Moxabehandlungen bei Querschnittlähmung

Wenn der eigene Körper sich so warm und lebendig anfühlt wie eine Marmorstatue, kann eine Moxabehandlung (auch: Moxibustion oder Moxen) aus der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) genau das Richtige sein, um Kälte und Feuchtigkeit aus dem Organismus zu vertreiben. Neben diesem wärmenden Effekt kann eine Moxabehandlung energetisierend wirken und die Nieren – und somit das Wasserelement – stärken.

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„Brennendes Heilkraut“ – so lautet die wörtliche Übersetzung des japanischen Begriffes Moxa (Fahrnow/Fahrnow, 2005). Gemeint ist der Beifuß, der Artemisia vulgaris, der in verschiedenen Kulturen seit alters als Heil- und Gewürzpflanze verwendet wird. In der Phytotherapie spricht man ihm u. a. eine stärkende, beruhigende, durchblutungs- und verdauungsfördernde Wirkung zu und setzt ihn vorwiegend bei Schlaf- und Verdauungsstörungen, kalten Händen und Füßen, Menstruationsbeschwerden und Blasenentzündungen ein (Marbach, 2013).

Beifuß

Beifuß

Bei einer Moxabehandlung werden kleine Mengen von getrockneten, feinen Beifußfasern auf oder über bestimmten, auf den Meridianen liegenden Therapiepunkten ohne Flamme abgebrannt. Wenn z. B. die Nieren gestärkt werden sollen, wird aus einem Abstand von zwei Zentimetern ein Punkt in der Mitte beider Fußsohlen nacheinander für ca. fünf Minuten mit einer Moxazigarre erwärmt. Die Hitzeeinwirkung der verglimmenden Moxa wirkt harmonisierend auf den Fluss des Qi im Meridiansystem. Das Qi wird gestärkt und eventuelle Stauungen aufgelöst, indem Kälte und Feuchtigkeit vertrieben werden. Der Zeitpunkt der Behandlung muss entsprechend auf die Reaktion des Körpers abgestimmt werden. Erschöpfte und angespannte Menschen werden durch eine Behandlung angenehm müde, weshalb sich eine Anwendung vor dem Zubettgehen empfiehlt. Andere erleben einen Energieschub; eine Behandlung in den frühen Vormittagsstunden ist hier am sinnvollsten (Fahrnow/Fahrnow, 2005). Neben den Fußsohlen ist auch der Nabel (den die Akupunktur bewusst ausklammert) ein wichtiger Tonisierungspunkt beim Moxen. Bei der Behandlung verteilt sich eine wohltuende Wärme über den gesamten Bauchbereich und leitet die Kälte aus Händen und Füßen. Auch bei Durchfall ist dieses Verfahren gut geeignet (Groß, 2013).

Hilfsmittel der Moxabehandlung

Verschiedene Hilfsmittel stehen im Rahmen der Moxabehandlung zur Verfügung, die sich in ihrer Anwendung unterscheiden und für Querschnittgelähmte daher mehr oder weniger gut geeignet sind.

Die klassischen Methoden verwenden:

Moxakegel und Moxazigarren

  • Moxakegel

Bei der indirekten Behandlung legt der Therapeut Ingwerscheiben auf die betreffenden Therapiepunkte und entzündet auf diesen kleine Moxakegel, welche langsam verglimmen. Sobald der Patient ein Hitzegefühl spürt, wird der Kegel zum nächsten Therapiepunkt geschoben. Jeder Punkt wird mehrmals erhitzt, bis die Haut deutlich gerötet ist. Bei dieser Methode hat der Moxakegel keinen Kontakt zur Haut.

In China und Japan setzte und setzt man teils noch heute den Kegel direkt auf („direkte Moxibustion“). Die dabei entstehenden Brandblasen wie auch kleine eitrige Entzündungen sind beabsichtigt und Teil der Therapie (wikipedia, 2013). Bei Querschnittlähmung ist von dieser Variante dringend abzuraten.

