Schwerbehindertenausweis

Mit dem Schwerbehindertenausweis belegen behinderte Menschen gegenüber Arbeitgebern, Sozialleistungsträgern, Behörden, etc. den Umstand, dass eine Behinderung vorliegt, welchen Grad sie hat und welche weiteren gesundheitlichen Merkmale im Einzelfall bestehen. Besitzer eines Schwerbehindertenausweises haben Anspruch auf verschiedene Vergünstigungen.

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Ein Schwerbehindertenausweis wird erst ab einem festgestellten Grad der Behinderung (GdB) von wenigstens 50 ausgestellt, was die Voraussetzung ist für die Inanspruchnahme von Rechten und Nachteilsausgleichen, wie z. B. ein besonderer arbeitsrechtlicher Kündigungsschutz, Anspruch auf den Zusatzurlaub, Vergünstigungen bei der Besteuerung des Einkommens oder vergünstigte bzw. unentgeltliche Beförderung mit Bus und Bahn.

Voraussetzung für einen Schwerbehindertenausweis

Zusätzlich zu einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 ist ein dauerhafter Wohnsitz in Deutschland Voraussetzung für den Erhalt eines Schwerbehindertenausweises. Die Gleichstellung mit einer schwerbehinderten Person (bei einem GdB unter 50, von mindestens aber 30) berechtigt nicht zum Erhalt eines Schwerbehindertenausweises.

 Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis – schriftlich und online

Den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis stellt man beim zuständigen Versorgungsamt bzw. Landesamt. Auskunft über die jeweilige Zuständigkeit und Kontaktdaten erteilt das Bürgeramt der Stadt (Rathaus). Die verschiedenen Versorgungsämter finden sich aber auch in folgender Liste: www.versorgungsaemter.de. Den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis stellt man mit einem Vordruck, d. h. einem Antragsformular, den das zuständige Amt auf Anfrage hin zusendet. Zunehmend bieten Versorgungsämter auf ihrer Internetseite die Möglichkeit, den Antrag online auszufüllen und abzuschicken. Die eigene Unterschrift ist aber nach wie vor notwendig, ebenso wie die ärztlichen Bescheinigungen über die Behinderung (VdK, 2016).

 Merkmale und Merkzeichen auf dem Schwerbehindertenausweis

  • VB – Anspruch auf Versorgung nach den Vorschriften des Bundesversorgungsgesetzes
  • EB – Minderung der Erwerbsfähigkeit um wenigstens 50%, Entschädigung nach § 28 des Bundesentschädigungsgesetzes
  • aG – Außergewöhnlich gehbehindert (Das Merkzeichnen aG erhalten nur Menschen, die sich auf Grund ihrer Behinderung nur  mit fremder Hilfe oder unter äußerster Anstrengung außerhalb ihres Kraftfahrzeuges bewegen können.)
  • G – Erheblich gehbehindert (Dazu zählen Menschen mit Behinderungen an Beinen oder Rückgrat (ab Einzel-GdB 50) sowie Menschen, die durch innere Leiden wie Herzschäden, Lungenprobleme, Krampfanfälle, Diabetiker mit häufigen Schocks und andere erheblich eingeschränkt sind.)
  • H – Hilflos (Menschen mit Behinderung, die ständig auf fremde Hilfe angewiesen sind, insbesondere bei der Verrichtung von Tätigkeiten, die zur Sicherung der persönlichen Existenz notwendig sind, bekommen das Merkzeichen Hilflos.)
  • B – Notwendigkeit ständiger Begleitung (Menschen mit schweren Behinderungen – erfüllen in der Regel die Kriterien für die Merkzeichen G oder H -, die für die gefahrlose Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auf eine Begleitperson angewiesen sind, erhalten zusätzlich das Merkzeichen B.)
  • Bl – Blind
  • Tbl – Taubblind
  • RF – Ermäßigung Rundfunkgebührenbeitrag
  • 1.KL. – Darf mit Fahrausweis der 2. Klasse die 1. Klasse in der Bahn benutzen (schwerbehinderung-aktuell, 2015).

