Pflegebedarf: Knackpunkt Gutachten

Der Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) hat 2013 im Rahmen der Beratungstätigkeit seines Landesverbands in Niedersachsen 814 Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) geprüft; gegen 193 wurde erfolgreich widersprochen oder geklagt. Häufig sei die Gutachtertätigkeit mit hohem Zeitdruck verbunden, bemängelt der Verband.

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Rat suchen Menschen vor allem dann, wenn sie unzufrieden sind. In diesem Fall wandten sich Betroffene, die durch den MDK begutachtet worden waren, mit dem Ergebnis an den Landesverband des SoVD in Niedersachsen, dort der größte Sozialverband. – Schließlich sollte ihr MDK-Gutachten Grundlage für die die Zuteilung der richtigen Pflegestufe sein.

Im Jahr 2013 nahmen die Berater des SoVD 814 Gutachten unter die Lupe, hatten an knapp der Hälfte nichts auszusetzen und rieten in 406 Fällen zu Klage oder Widerspruch, je nach Stand des Vorgangs.

138 Mal bestätigten daraufhin Gerichte die Entscheidung des MDK, 45 Mal kam es zu einer außergerichtlichen Lösung  und 193 Gutachten wurden neu bewertet (SoVD – Soziales im Blick, 01/2014).

Hilfebedarf individuell ermitteln

Damit seien falsche Gutachten des MDK keine Seltenheit, so die Pflege-Expertin des Verbandes, Edda Schliepack. Sie fordert eine deutliche personelle Aufstockung des MDK, denn teilweise habe ein Gutachter viel zu wenig Zeit, um einen Fall zu bewerten (SoVD – Soziales im Blick, 01/2014).

Hinzu kommt, dass Betroffene gelegentlich Hemmungen haben, das ganze Ausmaß ihrer Hilfebedürftigkeit offen zu legen. Nicht nur ältere Menschen bemühten sich beim Besuch des Gutachters oft um eine zu positive Darstellung, die dann später das Gutachten prägt und keine angemessene Grundlage zur Ermittlung der richtigen Pflegestufe sein kann. Der Gutachter sollte erfassen, was nicht mehr so gut geht wie bisher und wofür welche Hilfe benötigt wird.

Er ist verpflichtet, die individuelle Situation zugrunde zu legen und zu dokumentieren, wenn diese nicht dem Regelfall entspricht. Er darf nicht einfach pauschal bewerten, was sicher manchmal schneller ginge.

Vorbereitung

Betroffene können am knappen Zeitbudget eines MDK-Mitarbeiters nichts ändern. Eine gute Vorbereitung auf seinen Besuch kann aber dazu wohlmöglich beitragen, Abläufe nicht unnötig zu verzögern (z. B. durch das Suchen von Unterlagen) und Fragen mit konkreten Angaben zu begegnen.

Siehe auch: Pflegegutachten und Gutachterbesuch

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