  • Moxazigarre

Der Therapeut entzündet eine Moxazigarre (in dünnes Papier gerollte Stangen aus Moxa) und nähert die glühende Spitze dem Therapiepunkt auf 0,5 bis 2 Zentimeter. Wenn der Patient ein deutliches Hitzegefühl spürt, entfernt er die Spitze kurz. Die Prozedur wird wiederholt, bis die Haut am Therapiepunkt deutlich gerötet ist (wikipedia, 2013).

Aufgrund der gestörten Sensibilität bei Querschnittlähmung kann der Behandelte keine Rückmeldung hinsichtlich des Hitzegefühls geben. Der Therapeut muss sich auf seine Erfahrung verlassen und wird den gewählten Akupunkturpunkt nicht länger als fünf Minuten und mit einem Abstand von nicht weniger als zwei Zentimeter behandeln.

Moxa-Pflaster und Moxa-Lampen

Neuere Varianten der Moxabehandlung finden mit Moxa-Pflastern oder auch Moxa-Lampen statt. Beide Methoden haben den Vorteil, dass die Verbrennungsgefahr nicht gegeben ist, da kein Abbrennen stattfindet. Demnach kommt es auch zu keinerlei Rauch- und Geruchsbildung was die Atemwege zusätzlich vor einer – bei der Verwendung von Moxakegeln und -zigarren durchaus gegebenen – Belastung schützt.

  • Moxa-Pflaster oder Patches

Bei dieser Form der Moxabehandlung werden die betreffenden Therapiepunkte mit Pflastern beklebt, deren Klebefläche mit Heilkräutern beschichtet ist. Die Pflaster selbst erzeugen keine Wärme, sondern die Inhaltsstoffe regen den Körper an, selbst eine gleichmäßige Wärme zu produzieren. Die Art der Wirkungsweise ist somit wesentlich angenehmer und die Anwendung gefahrlos und unkompliziert. Die Pflaster können bedenkenlos über mehrere Tage auf der behandelten Stelle kleben bleiben.

Patches funktionieren wie Pflaster, sind jedoch im Gegensatz zu den handelsüblichen, meist großen quadratischen Pflastern kleiner (Durchmesser: ca. 2,5 cm) und rund (therapeuten-netz.de, 2013).

  • Moxa-Lampe

Um eine Moxa-Lampe herzustellen, werden unterschiedliche Mineralien auf eine spezielle Keramikplatte aufgebracht, die ein infrarotes Biofrequenzspektrum durch elektromagnetische Wellen entstehen lassen. Die Behandlung erzeugt eine Art Tiefenwärme und neben den Akupunkturpunkten können auch größere Flächen (Rücken, Wirbelsäule, Gelenke, etc.) behandelt werden (Groß, 2013).

Kontraindikationen

Moxabehandlungen dürfen nicht im Gesicht, am Kopf oder in der Nähe von Schleimhäuten oder offenen Wunden vorgenommen werden. Kontraindikationen sind:

  • Erschöpfungszustände bei gleichzeitigem
    • Herzklopfen
    • Heißer Schweiß
    • Nächtliche Unruhe
    • Hektik
    • Mundtrockenheit (Fahrnow/Fahrnow, 2005)
  • Hitzezustände im Körper
    • Fieber
    • Die Einnahme von Medikamenten, die dehydrierend wirken
    • Akute Entzündungen
    • Menstruation (wikipedia, 2013)

Vorsicht:

Obwohl es Moxakegel und -zigarren für den Hausgebrauch in der Apotheke und online zu kaufen gibt, sollte die Behandlung ausschließlich von einem erfahrenen TCM-Therapeuten durchgeführt werden. Bei unsachgemäßer Anwendung besteht – vor allem bei Menschen mit Sensibilitätsstörungen – die Gefahr von Verbrennungen.

 

Siehe auch: Akupunkturmassage bei Querschnittlähmung

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