Mit Querschnittlähmung in Sauna, Dampfbad und Co.

In Finnland ist Saunabaden ein Volkssport und gehört zum Leben wie Duschen oder Zähneputzen. Und auch in der Rehabilitation von Querschnittgelähmten ist bei Samen und Lappen der Gang in die Sauna nicht wegzudenken. Denn die Anwendungen helfen zu einem neuen Körpergefühl zu finden – ein wichtiger Aspekt bei der Gewöhnung an ein Leben im Rollstuhl.

 Bild Sauna7316 copyright Manfred-Sauer-Stiftung, 2015

Wer im Winter ständig friert, ist in einer Sauna ganz gut aufgehoben. Es stehen viele verschiedene Varianten für den ganz individuellen Geschmack zur Verfügung.

Arten von Schwitzräumen

Man unterscheidet Schwitzräume nach Raumklima, d. h. nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit, und Bauweise (Holz, Leicht- oder Massivbauweise).

  • Heißlufträume
    In Heißlufträumen herrscht eine hohe Temperatur von bis zu 105 Grad Celsius, mindestens aber 60 Grad Celsius, und eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit. Zudem herrscht ein starkes Temperaturgefälle. Bei einer Kabine mit dreistufiger Saunabank und einer Deckentemperatur von 100°C beträgt die Temperatur in Höhe der obersten Bank ca. 70°C, in Fußbodenhöhe nur noch etwa 40°C. Sehr häufig wird eine Wärmebestrahlung (Infrarot) von Wänden und Decken eingesetzt. Der Aufguss in der Sauna wirkt wie ein Dampfbad. Beispiele für Heißlufträume sind Sauna, Schwitzzelt oder -hütte oder das Sudatorium.
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  • Warmlufträume
    In Warmlufträumen herrscht eine mittlere bis hohe Temperatur von 25 bis 60 Grad bei einer relativen (d. h. keine Wasserdampfschwaden) Feuchte, die vom mittleren Bereich bis zu 95% Luftfeuchtigkeit reicht. Beispiele für Warmlufträume sind Infrarotkabine, Hamam oder das Rasul-Serail-Bad.
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  • Dampfräume (auch: Nebelbad)
    Das Dampfbad zeichnet sich durch eine hohe Luftfeuchtigkeit aus, die bis zur Nebelbildung reicht. Die Temperatur kann im mittleren Bereich bei 45 Grad liegen oder bis zu 70 Grad ansteigen. Beispiele für Dampfräume sind Banja (russisches Dampfbad), Caldarium (römisches Dampfbad) und das Sento (japanisches Dampfbad).

Sonderformen im Detail

  • Biosauna
    Die Biosauna, auch Niedrigtemperatursauna genannt, ist die Light-Version einer klassischen Sauna. Auch hier wird die gefühlte Wärme durch aufgewärmte Luft erzielt. Da die Biosauna kreislaufschonender als die klassische Sauna ist, ist die Verweildauer etwas höher, sie liegt zwischen 20 und 40 Minuten. Wie bei der klassischen Sauna wird in zwei bis drei Durchgängen geschwitzt. Dazwischen kühlt man sich im Freien oder im Wasser kurz ab und legt eine Ruhepause ein. Die Temperatur in einer Biosauna liegt bei ca. 50 °C, die Luftfeuchtigkeit bei ca. 15 %. Der regelmäßige Gang in eine Biosauna sorgt für eine schönere Haut und eine bessere Durchblutung und der Wechsel zwischen Erwärmung und Abkühlung trainiert den Kreislauf und das Herz.
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  • Biosauna mit Dampfbetrieb
    Die Biosauna mit Dampfbetrieb ist die feuchte Variante der Biosauna, ähnlich dem Dampfbad, häufig mit verschiedenen Kräuteraromen und zusätzlicher Farblichtanwendung. Die Temperatur liegt zwischen 50 °C und 65 °C, die Luftfeuchtigkeit beträgt 50-60%. Die Biosauna mit Dampfbetrieb wirkt sich positiv auf die Entspannung der Muskeln aus, ähnlich der Biosauna wirkt sie kreislaufschonend und verbessert die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Gelenken.
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  • Infrarotwärmekabine
    In einer Infrarotwärmekabine wird der Körper durch die tiefenwirksame Infrarotwärmestrahlung erwärmt. Die Strahlung dringt in den Körper ein und erwärmt ihn sozusagen von innen heraus. Die Körperkerntemperatur wird durch Infrarotwärme um ca. 1-2 °C erhöht. Diese Tiefenwärme bewirkt ein verstärktes Schwitzen und lockert Verspannungen (Infrarot-wärmekabine.de, 2013).

Die Wirkungen von Saunabaden

Gerade im Winter kann für Rückenmarksverletzte, die von einer Temperaturregulationsstörung in den gelähmten Gliedmaßen betroffen sind, ein Aufenthalt in einer Sauna oder Infrarotkabine eine wahre Wohltat sein. Die abwechselnden Wärme- und Abkühlreize, denen der Körper beim Saunabaden ausgesetzt ist, kann aber auch noch andere positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben:

  • Abhärtung (Steigerung der Abwehr gegen Infekte)
  • Hautreinigung und Anregung der Zellneubildung (Hautpflege)
  • Entspannung von Psyche und Muskulatur
  • Funktionstraining für die Anpassung von Blutdruck, Blutverteilung
  • Verbesserung der Durchblutung der Haut und der Schleimhäute der Atemwege
  • Mildes Herz-Kreislauf-Training

Was passiert beim Saunabaden?

