Wärmende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin

Wieso finden es einige Menschen okay, sich mitten im Winter nur mit einem T-Shirt und Shorts bekleidet im Freien aufzuhalten, während andere das Zimmerthermometer wie Falken im Auge behalten, um sofortige Maßnahmen ergreifen zu können, sollte die Temperatur unter 30 Grad fallen? Die Traditionell Chinesische Medizin (TCM) vermutet dahinter u. a. eine Störung der polaren Körperenergien. Entsprechende Strategien der Nahrungsmittelauswahl und deren Zubereitung sollen Abhilfe schaffen.

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Die Ernährung in der TCM ist ein alternatives ganzheitliches Konzept, das den Menschen im Zusammenhang mit seiner Umwelt sieht. TCM vertritt den Standpunkt, dass man im Winter weder Speisen noch Getränke zu sich nehmen sollte, die kühlend oder befeuchtend wirken, da der Körper ohnehin vermehrt Kälte, Feuchtigkeit und Nässe ausgesetzt ist. Stattdessen sollten wärmende Nahrungsmittel bevorzugt werden. Für Querschnittgelähmte, die aufgrund einer Temperaturregulationsstörung häufig frieren, könnte diese Art der Ernährung eine überlegenswerte Alternative sein.

Yin- und Yang-Typen in der TCM

Zunächst unterscheidet die TCM zwischen Yin- und Yang-Typen. Yin und Yang iBild 102206944 copyright Yurumi, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comst ein Begriffspaar aus der chinesischen Philosophie des Daoismus und steht für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Kräfte oder Prinzipien:

  • Yang symbolisiert die hellen, harten, heißen, männlichen und aktiven Aspekte des Ganzen.
  • Yin symbolisiert die dunklen, weichen, kalten, weiblichen und ruhigen/stillen Aspekte des Ganzen.

Bezeichnend ist, dass keiner der beiden Aspekte als dem anderen überlegen bewertet wird. Wenn beide Prinzipien im gleich hohen Maße in einem System – auch dem menschlichen Körper – vorkommen, herrscht Balance und Harmonie. Wenn allerding eine der beiden Kräfte überhand nimmt, führt dies zu Störungen, die sich über kurz oder lang in Unwohlsein und schließlich Krankheiten zeigt. Die TCM kennt allerdings Strategien, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Wer ständig friert, oft kalte Hände und Füße hat, warme Klimazonen und Jahreszeiten bevorzugt, sich nach einer Tasse heißer Suppe oder Tee gestärkt fühlt, generell aber eher müde, lustlos und nie richtig ausgeschlafen ist, wird als vom Prinzip Yin dominiert betrachtet. Diese Menschen sollten ihren Speiseplan auf Mineralwasser, Milchprodukte, Salat und Südfrüchte überprüfen und ggf. vorübergehend darauf verzichten, denn all diese Dinge wirken kühlend (und gelten als ideale Erfrischung im Sommer).

Das Yang stärken

Folgende Tipps gibt die TCM, um einem Überschuss an Yin Energie entgegenzuwirken und damit den Yang Anteil im Organismus zu stärken:

  • Gekochten Speisen und wärmenden Nahrungsmitteln den Vorzug geben
    Aufläufe, Eintöpfe und Schmorgerichte jeglicher Art wirken laut TCM in der Regel wärmend. Als spezielle wärmende Lebensmittel gelten z. B.

    • Nüsse (z. B. Walnüsse und Pinienkerne)
    • Lamm- und Wildfleisch
    • Fetter Seefisch
    • Wurzelgemüse (z.B. Karotten, rote Beete, Sellerie, Radieschen)
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  • Als Zwischenmahlzeit empfiehlt die TCM Suppen oder heiße Brühe zu genießen.
  • Warmes, süßgekochtes Wasser trinken
    Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist notwendig für die meisten Abläufe im Organismus. Viele Beschwerden bessern sich alleine durch ausreichenden Wassergenuss, z. B. trockene Haut und Schleimhäute, Verstopfung, Müdigkeit, Konzentrationsmangel (siehe: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung). In der TCM geht man davon aus, dass Trinkwasser mit möglichst wenigen Mineralanteilen, am besten geeignet für die Flüssigkeitsversorgung des Organismus ist. Wenn kein Quellwasser zur Verfügung steht, kocht man Leitungswasser in einem Topf, bis sich nach ca. 15 Minuten am Topfboden ein weißes Pulver, nämlich die sich absetzenden Kalziumverbindungen, zeigt. Nun soll das süß schmeckende Wasser beleben und wärmen.Weitere Yang-lastige Getränke sind z. B. weihnachtlicher Gewürztee mit Zimt, Ingwerwasser (siehe: Ingwer – Wohltuende Schärfe) aber auch Rotwein. Für mehr Informationen siehe: Wärmende Getränke
  • Speisen „yangisieren“
    Vermehrt wird Yang-Energie über die Nahrung aufgenommen, wenn man den Speisen Feuchtigkeit entzieht und Hitze zuführt. Das funktioniert, indem man:

    • Gerichte durch Eindampfen, Braten, Schmoren und Grillen zubereitet
    • Die trockenen Zutaten – auch die Gewürze – unter Rühren einige Minuten anröstet, bevor man dem Gericht Flüssigkeit hinzufügt.
    • Suppen und Eintöpfe lange köcheln lässt
    • Zubereitete Speisen möglichst heiß verzehrt
    • Wärmende Kräuter verwenden

Wer die Yin-Energie in Schach halten will, darf sich, was das Würzen angeht, in der indischen, mexikanischen und italienischen Küche so richtig austoben. Als wärmend gelten alle feurig-scharfen Gewürze wie Pfeffer, Chili, Ingwer oder Curry, aber auch Koriander, Rosmarin und Thymian. Passend zur kalten Weihnachtszeit wirken auch Nelken, Kardamom und Zimt (siehe auch: Frei von… Der Zimtstern der Freiheit) erwärmend.

