Was hat mein Arzt abgerechnet? – Patientenquittungen online

Grundsätzlich hat seit 2004 jeder Versicherte einen Anspruch darauf, von seiner Krankenkasse zu erfahren, welche Kosten für die eigenen medizinischen Behandlungen abgerechnet worden sind. Diese Auskunft bieten immer mehr Kassen auch online an.

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Was privat Versicherten ganz selbstverständlich ins Haus flattert, konnten gesetzlich Krankenversicherte lange nur auf Anfrage einsehen: Die Abrechnungen der Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser oder auch Kosten für Heilmittel, wie ärztlich verordnete Physiotherapie, podologische Therapie oder Logo- und Ergotherapie und mehr. Die Quittungen kostenlos auch online abfragen zu können, erleichtert die Einsicht, weil diese nicht länger mit immer neuen Anfragen an die Kasse verbunden ist. Stattdessen wird das Anmeldeverfahren nur einmal nötig; danach reichen Nutzername und Passwort für den Abruf.

Quittungen online einsehen

Mit den großen Kassen Techniker Krankenkasse, AOK und Barmer GEK sowie zahlreicher kleiner Krankenversicherungen stellen den Service immer mehr Kassen online zur Verfügung. Das Anmeldeverfahren dauert aus Datenschutzgründen einige Tage, weil der Versicherte sich erst registrieren muss, dann erhält er per Post einen persönlichen Code zum Abruf seiner Daten und hat daraufhin noch einmal eine Frist abzuwarten, bis die entsprechenden Auskünfte in das Portal eingestellt sind. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass niedergelassene Ärzte nur einmal im Quartal abrechnen, die Einsicht in solche Leistungen ist also ggf. nur verzögert möglich, und auch andere Abrechnungen fordern manchmal etwas Geduld. Trotzdem, berichtet die AOK Baden-Württemberg, habe sich das Interesse an den Patientenquittungen mit Einführung des Online-Services verzehnfacht (Medienportal AOK Baden-Württemberg, 2014).

Die Zeiträume und Leistungen, für die Quittungen einsehbar sind, variieren. So bietet beispielsweise die Barmer GEK einen Rückblick für das laufende Kalenderjahr und die beiden zurückliegenden Kalenderjahre für folgende Leistungen:

  • Ärztliche Behandlungen
  • Ambulante Behandlungen im Krankenhaus
  • Arzneimittel
  • Besondere Behandlungsangebote
  • Fahr- und Transportkosten
  • Heilmittel
  • Hilfsmittel
  • Krankenhausbehandlungen
  • Zahnärztliche Behandlungen (Zahnersatz, Paradontosebehandlung, konservierend chirurgische Behandlungen, Kieferorthopädie, Kiefergelenkserkrankungen und Kieferbruch)

Ärzte sehen Schwachstellen

Viele Ärzte sehen die neue Transparenz nicht unkritisch. Die Abrechnungen entsprächen wegen des komplizierten Abrechnungssystems für Arzthonorare nicht automatisch auch den ausbezahlten Beträgen, geben sie zu bedenken (Beneke/durchblick gesundheit, 2012). Die vertragsärztliche Budgetierung sieht vor, dass ein geplantes Gesamtbudget, orientiert an den Behandlungen des Vorjahres, auch dann nicht aufgestockt wird, wenn ein Arzt gegen Ende des Jahres feststellt, dass sein Jahresbudget schon aufgebraucht ist. Patienten könnten also vor allem sehen, welche Leistung zu welchem Preis ihr Arzt in Rechnung gestellt hat, nicht aber, ob er wegen Überschreitung des Gesamtbudgets Abstriche hinnehmen musste.

Bessere Kontrolle – mehr Bewusstheit

Bislang wissen viele Versicherte nur sehr diffus, dass eine medizinische Leistung natürlich bezahlt werden muss, aber die konkreten Summen werden kaum hinterfragt – wohl auch, weil sie in diesem Moment nicht den eigenen Geldbeutel belasten. Der Einblick in die Abrechnungen zeigt nicht nur, was überhaupt abgerechnet worden ist und wie viel für die jeweilige Behandlung in der Regel veranschlagt wird, sondern ermöglicht damit auch eine bessere Kontrolle über Vorgänge, die sonst weitgehend im Verborgenen ablaufen.

 

Weitere Kassen, die den Online-Service bieten, nennt das Service-Portal gesetzlichekrankenkassen.de

 

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