Abenteuer Eisenbahn

Wie entspannt du bist, wenn du mal nicht der Fahrer bist … bleibt auszutesten. Menschen mit Behinderungen stoßen auf Bahnhöfen und in Zügen immer wieder auf Hindernisse, die das Reisen erschweren. Wer es dennoch vorhat, sollte Bahnfahrten rechtzeitig planen und die Serviceleistungen und Angebote der Bahn kennen und für sich nutzen.

Die gegebenen baulichen und technischen Bedingungen auf deutschen Bahnhöfen sind oft nicht von heute auf morgen barrierefrei anzupassen und sorgen regelmäßig dafür, dass Rollifahrer an Grenzen kommen: Nicht vorhandene bzw. kaputte Fahrstühle oder Hubgeräte etwa sowie die Abhängigkeit von personeller Hilfe können das Bahnfahren kompliziert und besonders Spontanreisen den Garaus machen. „Auch wenn im Bereich ‚barrierefreies Bahnreisen‘ in den letzten Jahren Fortschritte erzielt wurden, durchgängige Barrierefreiheit vom Bahnhofsvorplatz bis auf die Bahnsteige gibt es immer noch an zu wenigen Personenbahnhöfen“, bilanzierte Ulrike Mascher, Mitglied im Deutschen Behindertenrat anlässlich des Welttags der Menschen mit Behinderung noch 2012. Ca. 71% der Bahnhöfe der DB hatten 2011 barrierefrei zu erreichende Bahnsteige (Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen der Menschen mit Beeinträchtigungen, 2013).

In den Zügen sieht es nicht besser aus: Etwa 60% aller Züge im Regionalverkehr gelten mit Ein- und Ausstiegshilfen, rollstuhlgerechten Toiletten und digitalen Informationssystemen als barrierefrei (ebd.). Das bedeutet aber auch: 40% sind es nicht.

Finanzieller Nachteilsausgleich

Vergünstigungen beim Reisen mit der Bahn machen die Bahnhöfe zwar auch nicht ebenerdig, aber sie lassen mehr Spielraum für andere Kosten zu. Das Sozialgesetzbuch IX schreibt vor, unter welchen Bedingungen schwerbehinderte Menschen den öffentlichen Personenverkehr kostenlos nutzen können und was sonst noch zum Nachteilsausgleich dazu gehört. Was das für die Deutsche Bahn bedeutet, hat sie auf ihrer Homepage unter dem Stichwort „Barrierefreies Reisen“ zusammengefasst. Folgende Angebote und Serviceleistungen stehen für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen zur Verfügung:

  • Schwerbehinderte fahren kostenlos in der 2. Klasse der Nahverkehrszüge Regionalbahn RB, Regionalexpress RE, Interregio-Express IRE und in der S-Bahn mit dem Schwerbehindertenausweis und gültiger Wertmarke
  • Begleitpersonen oder Begleithunde fahren kostenfrei, wenn im Schwerbehindertenausweis ein „B“ eigetragen ist. Das gilt nicht nur für den Nahverkehr, sondern in fast allen Zügen, abgesehen von Sonderzügen

Bund und Länder tragen die Kosten für die unentgeltliche Beförderung. Darüber hinaus gewährt die DB folgende Vergünstigungen:

  • Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 70 kostet die BahnCard25 etwa ein Drittel weniger, die Bahncard50 nur noch rund die Hälfte
  • Für Inhaber des Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichen „B“ für die Notwendigkeit einer Begleitperson reserviert die Bahn auf Wunsch einen oder zwei Sitzplätze kostenlos

Hilfsmittel

Die Deutsche Bahn hat ziemlich genau festgelegt, welche Hilfsmittel unter welchen Bedingungen befördert werden:

  • Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen, Elektro-Scooter oder Handbikes (sofern Rollstuhl und Fahrradteil zu trennen sind) befördert sie kostenlos.
  • Liegeräder oder Dreiräder werden analog eines normalen Fahrrads gegen Gebühr von A nach B gebracht.
  • Alle Segways sowie E-Rollstühle bzw. E-Scooter, die zu schwer für die Hubgeräte oder zu groß für die vorgesehenen Stellplätze sind, müssen draußen bleiben.

Für Rollstühle und Scooter gibt es bestimmte Maße und Gewichte, die sie nicht überschreiten dürfen. So wird einem Rollstuhl folgender Platz eingeräumt:

  • Länge: 1.200 mm + 50 mm für die Füße
  • Breite: 700 mm + min. 100 mm für die Hände am Rad

„Bei der Anmeldung bei der Mobilitätsservice-Zentrale ist es notwendig, sowohl das Gesamtgewicht von Rollstuhl und zu befördernder Person sowie die Länge und Breite des Rollstuhls anzugeben.“ (Leitfaden für die Mitnahme orthopädischer Hilfsmittel, 2013)

Hilfe beantragen

Bis um 20:00 Uhr des Vortags der gewünschten Bahnfahrt kann eine kostenlose Einstiegs- oder Mobilitätshilfe durch Bahn-Mitarbeiter oder z. B. Kräfte der Bahnhofsmission beantragt werden. Die sogenannte Mobilitätsservice-Zentrale koordiniert die personelle Unterstützung von Reisenden, auch auf Bahnhöfen, auf denen normalerweise keine Mitarbeiter mehr anzutreffen sind. Zwischen 6:00 und 22:00 Uhr täglich ist die zuständige Stelle der DB zu erreichen unter:

Telefonnummer: 01 80 / 6 512 512

Außerhalb dieser Zeiten funktioniert auch die allgemeine Service-Nummer 01 80 / 6 99 66 33 (beide kosten 20 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz) und natürlich der Mailkontakt zur Mobilitätsservice-Zentrale:

E-Mail: msz@deutschebahn.com

Weitere Informationen unter:

DB Bahn: Barrierefreies Reisen