Die Haut bei Querschnittlähmung

Die Haut ist ein Organ mit zahlreichen Funktionen: Sie grenzt den Organismus gegenüber der Außenwelt ab, schützt vor Krankheitserregern, Sonnenlicht und Austrocknung, ist zuständig für Regulation der Körpertemperatur, des Wasserhaushaltes und des Gasaustausches und ist zudem ein Kontakt- und Sinnesorgan.

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Mit einer Fläche von ca. 1,8 m2 und einem Gesamtgewicht von 3,5 bis 10 kg ist die Haut das größte und schwerste Organ des Menschen (Pohlmann, 2012). Bei einer Querschnittlähmung kommt es zu motorischen, sensiblen und vegetativen Störungen unterhalb der Läsionshöhe. Sie können in der Folge zu Verletzungen und Hautschäden führen. (Vgl. Dekubitus)

Störung der Motorik

Willkürbewegungen können nicht mehr ausgeführt werden und der Muskeltonus ist herabgesetzt.

Störung der Sensibilität

Der teilweise oder vollständige Verlust der Oberflächensensibilität, d. h. das Unvermögen Berührung, Schmerz, Temperatur, Druck etc. wahrzunehmen, bedeutet eine lebenslang bleibende, hochgradige Gefährdung der Haut und des darunterliegenden Gewebes.

Störung der vegetativen Funktion

Veränderung der Kreislaufregulation, des Gefäßtonus und der Schweißsekretion sind Folgen dieser Störung. Durch starkes Schwitzen, Neigung zur Hyperthermie, Inkontinenz usw. kann es zur Hautirritation bzw. Hautschädigungen kommen. Besonders gefährdet sind Leisten und Analfalte. Eine tägliche Hautkontrolle ist daher unbedingt notwendig.

Gefahren für die Haut

Die Haut muss konsequent vor langer Hitze- oder Kälteeinwirkung (thermische Gefahren), vor Schädigungen oder Verletzungen von außen durch stumpfe oder spitze Gegenstände (mechanische Gefahren) und vor chemischen Substanzen, z. B. Pflegemittel mit hohem ph-Wert (chemische Gefahren), geschützt werden.

Mögliche Gefahrenquellen sind:

  • Heißes Wasser (beim Baden, Duschen oder Spülen)
  • Wärmflaschen, elektrische Heizdecken und heiße Umschläge (etwa bei Blähungen)
  • Kälte-Wärmereizmethode (Eis und Fön)
  • Hot- oder Coolpacks; nicht direkt auf die Haut geben
  • Verbrühung und/oder Verbrennung beim Kochen
  • WC mit Spüleinrichtung für Analreinigung
  • Heiße Heizkörper
  • Heiße Kaffee- und Teetassen
  • Beim Rauchen durch herabfallende Asche
  • Direkte und intensive Sonneneinstrahlung
  • Zu enge Kleidung, Kleidungsnähte, Knöpfe, Nieten, Verschlüsse
  • Kabel, Drains und Ableitungen im Bett und Rollstuhl
  • Im Bett vergessene Gegenstände
  • Falten im Leintuch
  • Unsachgemäß angepasste und/oder angelegte Hilfsmittel, Z.B. Urinal, Urinflasche, Stützstrümpfe, Schuhe)
  • Lange Fingernägel oder scharfkantiger Schmuck
  • Luftring (Ventil und Schweißnähte)
  • Scherkräfte durch unsachgemäße Positionierung (z.B. bei Wechsellagerung)
  • Sturz aus dem Rollstuhl
  • Transfers ohne Hilfsmittel
  • Drehende Speichenräder oder Greifreifen
  • Scharfe Kanten an Möbeln und Geräten
  • Abreibungen mit Alkohol
  • Hautklebemittel (z. B. für Urinale oder an Pflastern)
  • Aggressive Pflegemittel mit hohem ph-Wert (Maierl/Rieger, 2012)

Eine konsequente Hautpflege kann die Gewebetoleranz erhalten bzw. fördern und somit die Haut widerstandsfähiger gegen Druck und Reibung machen. Ist sie zu trocken, wird die Widerstandsfähigkeit herabgesetzt. Ist sie dauerhaft zu feucht, kommt es zum Aufquellen der Epidermis, wodurch Keime in die Haut eindringen können und sie zusätzliche empfindlich gegenüber Reibung und Scherkräften macht (Pohlmann, 2012).

Bei der Hautpflege ist zu beachten, dass der natürliche Säureschutzmantel der Haut angegriffen wird, wann immer sie Wasser ausgesetzt wird, wobei warmes Wasser die Haut mehr strapaziert als kaltes. Übermäßiges Duschen, Baden oder Waschen sollte also vermieden werden.

Bild 133744958 copyright Africa_Studio, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.comBeim Waschen sollten Pflegemittel möglichst gemieden werden. Wenn sie verwendet werden, sollten sie:

  • Die Haut nicht austrocknen, schädigen oder strapazieren
  • Rückfettende Stoffe beinhalten
  • Mit kaltem Wasser abgespült werden, um Reste vollständig zu entfernen
  • Die Poren nicht abdichten, um die Temperaturregulation zu gewährleisten
  • Ein geringes Allergisierungspotential haben
  • Einen pH-Wert im hautneutralen Bereich haben (5,5 bis 6,0)  (Benedikt/et.al., 2012). Durch Anwendung chemischer Substanzen wird der Säureschutzmantel der Haut angegriffen, sie trocknet aus und wird rissig, gleichzeitig nimmt die Elastizität ab und das Verletzungsrisiko der Haut erhöht sich (Maierl/Rieger, 2012).

Das tägliche Eincremen, besonders an beanspruchten Stellen, ist zu empfehlen. Dabei müssen Cremes und Lotionen individuell je nach Beschaffenheit der Haut ausgewählt werden: Bei trockener und normaler Haut sind Pflegeprodukte mit hohem Öl-Anteil, d. h. Wasser-in-Öl-Emulsionen, besonders geeignet, da sie die Haut nachhaltig pflegen und vor dem Austrocknen schützen. Bei fettiger Haut werden häufig Präparate mit hohem Wasseranteil bevorzugt (Pohlmann, 2012).

Siehe auch: Hautpflege bei trockener Haut

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