Cannabis als Arzneimittel

Der Besitz von Cannabis ist in Deutschland verboten. Bisher konnten Wirkstoffe zu medizinischen Zwecken, etwa bei Schmerzen oder Spastiken, auf Rezept abgegeben werden, jedoch lediglich in begründeten Ausnahmefällen und in der Regel auf eigene Kosten. Im Januar 2017 hat der Deutsche Bundestag eine Änderung der betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften beschlossen. Bei schwer kranken Patienten genügt nun das Rezept des Arztes.

Bild 125860820 Copyright Andrea Danti, 2013. Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Das Verbot von Cannabis ist ein viel diskutiertes und leidenschaftlich umstrittenes Thema. Die einen warnen bei einer Legalisierung vor Rausch, Abhängigkeit und der Gefahr von Psychosen. Zugleich gibt es etliche Befürworter der Legalisierung. Als Mittelweg zwischen Verbot und Freigabe wurde 1998 die Nutzung von Cannabis als Medikament im Gesetz verankert. Genehmigt wurde der Antrag auf Behandlung mit dem Wirkstoff seitdem bei rund 1.000 Patienten (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – BfArM). Zu den relevanten Krankheiten gehörten 2014 chronische Schmerzen, Multiple Sklerose, Tourette-Sydrom, Depressionen oder/und ADHS (www.cannabis-med.org, 2014).

Die neue Regelung

Mit dem Beschluss des Bundestages vom 19. Januar 2017 haben nun deutlich mehr schwer kranke Menschen, die Möglichkeit Cannabis auf Kosten der Krankenversicherung verordnet zu bekommen. Die geänderte Verordnung (Drucksache 18/10902) sieht vor, dass nur hochwertige Cannabis-Produkte Verwendung finden. Patienten müssen nicht „austherapiert“ sein, um einen Anspruch auf ein Cannabis-Rezept zu haben. Ihre Krankheit muss aber schwerwiegend sein und der Wirkstoff muss Aussicht auf Linderung der Beschwerden oder Heilung bieten können.

Die Tatsache, das die Krankenversicherung die Kosten in den jeweiligen Fällen übernimmt, stellt sicher, dass eine Therapie so lange wie nötig durchgeführt werden kann, und nicht an der Kostenfrage scheitert. Eine staatliche „Cannabis-Agentur“ soll den kontrollierten Anbau für medizinische Zwecke in Deutschland umsetzten. Die Abgabe soll durch Apotheken erfolgen und wissenschaftlich begleitet werden. Auch für viele Ärzte oder Gutachter ist Cannabis als Arzneimittel ein neues Feld, auf das sie sich erst einstellen müssen.

Auch geringe Mengen nicht legal

Die medizinisch notwendige Versorgung ist die derzeit einzige Möglichkeit eines legalen Umgangs mit Cannabisprodukten in Deutschland. Zwar werden sogenannte „geringe Mengen“ in der Regel geduldet und nicht strafrechtlich verfolgt, bleiben aber ein Zugeständnis. Die Behörden können, müssen aber nicht auf eine Strafverfolgung verzichten. Zudem unterscheiden sich die geduldeten Mengen in den einzelnen Bundesländern.

Zu den Anwendungsfeldern von Cannabis bei Querschnittlähmung siehe: Der Einsatz von Cannabis bei Querschnittlähmung

Fragen & Kommentare

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  1. Jens Bonkowski 19.02.2018, 12:23 Uhr

    Hallo

    Vielleicht hat jemand Erfahrungen zur Anwendung von Cannabis gegen Spastiken. Als Ersatz für Backofen? Vielen Dank, Gruss, Jens