Prä- und Probiotika für eine gesunde Darmflora

Die Darmmikrobiota (auch: Darmflora) ist ausschlaggebend nicht nur für eine gut funktionierende Verdauung, sondern auch für ein gut funktionierendes Immunsystem. Prä- und Probiotika können generell für einen gesunde Zusammensetzung  Aufbau der Darmflora sorgen – auch nach der Einnahme von Antibiotika.

Prä- und probiotischen Lebensmitteln werden verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. So sollen sie die Abwehrkräfte stärken und die Verdauung regulieren, indem sie z. B. die Milchzuckerverwertung erleichtern und den Erhalt bzw. Aufbau einer normalen, ausgewogenen Darmflora unterstützen (Hamm, 2000).

Präbiotika sind Lebensmittelbestandteile, die nicht oder nur teilweise verdaulich sind, die sich aber auf die menschliche Gesundheit günstig auswirken, indem sie aktiv das Wachstum und/oder die Aktivität bestimmter Bakterien im Darm fördern. Eine genaue Definition lautet: „Präbiotika sind eine nicht verdaubare Verbindung, die durch ihre Metabolisierung durch Mikroorganismen im Darm die Zusammensetzung oder die Aktivität der Darmmikrobiota modulieren und dadurch eine positive physiologische Wirkung auf den Wirt erzielen  (Geng/Hess, 2017).

Präbiotika kommen vermehrt in faserstoffreichen, d. h. ballaststoffreichen Lebensmitteln vor. Die beiden am häufigsten vorkommenden Präbiotika sind Fruktooligosaccharide und Inulin, beides Ballaststoffe in Gemüse (z. B. Spargel), Früchten (z. B. Bananen) und Getreide (z. B. Weizen) (Brockhaus, 2008). Andere sind Lactilol, Lactulose und Fructan. Ob Pektine, resistente Stärke, diverse andere Ballaststoffe oder Zuckeralkohole dazugehören ist derzeit noch unklar. Siehe auch: Ballaststoffe für die Verdauung.

Die positiven Auswirkungen von Präbiotika:

  • Fördern das Wachstum von nützlichen Bakterien
  • Unterdrücken fäulnisverursachende Bakterien
  • Beugen Durchfall und Verstopfung vor

Der einzige Nachteil von Präbiotika ist, dass bei der Verdauung der Lebensmittel sowie beim Aufbau der Darmflora Gase entstehen und sich diese als Blähungen bemerkbar machen.

Probiotika sind definierte Mikroorganismen, die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Darm gelangen und hierbei positive gesundheitliche Wirkungen erzielen können (Geng/Hess, 2017). Auch die Darmflora wird dabei passiv unterstützt. Probiotika sind in der Regel besonders robuste Milchsäurebakterein (v. a. Bifiobakterien und Laktobazillen), von denen ein Großteil die Magenpassage überlebt und durch die Produktion von Milch- und z. T. auch Essigsäure ein lebensfeindliches Milieu für Krankheitserreger schaffen. Probiotika kommen in Joghurts aber auch  in milchsauer vergorenen Lebensmitteln vor (z. B. Buttermilch, milchsauer vergorene Gemüsesäfte) (Brockhaus, 2008).

Die positiven Auswirkungen von Probiotika:

  • Reinigen den Darm
  • Schützen empfindliche Darmschleimhaut
  • Produzieren Vitamine, Enzyme, verschiedene Aminosäuren und essenzielle Fettsäuren
  • Können Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten abwehren
  • Fördern die Aufnahme von Enzymen aus der Nahrung
  • Stabilisieren das Immunsystem
  • Regen die Produktion von Muzin (schützender Schleim auf der obersten Darmschicht) an
  • Bauen Stoffwechselgifte ab (Geng/Hess, 2017).

Prä- und Probiotika als DreamTeam – u. a. bei Antibiotikaeinnahme

Der Körper benötigt sowohl Prä- als auch Probiotika. Die guten Darmbakterien  wie Bifidobakterien und Laktobazillen können sich unter Einnahme von Präbiotika vermehrt ansiedeln, während unerwünschte Darmbakterien reduziert werden (Geng/Hess, 2017). Eine Einnahme kann u. U. während einer Antibiotikatherapie – abhängig davon, welches Antibiotikum eingesetzt wird – von Nutzen für die Darmflora sein, da Antibiotika, die Bakterien (die guten, wie die schlechten) im Darm vernichten können. Unter dem Aspekt, dass die Immunabwehr des Körpers zu großen Teilen im Darm stattfindet, kann der Verzehr von prä- und probiotischen Nahrungsmitteln unter Umständen hilfreich sein (Hamm, 2000).

Darüber inwieweit Probiotika als Nahrungsergänzungsmittel (oder gar Arzneimittel) eingesetzt werden sollen, gibt es keine aussagekräftigen Studien. In keinem Fall sollte eine Therapie „auf gut Glück“ erfolgen. Einer Einnahme von Probiotika als Nahrungsergänzungsmittel sollte eine Stuhldiagnostik (wird nicht von den Kostenträgern übernommen) erfolgen, sodass Aussagen über die Zusammensetzung der Bakterien im Darm gemacht werden können. Erst dann kann festgestellt werden, welche Probiotikaeinnahme u. U. Sinn macht (Geng/Hess, 2017).

Siehe auch: Ernährung bei Querschnittlähmung und Antibiotika & Probiotika – Auswirkungen auf den Darm