Hautfreundliche Stoffe für Kleidung und Heimtextilien

Was man aktiv tun kann, um die Haut zu pflegen, wird in verschiedenen Beiträgen zur Hautsituation bei Querschnittlähmung dargestellt. Kleidung und Heimtextilien können bei irritierter Haut einen besonderen Stellenwert einnehmen. Mit hautfreundlichen Textilien kann man Hautproblemen prophylaktisch begegnen, da sie ohne großen Aufwand – alleine durch das Tragen bzw. Verwenden der Stoffe – zu einem positiven Hautklima und -zustand beitragen. Bild 83288239 copyright Picsfive, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Hautfreundlich sind Stoffe grundsätzlich dann, wenn sie die Haut nicht reizen. In ihrer Beschaffenheit bieten dies vor allem dünne Naturfasern wie Baumwolle oder Seide, während Wolle, auch Kaschmirwolle, kratzen und so die Haut irritieren kann. Naturfasern sorgen zudem für einen guten Feuchtigkeitsausgleich, eine Eigenschaft, die Kunstfasern nicht bieten können. Und nun gibt es noch die neue Generation der Naturfasern, die aus Bambus, Soja oder Holz gewonnen werden und mit einer Reihe von positiven Merkmalen aufwarten, etwa mit einer kühlenden oder entzündungshemmenden Wirkung oder besonders gutem Feuchtigkeitsmanagement.

Wieso Textilien die Haut reizen können

Synthetische Stoffe (z. B. Polyacryl und Polyamid) können Hautirritationen hervorrufen. Sie lassen die Haut zu wenig atmen und nehmen Feuchtigkeit nicht ausreichend auf, wodurch ein feucht-warmes Hautklima entsteht, das zu Wundsein führen und evtl. Pilzwachstum fördern und Juckreiz verschlimmern kann. Aber auch natürliche Stoffe, wie Baumwolle oder Schafswolle, können Reizungen hervorrufen, da beim Anbau der Rohstoffe und bei der Verarbeitung der Textilien chemische Behandlungsstoffe eingesetzt werden. Färbemittel oder so genannte Weichmacher sind hier die häufigsten Übeltäter. Gerade bei schwarzer Kleidung ist der Einsatz von Chemikalien unvermeidbar. In Verbindung mit Feuchtigkeit (Schweiß) und Körperwärme lösen sich chemische Stoffe und können im Kontakt mit der Haut unangenehme Irritationen hervorrufen. Vorsicht also bei:

  • Dunkler Kleidung: Die Farbstoffe Schwarz und Dunkelblau gelten als besonders aggressiv.
  • Veredelung: Wenn Kleidung als ‚knitterfrei‘, ‚bügelfrei‘ oder ‚schmutzabweisend‘ deklariert oder mit den Hinweisen ‚separat waschen‘ oder ‚Farbe blutet aus‘ versehen ist, hat sie vermutlich einen chemischen Veredelungsprozess durchlaufen, der zwar die genannten Eigenschaften erzielt, keinesfalls aber zur Hautfreundlichkeit beiträgt.
  • Anbau und Transport: Belastungen durch Pestizidrückstände (z. B. Dioxin) oder Schimmelblocker, die den Textilien für den Transport zugesetzt werden.

Bild 97049381 copyright Andrey_Kuzmin, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comVor allem bei Textilien, die direkt auf der Haut getragen bzw. unmittelbar mit der Haut   in Berührung kommen, wie Unterwäsche, Strümpfe und Pyjamas aber auch Bettwäsche, muss besonders darauf geachtet werden, welche Stoffe man trägt, wie sie bearbeitet wurden und was sie beinhalten. Daher empfiehlt es sich, Stoffe aus Naturfasern zu wählen, die auf rein biologischer Anbau-Qualität hergestellt, weder chemisch noch mit Färbe- oder Imprägniermitteln bearbeitet wurden und keine Rückstände von Pestiziden aufweisen.   Es gilt: Je naturbelassener die Kleidung hergestellt ist, desto hautfreundlicher ist sie. Allerdings sind auch vermeintlich sichere Stoffe aus ökologischem Anbau nicht immer das Vertrauen wert, das Verbraucher in sie haben. Als verlässlich gelten die Standards und Prüfsiegel:

  • Toxproof
  • Oeko-Tex Standard 100
  • Prüfsiegel

Pflegehinweis

Gründliches Waschen und Klarspülen neuer Kleidung schwemmt viele Schadstoffe aus. Man sollte jedoch auch hier auf die Pflegeprodukte achten, die man verwendet; auch Waschmittel können u. U. Hautirritationen auslösen. Besonders geeignet sind sanfte, reizstoffarme Waschmittel oder indische Waschnüsse aus kontrolliert-biologischem Anbau.

Wann zum Arzt

Hautirritationen, d. h. Rötungen, Brennen oder Jucken, können Anzeichen einer Allergie bzw. Neurodermitis sein. Die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und/oder einem Hautarzt ist angezeigt, je früher mit der notwendigen Behandlung einer etwaigen Allergie begonnen wird, umso schneller kann eine Heilung erfolgen. Die Behandlung von Textilallergien erfolgt in aller Regel mit Cortison-Salben, und einer konsequenten Meidung reizender Inhaltsstoffe und aller Kleidungsstücke, durch die die Allergie ausgelöst wurde (Maurer, 2012).