Für mehr Informationen siehe: Kräuter und Gewürze.

Das Wasserelement

Neben den Aspekten der gegensätzlichen und sich ergänzenden Prinzipien des Yin und Yang, erfolgt in der TCM eine Zuordnung von Nahrungsmitteln, Organen und Krankheitsbildern zu den Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Das Wasserelement ist den Nieren und Knochen zugeordnet. Eine Störung zeigt sich unter anderem durch:

  • Anfälligkeit für Erkältungen
  • Häufiges Frieren und Kältegefühl in Händen und Füßen
  • Nächtlichen Schweißausbrüchen mit Kältegefühl
  • Erkrankungen der Nieren, Harnwege und Ohren (Tinnitus, Schwerhörigkeit, Otosklerose)
  • Erkrankungen der Knochen (Osteoporose, Ostitis, verzögerte Heilung bei Knochenbrüchen)
  • Schreckhaftigkeit und Angst vor allem Neuen und Unbekannten
  • Extreme Vorliebe für oder Abneigung gegen sehr salzige Nahrungsmittel

Eine wohlige, konstante Körperwärme – unabhängig von den herrschenden Temperaturen – und frische Lebensfreude, sind gegeben, wenn das Wasserelement und das Nieren-Qi im Gleichgewicht sind. Dies kann laut TCM unterstützt werden, wenn man vermehrt wärmende und neutrale, dem Element Wasser zugeordnete Lebensmittel zu sich nimmt.

Nahrungsmittel, die Wärme zuführen und die Nieren stärken

Neben frischem, reinen Quellwasser oder süßgekochtem Leitungswasser gehören alle Fische, Meeresfrüchte und pflanzliche Nahrungsmitteln mit dunkler oder schwarzer Farbe, z. B. Brombeeren, zum Wasserelement. Als wärmend und neutral gelten:

  • sh_131580431 svry kleinAuberginen
  • Himbeeren und Brombeeren
  • Fette Fische, z. B. Brasse, Makrele, Aal, Hering und Wels
  • Nüsse und Samen, z. B. Kürbiskerne und Walnüsse
  • Oliven
  • Pflaumen
  • Shrimps
  • Verschiedene Hülsenfrüchte, z. B. Belugalinsen und schwarze Bohnen
  • Verschiedenen Wurzelgemüse, z. B. Möhren

Sojaprodukte, Algen, Krebs, Miesmuscheln, Kaviar und Krabben sind ebenfalls dem Wasserelement zugeordnet, gelten aber als kalt und daher nicht geeignet um dem Körper Wärme zuzuführen. Ein mäßiger Genuss dieser Produkte schadet nicht, wenn bei ihrer Zubereitung die Tipps zum Yangisieren von Speisen berücksichtigt werden.

Nüsse sind reich an Mineralien, die Walnuss gilt als Nierentonikum und stärkt das Yang der Nieren. Das gleiche gilt für Wacholderbeeren.

Da die Geschmacksrichtung, die dem Wasserelement zugeordnet ist, „salzig“ ist, empfiehlt sich ein (nicht übermäßiger) Salzverzehr. Die Nierenfunktion kann so gefördert und die Harnausscheidung angeregt werden. Gute Quellen sind Jod- und Meersalz, sowie mild salzige Algen, Meeresfische, Mineralsalze in (Wurzel-) Gemüse und Kräuter. Vorsicht: Ein Zuviel an Salz erschöpft die Nieren und kann zu einer Dehydrierung des Körpers führen.

Rezeptvorschlag

Eine wärmende Mahlzeit, die Nieren und Wasserelement stärkt, ist Auberginen-Sesamcreme. Die Zubereitung im Ofen führt Yang zu und Sesam und Oliven versorgen den Körper mit wertvollen Mineralstoffen und Fettsäuren:

  • 1 große Aubergine
  • 1 EL Sesamsaat
  • 2 EL Sesammus (Tahin)
  • 1 EL Olivenöl
  • 3 schwarze Oliven, gehackt
  • Saft ½ Zitrone
  • Salz
  • Cayennepfeffer

Die Schale der Aubergine rundherum mit einer Gabel einstechen, die Aubergine auf ein Backblech legen und im vorgeheizten Backofen bei 250°C ca. 30 Minuten garen. Die Aubergine etwas abkühlen lassen, der Länge nach durchschneiden und das Auberginenfleisch mit einem Löffel herausnehmen.

Sesamsaat in einer Pfanne rösten bis sie Farbe annimmt.
Aubergine mit Sesammus, Olivenöl und Zitronensaft im Mixer pürieren. Mit Salz und Cayennepfeffer nach Belieben abschmecken.
In einer Schüssel anrichten und Sesamsaat und Oliven darüber geben.
Dazu schmecken gebackenes Wurzelgemüse und Vollkornbrot.

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