Die Temperatur der Haut liegt gewöhnlich bei 30 bis 32°C. In der Saunawärme steigt sie um ca. 10°C an. Darauf reagiert der Körper mit einer Erweiterung der Blutgefäße in der Haut. Das Blut befördert diese erhöhte Temperatur ins Innere des Körpers zu den Organen, wodurch die Körpertemperatur, die normalerweise bei ca. 37°C liegt, auf ca. 38 bis 38,5°C steigt. Der Organismus regiert nun mit Schweißbildung; wenn der Schweiß auf der Haut verdunstet wird dem Körper Wärme wieder entzogen.

Diese Aufwärmphase sorgt also für:

  • Den Anstieg der Haut- und Körperkerntemperatur (Überwärmung)
  • Eine Steigerung der Hautdurchblutung
  • Schweißproduktion und Hautkühlung durch Verdunstung
  • Eine Normalisierung des Blutdrucks (Ausgleich von zu niedrigem oder zu hohem Blutdruck)
  • Entspannung von Muskeln und Psyche

In der nun folgenden Abkühlphase sinkt durch die verschiedenen Kaltwasseranwendungen die Hauttemperatur. Dadurch verengen sich die Arterien in der Haut und die Hautdurchblutung wird gedrosselt, da der Körper versucht, den Körperkern vor größeren Wärmeverlusten zu schützen. Dies wirkt der eigentlichen Absicht der Abkühlung entgegen, die ja vor allem die Körperkerntemperatur normalisieren soll. Durch das unmittelbar auf die Kaltwasseranwendung folgende Fußwärmbad werden die Blutgefäße schnell wieder erweitert.

Die Abkühlphase sorgt für:

  • Die Normalisierung der Haut- und Körperkerntemperatur
  • Das Training der peripheren Blutgefäße
  • Psychische Anregung (saunaindeutschland, 2013)

Der Aufenthalt in der Sauna und die anschließende Abkühlphase kann zweimal wiederholt werden. Spätestens nach dem dritten Gang sollte eine ausgedehnte Erholungsphase in den Ruheräumen eingeplant werden.

Mögliche positive Wirkungen für Querschnittgelähmte

Neben dem unbestreitbaren Vorteil, dass man sich in der Sauna an kalten Tagen mal richtig aufwärmen kann, kann der regelmäßige Gang in die Sauna eine positive Wirkung auf verschiedene Begleiterscheinungen einer Querschnittlähmung haben.

  • Abwehrkräfte
    Durch regelmäßige Saunagänge wird das Immunsystem (siehe: Das Immunsystem und Das Immunsystem stärken) unterstützt.
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  • Gewichtskontrolle
    Eine japanische Studie weist darauf hin, dass Sauna mit kühlenden Nackenapplikationen eine positive Auswirkung auf den Gewichtsverlust bei Hemi- oder Paraplegikern haben kann (S&T papers, 2013).
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  • Haut
    Nicht nur bei Querschnittgelähmten sondern auch bei allen anderen, kann regelmäßiges Saunieren der Hautalterung entgegenwirken.
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  • Infektionen
    Warme bzw. heiße Luft mit einer hohen Feuchtigkeit vertieft die Atmung. Wenn ätherische Öle verwendet werden, wird dieser Effekt noch verstärkt. Verschiedene ätherische Öle können bei Atemwegsproblemen schleimlösend und antibakteriell wirken.
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  • Körpergefühl und Selbstbild
    Bei einer traumatischen Querschnittlähmung muss nach Eintritt der Verletzung ein neues Körpergefühl erarbeitet werden. Hierbei kann Saunabaden unterstützend wirken, weshalb es in Finnland fester Bestandteil der Rehabilitation von Rückenmarksverletzten ist.
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  • Schmerzen und Spastizität
    Hitze- und Kältereize oder eine Kombination aus beiden können unter Umständen neuropathische Schmerzen und Spasmen auslösen. Andererseits können sie diese auch positiv beeinflussen, d. h. die Häufigkeit und Intensität verringern. Ein individuelles Austesten ist notwendig.

Worauf Querschnittgelähmte achten sollten

  • Die Belastung für den Kreislauf darf nicht unterschätzt werden; die Temperatur, die Zeit, die in der Sauna verbracht wird, und die Häufigkeit der Saunagänge, sollten allmählich aufgebaut werden. Viele Querschnittgelähmte ziehen aus diesem Grund Warmlufträume den Heißlufträumen vor.
  • Im deutschsprachigen Raum und in den skandinavischen Ländern ist es Usus nackt in die Sauna zu gehen. Wer aufsaugende Kontinenzhilfsmittel verwendet, sollte dies vor dem Nutzen einer Sauna mit dem Betreiber klären. In der Regel sollte dies in barrierefreien Einrichtungen kein Problem sein. Dasselbe gilt für die Mitnahme von Gehhilfen oder Rollstühlen: Barrierefreie Saunen werden Querschnittgelähmten zumeist die Wahl lassen, ob sie mit ihrem eigenen Rollstuhl in den Schwitzraum fahren und während des Saunieren in ihm verbleiben oder auf die Holzbänke umsteigen möchten. Meist wird auch ein Duschrollstuhl zur Verfügung gestellt.
  • Nach dem Saunieren ist ein gründliches Abtrocknen wichtig. Maßnahmen zur Hautpflege nimmt die Haut nun ganz besonders gut auf. (Siehe: Die Haut bei Querschnittlähmung)
  • Generell gilt zu bedenken, dass Saunabaden und die Reaktionen des Körpers darauf sehr individuell sind. Ob der Gang in die Sauna vertragen wird und wohltuende Effekte hat oder nicht, sollte jeder für sich selbst austesten.

Siehe auch: Aromatherapie und Aufgüsse in der Sauna

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