Mobil mit Speedy, Swiss-Trac und Co.

Die alltäglichen Besorgungen im Ort oder bewegungsintensive Unternehmungen können mit dem Rolli manchmal ganz schön mühsam sein oder sind nur mit Helfern machbar. Zuggeräte für Rollstühle hingegen meistern zum Teil selbst beachtliche Steigungen auf unebenen Wegen elektronisch und schaffen so mehr Unabhängigkeit und Freiheit.

Swiss-Trac_hiking

Nicht nur das Fortkommen auf Wald- oder Wanderwegen, auch die Erkundung hübscher Altstädte mit ordentlich Kopfsteinpflaster in Kombination mit Steigungen, das Überwinden von Bordsteinkanten oder längere Bergauf-Strecken bewältigen entsprechende Zuggeräte problemlos. Sie lassen sich einfach an den Rollstuhl an- und wieder abkuppeln und brauchen keine manuelle Unterstützung. Anders als beispielsweise beim Handbiken reicht hier das Gasgeben und Lenken, und das Ding fährt.

Es gibt aber Unterschiede in der Zugleistung: Manche Geräte eignen sich daher eher für Fahrten im Ort, auf asphaltierten Wegen und Rampen, andere schaffen auch Bergwanderungen über Wurzeln und Gestein. Ganz entspannt können Nutzer die Aussicht genießen und ihre Kräfte anderweitig investieren.

Wir stellen im Folgenden beispielhaft unterschiedliche Modelle vor. Alle Daten beruhen auf Herstellerangaben (Stand: Jan. 2014). Die Reichweiten werden von den Herstellern für ebene Strecken angegeben. Steigungen und Unebenheiten oder Temperaturunterschiede lassen sich nicht klar definieren, mit entsprechender Erfahrung wächst aber das Gefühl für die jeweilige Reichweite.

Bei faltbaren Rollstühlen kann es vorkommen, dass die Bedienungsanleitung von der Ankoppelung eines Zuggerätes abrät. Meist sind Starrrahmenrollstühle besser dazu geeignet, weil sie stabiler bleiben. Die Eignung muss in jedem Fall vor dem Kauf geprüft und das jeweilige Gerät probegefahren werden.

Auf der Suche nach gebrauchten Zuggeräten siehe auch: Hilfsmittelbörsen im Netz

Swiss-Trac

Der Swiss-Trac aus dem Land der Berge rühmt sich, das einzige Rollstuhl-Zuggerät mit vier Rädern zu sein, das vom TÜV abgenommen wurde. Firmenchef Josef Jakober, selbst Rollstuhlfahrer, spricht gern von der außergewöhnlichen „Traktion“ seines Produktes, von der Übertragung der Zugkraft auf den Untergrund. Tatsächlich ist der Swiss-Trac das  schwerste unter den hier vorgestellten Geräten und verspricht daher eine beachtliche Bodenhaftung. Mit 65 kg soll er starke Anstiege und Gefälle auch auf sehr unebenen Wegen bewältigen. Um Unebenheiten, wie Wurzeln oder Steine, ausgleichen zu können, befindet sich ein Gelenk zwischen Trac und Rollstuhl. So steht der Rolli immer noch gerade, wenn das Gerät über eine Erhebung fährt, und umgekehrt.

Trotz des hohen Gewichts lässt sich der Swiss-Trac ohne fremde Hilfe in einen Kombi verladen. Dazu sind im Lieferumfang Auffahrschienen enthalten, über die der Trac in den Kofferraum fährt. Das klappt so allerdings nur, wenn die Rampen auf eine Fläche führen, d. h. wenn der Kofferraumboden ohne Hürde erreichbar ist. Auf der Homepage des Herstellers zeigen Videos u. a. die Verladesituation.

Wer mit einem Zuggerät vor allem im Ort auf asphaltierten Straßen unterwegs sein möchte, braucht die immense Zugkraft des Swiss-Trac nicht unbedingt. Soll es aber des Öftern in die Berge und Wälder gehen oder beides im Mix, könnte das Schweizer Kraftpaket eine echte Hilfe sein.