Webstuhl mit Stoffen

Webstuhl mit Stoffen

 

Naturnahe Fasern: Die neue Generation

Ökoinnovative Fasern (auch: Regenerate) werden aus Soja, Bambus, Holz oder Bananenfasern gewonnen und gelten als besonders hautfreundlich. Um natürliche Rohstoffe besser – und im Vergleich zu den traditionellen Verfahren umweltfreundlicher – nutzen zu können, unternahm die Textilindustrie in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Anstrengungen um ökologisch weniger bedenkliche und gleichzeitig technologisch einfachere Verarbeitungsverfahren zu entwickeln. Zum einen wird Harnstoff anstelle des toxischen Schwefelkohlenstoffs eingesetzt (Carbamatverfahren), zum anderen wurde ein Verfahren (Lyocellverfahren) entwickelt, das infolge der nahezu vollständigen Rückgewinnung des verwendeten Lösungsmittels (N-Methylmorpholin-N-oxid) so gut wie emissionsfrei abläuft (wikipedia, 2014).

 

Regenerates im Überblick*

  • Bambusstoff fühlt sich sehr sanft und leicht an. Dadurch ist Bambuskleidung, vor allem bei direktem Hautkontakt, angenehm und komfortabel zu tragen. Die offene Faserstruktur kann Feuchtigkeit gut und schneller absorbieren, was in Verbindung mit seiner Transportfähigkeit von Körperwärme nach draußen bakteriostatischen Eigenschaften gewährleistet. Vorteil: Die Haut bleibt auch im Sommer länger kühl und trocken. Ein weiterer Vorzug von Bambus: Beim Anbau sind Pestizide oder Düngemittel überflüssig; Bambus ist deshalb kaum belastet und gilt als hypoallergen. o
  • Protein-Fasern (angereicherte Sojafasern) sind seidig glatt, weich wie Kaschmir und atmungsaktiv. Sie beinhalten 18 Arten von Aminosäuren, fördern den Stoffwechsel der Haut und können Juckreiz hemmen. Zudem wirken sie anhaltend antibakteriell. r
  • Sojafasern werden zu einem Produkt verwoben, das aufgrund seiner Weichheit und Glätte als Sojaseide bezeichnet wird. Kleidung aus Sojaseide hat eine antibakterielle und antifungale Wirkung was nachweislich die Ansiedlung von Bakterien oder Pilzen erschwert.

Regenerate-Stoffe für funktionelle Kleidung*

  • Coldblack® Dunkle Farben heizen sich unter Sonneneinstrahlung stärker auf als helle, da sie sowohl den sichtbaren als auch den unsichtbaren Teil der Sonnenstrahlung absorbieren. Das in Coldblack® verwendete Fasergemisch vermindert das Aufheizen bei dunkleren Farben und garantiert zusätzlich einen UV Schutz von mindestens 30. o
  • Energear™ sorgt dafür, dass vom Körper abstrahlende Energie zurückgeführt wird. Im Stoff verarbeitete Mineralien bewirken, dass vom Körper abstrahlende Energie in Form von Ferninfrarotstrahlen vom Textil zurückreflektiert wird. Diese zusätzliche Energie soll sich positiv auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden auswirken. Weitere Eigenschaften von Energear™ sind Atmungsaktivität, Wetterschutz und hohe Elastizität. r
  • MicroModal® Fasern eigenen sich für hautnahe Produkte, da sie sehr weich sind und über ein besonders gutes Feuchtigkeitsmanagement verfügen. Durch Mischung mit anderen Fasern entstehen Stoffe, die ein trockenes, komfortables Hautgefühl und wohlige Wärme gewährleisten. o
  • Für die Gewinnung von Tencel® Fasern, einer Viskoseart, wird Zellulose (meist aus Buchenholz gewonnen) mittels eines ungiftigen Lösungsmittels direkt gelöst und versponnen. Es entsteht ein Oberstoff, der eine feste Optik, aber den Griff und Fall von gewaschener Seide hat. Tencel® ist pflegeleicht, atmungsaktiv, hautsympathisch, weich und strapazierfähig. Textilien aus Tencel® verhindern einen zu hohen Feuchtigkeitsverlust bereits im Ansatz und verbessern somit den Hautschutz. Dadurch wird eine bessere Hautelastizität erwirkt. o
    • SeaCell® Fasern basiert auf dem Tencel® -Verfahren und verfügt über hautschützenden und entzündungshemmenden Algen als Zusatzstoff. Die Fasern bewirken einen aktiven Austausch zwischen Stoff und Haut. Der Algeneffekt soll zusätzlich eine dauerhaft antimikrobielle Wirkung haben. r
    • Smartcel™ Fasern basieren ebenfalls auf dem Tencel® -Verfahren mit entzündungshemmendem, hautregenerativem und antibakteriellem Zink als Zusatzstoff. Das verwendete pharmazeutisch reine Zinkoxid erfüllt u. a. die Reinheitsanforderungen DAB 10 (Umasan, 2014). r
    • Tencel®C sind Tencel® Fasern, die zusätzlich mit dem Wirkstoff Chitosan imprägniert sind, der von den Panzern der Meerestiere gewonnen wird. Chitosan wirkt entzündungshemmend und kann Hautreizungen vermindern (Elmani, 2011).

*Die Liste stellt keine explizite Empfehlung der Redaktion dar. Sie ist beispielhaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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