Ernährung bei Querschnittlähmung

Bei einer Querschnittlähmung ist eine ausgewogene Ernährung, d.h. eine Ernährung, bei der alle essentiellen Nährstoffe in ausreichendem Maße aufgenommen werden, unerlässlich für die Gesunderhaltung und ein gutes Darmmanagement.

 

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Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf Nahrungseinflüsse; daher gibt es keine allgemeingültige Ernährungsstrategie und es ist empfehlenswert eine individuelle Beratung durch eine Ernährungsfachkraft einzuholen (Geng/Hess, 2012).

Unabhängig davon können die ‚10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für vollwertiges Essen und Trinken‘ als Faustregel herangezogen werden.

  1. Vielseitig essen
  2. Zu reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln greifen
  3. Viel Gemüse und Obst genießen, fünf Portionen am Tag
  4. Täglich Milch und Milchprodukte konsumieren; ein- bis zweimal in der Woche Fisch; Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
  5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel verwenden
  6. Zucker und Salz in Maßen verwenden
  7. Reichlich Flüssigkeit zu sich nehmen
  8. Schmackhaft und schonend zubereiten
  9. Sich Zeit nehmen und genießen
  10. Auf das Gewicht achten (und in Bewegung bleiben) (DGE, 2011)

Energiebedarf

Derzeit gibt es keine verlässlichen Daten zum Energiebedarf bei Querschnittgelähmten. Die Akutphase nach der Verletzung ist geprägt von Stoffwechsel- und Körpermassenverschiebungen (die Fettmasse nimmt zu, die Muskelmasse ab). Je nach Lähmungshöhe und -bild kann der Energiebedarf sehr unterschiedlich ausfallen. Während er in der Akutphase aufgrund des Traumas und der Gesamtsituation noch sehr hoch sein kann, gilt danach der Grundsatz: Je höher und vollständiger das Lähmungsbild, desto niedriger der Grundumsatz (und somit der Energiebedarf). Da ein Querschnittgelähmter eine verringerte  Muskelmasse (und damit stoffwechselaktives Gewebe) hat, kann grob gesagt werden, dass sein Energiebedarf ca. 10 – 25% unter dem  eines Fußgängers liegt. Exakte Werte des Energiebedarfs können durch eine indirekte Kalorimetrie bestimmt werden.

Flüssigkeitsbedarf

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist notwendig, um den Körper vor dem Austrocknen (Dehydrierung) zu schützen. Eine Dehydrierung kann u. U. zu Hautschädigungen wie Dekubitus, Harnwegsinfektionen oder Verstopfung führen.

Die Flüssigkeitszufuhr muss auf die Ausscheidung abgestimmt sein. Sowohl das Blasenmanagement als auch das Darmmanagement werden von der Flüssigkeitsmenge beeinflusst. Die empfohlene Ausscheidungsmenge in Anlehnung an Empfehlungen aus neurologischer Sicht beträgt 1500 ml täglich. Um diese Menge zu erreichen, müssen täglich ca. 1500 – 2000 ml Flüssigkeit (in Form von Getränken, Suppen oder Obst mit einem sehr hohen Wasseranteil, wie z.B. Wassermelonen) getrunken bzw. gegessen werden. Bei ballaststoffreicher Ernährung erhöht sich die empfohlene Flüssigkeitszufuhr. (Vgl.: Ballaststoffe)

Eine Reihe von Faktoren kann ernährungsbedingte Blähungen auslösen, was dafür spricht, dass sie in der Nahrung Querschnittgelähmter berücksichtigt werden sollten.

Blähungen können verursacht werden durch:

  • Zwiebel, Lauch, Knoblauch
  • Sellerie
  • Paprikagemüse
  • Salatgurke
  • Pilze (Ausnahme Champignons)
  • Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl
  • Erbsen, Linsen, grüne Bohnen
  • „Schwer verdauliche“ Hülsenfrüchte (weiße Bohnen/Kidneybohnen)
  • Steinobst (nicht gekocht)
  • Zucker, Honig, Fructose (Fruchtzucker)
  • Geschlagene Sahne
  • Fertigprodukte z.B. Suppen, Soßen
  • Kohlensäurehaltige Getränke
  • Frittierte Speisen
  • Süßstoffe (in Diät- und/oder Lightprodukten)

 Bestimmte Maßnahmen können vorbeugend getroffen werden:

  • Leichten Vollkost bzw. Basisdiät
  • Schonende Zubereitung der Speisen (z.B. nichts Frittiertes, kein Rohverzehr)
  • Rücksprache mit Ärzten, medikamentöse Unterstützung
  • Essgewohnheiten anpassen, wie Essgeschwindigkeit, Schluckverhalten (Luft schlucken, Trinkhalmnutzung reduzieren, unterstützende Ess- und Trinkhilfen einsetzen, evtl. Kontaktaufnahme mit Logopädie/Ergotherapie)
  • Fenchel- oder Kamillentee
  • Evtl. Einsatz von Fenchelsamen vor oder nach dem Essen (Beginn mit ca. 10-15 Samenkörnern). Diese zerkauen und schlucken. Die Menge kann bis zu ½ Teelöffel/Tag ausgedehnt werden (Geng/Hess, 2011).

Vorsicht:

  • Wegen dem erhöhten Verletzungsrisiko der Haut sind Maßnahmen wie das Auflegen feucht-warmer Wickel sehr vorsichtig einzusetzen.

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