungen und durch Kopfneigen. Die Steuerung kann individuell angepasst werden. Die Navigation durch die App selbst erfolgt per Sprachkommandos. Zusätzlich ermöglicht es die Glass-Chair-App dem Nutzer, im Ernstfall auf ein Sprachkommando hin eine Notnachricht an einen ausgewählten Kontakt zu versenden, in dem die aktuellen Koordinaten angegeben sind. Die Steuerkommandos werden per Bluetooth an einen Adapter übertragen, der an den externen Steuerport gängiger Rollstuhlsysteme angeschlossen werden kann.

Glasschair als Startup

Die drei Entwickler haben das Universitätsprojekt mittlerweile als eigenes Startup ausgelagert. Einen finalen Prototyp gibt es bereits, Interessenten können Glass Chair bei den Entwicklern in München ausprobieren. Derzeit sind die Entwickler auf der Suche nach Geschäftspartnern. „Der Preis für die App und die zugehörige Hardware soll unter dem anderer Bedienlösungen liegen – ob eine Google Glass mit zum Lieferumfang gehört, ist allerdings nach Aussagen der Entwickler eher nicht wahrscheinlich,“ schreibt die Trendplattform Golem.de. Jedoch sei das Projekt auch nicht zwingend nur an die Google Glass gebunden; die App könne u. U. auch an Android-Geräte und andere Smart Glasses angepasst werden könne. Langfristig wollen sich die Entwickler nicht an die Google Glass binden. Für weitere Informatione siehe: www.glasschair.de

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