In der kalten Jahreszeit eignet sich der Swiss-Trac auch besonders gut für das Befahren von Eis und Schneeflächen, da er mit Winterreifen inkl. Spikes aufgerüstet werden kann. Siehe: Mit dem Rollstuhl auf Eis und Schnee

Daten:

Swiss-Trac SWT-1, inklusive integrierten Akkus und externem Ladegerät

Motor: 24 Volt, 400 Watt

Länge/Breite/Höhe: ca. 75 x 51 x 53 cm

Swiss-Trac_river neuGewicht: 65 kg

Farben: rot, grün, blau schwarz

Ladezeit: ca. 8 Stunden

Reichweite: mind. 30 km auf ebener Strecke

Steigleistung: 20% bei 100 kg Personengewicht

Geschwindigkeit: bis zu 6 km pro Stunde

Im Lieferumfang enthalten: Scheinwerfer vorne, zwei Auffahrschienen zum Einladen ins Auto (Kombi), Hakenöse für Ladekran, Transportbanner für Flugreisen mit Kennzeichnung als Hilfsmittel; weitere Extras optional gegen Aufpreis

Preis: ca. 6900 Euro

Hilfsmittelnummer: 18.99.04.0020

Hersteller: Atec Ingenieurbüro AG, Küssnacht/CH

www.swisstrac.ch

Speedy-Elektra 3

Das Speedy-Elektra 3 fährt mit einem Rad und einem Gewicht von 31 kg. Um Erschütterungen durch Unebenheiten zu mildern, hebt es die beiden kleinen Vorderräder des Rollstuhls mittels Liftsystem stetig an. Der Hersteller, die Speedy Reha-Technik GmbH in Delbrück, bietet das Speedy-Elektra 3 mit einer Geschwindigkeit bis 6 km pro Stunde oder als Tüv-pflichtige 10- bzw. 14-Stundenkilometer-Modelle an.

Speedy-Elektra3_900x600px_neuDaten:

Speedy-Elektra 3, inklusive integrierter Akkus und Ladegerät

Länge/Breite/Höhe: ca. 90 – 110 x 53 x 80 – 90 cm

Gewicht: 17 kg

Farben: „Silber“ für den Rahmen (im Foto schwarz), und „Anthrazit“ für die Aufsätze (im Foto rot, gegen Aufpreis).

Ladezeit: ca. 6 – 8 Stunden

Reichweite: 40 km auf ebener Strecke

Steigleistung: ca. 18%

Geschwindigkeit: bis zu 6 km pro Stunde/bis zu 10 km pro Stunde/bis zu 14 km pro Stunde

Im Lieferumfang enthalten: Tacho, Gepäckträger, Scheinwerfer vorne, Rücklicht; weitere Extras optional gegen Aufpreis

Preis: ab 6542,50 Euro (6 km/h)

Hilfsmittelnummer: steht noch nicht fest (Stand: Juli 2015)

Hersteller: Speedy Reha-Technik GmbH, Delbrück

www.speedy.de

Speedy Elight

Das Speedy Elight empfiehlt sich für Besorgungen im Ort, ist relativ wendig und schafft Rampen mit asphaltiertem Grund mühelos. Wegen seines geringen Gewichts ist es gut zu transportieren, hat aber auch weniger Bodenhaftung und damit weniger Steigleistung. Diese wird vom Hersteller mit ca. 12% angegeben. Ist eine Steigung zu steil oder der Boden zu uneben bzw. das zu ziehende Gewicht zu schwer, kann es passieren, dass sein Rad durchdreht – für Touren durch die Berge ist das Speedy Elight deshalb nicht unbedingt gedacht; seine Stärke liegt in der Begleitung im Alltag.

Speedy-Elight_900x600px-neuDaten:

Speedy Elight, inklusive abnehmbarer Akkus und Ladegerät

Länge/Breite/Höhe: ca. 90–110 x 60 x 80–115 cm

Gewicht: 14,5 kg

Farben: Standardfarbe Silber, andere Rahmenfarben nach Wunsch gegen Aufpreis

Ladezeit: ca. 6 Stunden

Reichweite: max. 20 km auf ebener Strecke

Steigleistung: ca. 12%

Geschwindigkeit: bis zu 6 km pro Stunde

Im Lieferumfang enthalten: Tacho, Gepäckträger, Scheinwerfer vorne, Rücklicht; weitere Extras optional gegen Aufpreis

Preis: ca. 4300 Euro

Hilfsmittelnummer: keine

Hersteller: Speedy Reha-Technik GmbH, Delbrück

www.speedy.de

MySlave

Der kleine „MySlave“ ist die Light-Variante unter den Zuggeräten: Mit nur 8,4 kg und einem ebenso leichten Preis von rund 2200 Euro ist er eine stylishe Lösung für den Citytrip und nicht allzu herausfordernde Strecken. Bergtouren sind nicht sein Ding, dafür passt er in die Gepäckablage im Zug. Es gibt ihn in 8 verschiedenen Farben.

