Gerät nutzt verbleibende Nerven zur Harnblasenkontrolle

Die Forschung arbeitet mit verschiedenen Ansätzen daran, die Lebensqualität und die Gesundheit von Menschen mit Querschnittlähmung zu verbessern. Die Wiederherstellung oder Verbesserung der Blasenfunktion empfänden viele Betroffene als eine unbezahlbare Bereicherung. Ein an der Universität Cambridge entwickeltes Gerät könnte eine Lösung sein.

Bild 33673135 copyright Sebastian-Kaulitzki-, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Bei einer Rückenmarksverletzung wird die Signalleitung zwischen dem Gehirn und allen unterhalb der Läsionshöhe liegenden Organen in beide Richtungen unterbrochen. Im Falle der Blasenfunktion bedeutet das, dass Betroffene weder wissen, wann die Blase voll ist, noch die Entleerung willentlich kontrollieren können (siehe: Blasenfunktion bei Querschnittlähmung). Das von Forschern der Universität Cambridge entwickelte Gerät entschlüsselt verbleibende Nervensignale und leitet sie weiter. Elektroden rund um ausgewählte Nervenbündel können jene Signale interpretieren, die mitteilen, dass die Blase voll ist. Die Stimulation einer anderen Nervengruppe ermöglicht es, dass die Kontraktion der Blase wieder willentlich erfolgen kann.

Tierversuche erfolgreich – Hardware noch zu groß

Dr. Daniel Chew, Mitglied des britischen Forscherteams sagt, dass das Gerät an Ratten bereits erfolgreich getestet wurde. „Es ist sehr effektiv. Die Durchführbarkeitsstudien sind abgeschlossen. Jetzt gilt es nur noch die Technologie zu verkleinern.“

Die Bestandteile des Geräts, die den Versuchstieren eingesetzt wurden, könnten für den Einsatz beim Menschen adaptiert werden. Der Rest der Technologie, die die aufgezeichneten Informationen auswertet, benötigt derzeit jedoch noch einen zwei Meter hohen Instrumententurm. Die Technik soll auf ein tragbares Gerät reduziert werden, das den Betroffenen informiert, wenn die Blase voll ist. Angedacht ist ein Schalter, der die Blase kontrahiert.

Dr. Mark Bacon, Forschungsdirektor der Organisation Charity Spinal Research, resümierte gegenüber dem britischen Sender BBC: „Die neurogene Blasenfunktionsstörung hat eine ganz erhebliche Auswirkung auf Gesundheit und Lebensqualität vieler Querschnittgelähmter. Die vorliegende Arbeit nun setzt bei den Einschränkungen an, die heute beim Einsatz von Elektrostimulation zur Blasenkontrolle vorliegen – die Notwendigkeit von der Harnblase ausgehende Nervenbahnen zu zerstören. Diese Nervenbahnen zu erhalten und die verbleibenden Signale zu nutzen, wird diese Systeme deutlich verbessern und vor allem dazu führen, dass auch anderen Funktionen, z. B. die Erektionsfähigkeit, erhalten bleiben.“

Wie viele seiner Forscherkollegen betont auch Chow, dass die vorliegende Arbeit lediglich ein Beheben von Symptomen sei. Die eigentliche Zielsetzung jeder Forschung auf dem Gebiet der Querschnittlähmung sei es, das Rückenmark wiederherzustellen.

Bis es soweit ist, wären viele Querschnittgelähmte schon zufrieden damit, wenn sie ihre Katheter nicht mehr benötigen würden. Inwieweit und wann die vorgestellte Technik allerdings am Menschen eingesetzt werden kann, bleibt abzuwarten.

Fragen & Kommentare

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  1. Robert Klemps 04.03.2015, 17:51 Uhr

    Kurze Frage: Prof. Possover aus der Schweiz bietet einen Elektrostimulator für QL-Patienten an, der gleichzeitig auch die Laufmotorik verbessern hilft.

    Inwieweit ist seine „Methode“ ausgereift bzw. erfolgreich; ist hierzu Näheres bekannt?

    • Tanja Konrad 05.03.2015, 09:24 Uhr

      Guten Tag Herr Klemps,
      die Methode von Prof. Possover hat in Einzelfällen gute Erfolge erzielt, wie etwa in der RTL Sendung Reset mit Markus Holubek beschrieben wurde. In Fachkreisen ist die Methode allerdings umstritten und Studien wurden bisher keine durchgeführt. Da uns keine unabhängigen Informationen vorliegen, können wir derzeit nur auf die Webseite von Prof. Possover verweisen: http://www.possover.com.
      Viele Grüße
      Tanja Konrad