Neuer Schwerbehindertenausweis, 2013 Quelle: BMAS

Verlängerung eines Schwerbehindertenausweises

Der Schwerbehindertenausweis wird unbefristet ausgestellt, wenn eine maßgebliche Verbesserung des Gesundheitszustandes, die Einfluss auf den Grad der Behinderung (GdB) hätte, nicht zu erwarten ist. Ansonsten wird er höchstens für fünf Jahre ausgestellt. Eine Verlängerung kann zweimal ohne Formalitäten beim Bürgeramt (Rathaus) oder dem zuständigen Versorgungsamt vorgenommen werden. Eine dritte Verlängerung ist nicht möglich. In diesem Fall muss ein neuer Ausweis beantragt werden. Ein neues ärztliches Gutachten ist hierfür nicht notwendig.

Hinweis zur Parkberechtigung

Ein Schwerbehindertenausweis berechtigt nicht automatisch dazu, auf Behindertenparkplätzen zu parken. Hierzu benötigt man einen blauen Parkausweis (Parkausweis für Personen mit Behinderungen in der Europäischen Union), den man separat bei der Straßenverkehrsbehörde oder dem Ordnungsamt beantragen muss (siehe: Sonderparkberechtigung im In- und Ausland) . Voraussetzungen sind die Merkzeichen aG (außergewöhnlich gehbehindert) oder Bl (blind) auf dem Schwerbehindertenausweis (VdK, 2015).

Der neue Schwerbehindertenausweis in Scheckkartenformat

Seit Januar 2013 kann der Schwerbehindertenausweis im praktischen Scheckkartenformat beantragt werden. Die alten Ausweise bleiben bis zum Ablauf ihrer Gültigkeitsdauer weiterhin gültig (d. h. es besteht kein Umtauschzwang); spätestens ab dem 1.1.2015 werden (bei Neuantrag oder Verlängerungsantrag) nur noch die neuen Ausweise ausgestellt.

Die Unterschiede zwischen altem und neuem Schwerbehindertenausweis:

Der bisher geltende Papierausweis hat das relativ große Format von 13,5 mal 9,5 Zentimeter. Künftig wird der Schwerbehindertenausweis Scheckkartenformat haben und wie diese in Plastik ausgeführt sein; zudem enthält er nun den Nachweis der Schwerbehinderung in englischer Sprache.

Zur besseren Unterscheidung von anderen Plastikkarten derselben Größe befindet sich auf der Vorderseite unten rechts ein Vermerk in Braille-Schrift, mit dem Blinde ihren neuen Ausweis an der Buchstabenfolge sch-b- erkennen können.

Der neue Ausweis kann ab dem 1. Januar 2013 ausgestellt werden. Den genauen Zeitpunkt der Umstellung legt jedes Bundesland für sich fest. Die Umstellung ist für den Antragsteller kostenfrei.

Alle Nachteilsausgleiche können auch mit den alten Ausweisen in Anspruch genommen werden. Die Notwendigkeit, einen unbefristet ausgestellten Ausweis umzutauschen, besteht nicht.

Inhaber von Schwerbehindertenausweisen, die zur unentgeltlichen Beförderung im öffentlichen Nahverkehr berechtigt sind, erhalten künftig ein Beiblatt mit Wertmarke im selben kleinen Format wie die Plastikkarte. Allerdings wird es nicht auf Plastik ausgestellt, sondern auf Papier, weil seine Gültigkeit auf bis zu 1 Jahr begrenzt ist (BMAS, 2012).

Fragen & Kommentare

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  1. jojo 14.06.2013, 12:32 Uhr

    Guten Tag,
    Gibt es den schwerbehinderten Ausweis auch in der Schweiz?

    • Tanja Konrad 22.06.2013, 14:41 Uhr

      Guten Tag Jojo,
      in der Schweiz gibt es einen Invalidenausweis, der bei der Invalidenkasse beantragt werden kann. Die Invalidenversicherung (IV) ist zuständig für die Bestimmung von Invalidengrad und Invalidenrente. Die Vergünstigungen, die Inhabern von Invalidenausweisen zustehen, unterscheiden sich aber von den Leistungen für Inhaber eines Schwerbehindertenausweises in Deutschland.
      Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage der schweizerische Alters- und Hinterbliebenenversicherung – Invalidenversicherung (AHV-IV): http://www.ahv-iv.info/iv/index.html?lang=de
      Viele Grüße,
      Tanja Konrad