5_MySlave_Copyright: Rehability Rehafachhandel GmbH + Co KG, Heidelberg/Michael HeilDaten:

MySlave inklusive Akku

Länge/Breite/Höhe: Auszugslänge 13 cm

Gewicht: 8,4 kg

Motor: 200 Watt

Reichweite: ca. 20 km je nach Akkugröße

Geschwindigkeit: max. 15 km/h

Steigung: ~ 18° je nach Untergrund

Hersteller: Rehability

Preis: 2199 Euro

rehability.de

wheel-e

Das Zuggerät wheel-e von Pro Activ ist nach Angaben des Herstellers geeignet für Gehwege, Wald- oder Wiesenwege, Steigungen und Gefälle. Es zieht seinen Nutzer geräuschlos per Bedienung über einen Gasdrehgriff, ansonsten aber ohne den Einsatz von Muskelkraft. Durch eine Verbindung der Akkus erreicht das wheel-e eine große Reichweite. Es ist mit zwei Antriebssystemen erhältlich:

  • BionX P250 Drehmoment 9/40 Nm, Grundpreis ab 3.500 € (zzgl. MwSt.)
  • BionX D-Series Drehmoment 25/50 Nm, Grundpreis ab 4.405 € (zzgl. MwSt.)

 

wheel-e-BionX-D-SpeedyF2-anthr-orange-Gesamtansicht_IMG_6291_neu_

wheel-e BionX D-Series, an Rollstuhl angekoppelt

Daten für beide Systeme:

Länge/Breite/Höhe: 63 cm x 62 cm x 90-110 cm

Gewicht: BionX P250: 14,3 kg; BionX D-Series: 13,9 kg (beide ohne Akku und Adapter)

Motor: 250 Watt

Reichweite: bis zu 80 km je nach Akkugröße

Geschwindigkeit: je nach Ausstattung 6 km/h; 15 km/h; 24 km/h*

Steigung: 10% und mehr (je nach Untergrund und Gewichtsverteilung)

Hersteller: Pro Activ

Preis: je nach Antriebssystem (s. o.)

* Pro Activ weist darauf hin, dass die Nutzung des wheel-e mit einer Maximalgeschwindigkeit von 15km/h oder 24km/h ohne Versicherungskennzeichen und Betriebserlaubnis in Deutschland auf öffentlichen Flächen, Straßen, Wegen und Plätzen gemäß der Straßenverkehrsordnung nicht zulässig ist. Auch eine Benutzung auf Radwegen ist nach der Straßenverkehrsordnung nicht gestattet.

www.proactiv-gmbh.de

Triride

Aus Italien kommt das sportliche Design des Triride. Erhältlich ist es in Weiß, Blau, Schwarz oder Rot. Der Motor beinhaltet eine automatische Gangschaltung und einen Tempomat, um Geschwindigkeiten über längere Strecken zu halten. Das Triride fährt sowohl vor- als auch rückwärts.

Länge/Breite/Höhe: je nach Ausführung unterschiedlich

Gewicht: ca. 10 kg, je nach Ausführung

Motor: 250 Watt bis 750 Watt je nach Ausführung

Reichweite: 50 km

Geschwindigkeit: 5 Geschwindigkeitslevel, je nach Ausführung mit und ohne Rückwärtsgang

Steigung: je nach Ausführung/Motorleistung

Hersteller: Triride SRL

Preis: auf Anfrage

A2J crazy horse

Von leicht und leise bis kraftvoll und geländetauglich: Die Modelle des A2J crazy horse sind in verschiedenen Motorleistungsklassen zu haben. Auch die Auswahl an Reifen für unterschiedliche Zwecke kann sich sehen lassen. Hier der Eindruck des Rehafachhändlers „Rehability“:

Gewicht: je nach Motor ab 16 kg, je nach Ausführung

Motor: 400 Watt bis 600 Watt je nach Ausführung

Reichweite: keine Angabe

Geschwindigkeit: 6 km/h, je nach Ausführung mit und ohne Rückwärtsgang; für eine Geschindigkeit von 15 km/h wird eine Zulassung durch den TÜV benötigt.

Steigung: je nach Ausführung/Motorleistung

Hersteller: A2J GmbH

Preis: auf Anfrage

www.a2j-intl.com

 

Siehe auch: Leichtgewicht für den Citytrip: Das Zuggerät „MySlave“;  Zulassung für Rollstuhlzuggeräte

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.