Stiftung Warentest vergleicht Rollatoren

Stiftung Warentest hat fünfzehn Rollatoren unterschiedlicher Hersteller verglichen und kam zu einem recht engen Testergebnis: Fahren können alle – Unterschiede zeigen sich bei Sicherheit und Handhabung der einzelnen Modelle. Hinsichtlich der Kostenübernahme allerdings irren die Verbraucherschützer: Komfort kostet nicht extra.

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Stiftung Warentest prüfte Rollatoren auf ihre Alltagstauglichkeit, d. h. Handhabung, Gewicht, Benutzerfreundlichkeit und testet sie zusätzlich im Labor auf Verarbeitung und Sicherheit sowie auf eine Schadstoffbelastung in Handgriffen, Sitz und Rückenlehne.

Das Ergebnis

Sieben mal vergab Stiftung Warentest in der Bestenliste des Magazins „test“ (Ausgabe 2 / 2014) das Qualitätsurteil „gut“ an längsfaltende Modelle mit einer Preisspanne von ca. 290 bis 390 Euro. Auf Platz acht folgt ein Querfalter als Bester unter den Befriedigenden (Preis ab 120 Euro). Am Ende des Feldes stehen Produkte, die Schadstoffe enthalten und den Sicherheitsaspekten nicht genügend nachkommen. Testsieger ist der Rollator Vital von Russka mit der Gesamtwertung 2,0, gefolgt vom Olympos der Firma Topro mit dem Gesamturteil 2,1. Den dritten Platz (mit einer 2,2) teilen sich mehrere Modelle.

1. Russka Vital „gut“ (2,0)

2. Topro Olympos „gut“ (2,1)

3. Dietz Taima „gut“ (2,2)

3. Invacare Dolo¬mite Jazz „gut“ (2,2)

3. Meyra Ortopedia Mobilus „gut“ (2,2)

3. Topro Troja 2G Basic „gut“ (2,2)

3. Volaris S7 Smart „gut“ (2,2)

4. Drive Medical Migo „befriedigend“ (2,6)

5. Handicare Gemino „befriedigend“ (2,7)

6. Drive Medical Nitro „befriedigend“ (2,8)

7. Invacare Dolo¬mite Legacy „befriedigend“ (3,0)

7. Rebotec Polo-Plus-T „befriedigend“ (3,0)

8. Bischoff & Bischoff RL-Smart „befriedigend“ (3,4)

8. Dietz Ligero „befriedigend“ (3,4)

9. Bischoff & Bischoff Rollator B „ausreichend“ (3,6)

Rollatoren sollen ihrem Nutzer beim Stehen und Gehen Sicherheit verleihen und dürfen auch unter großer Belastung nicht kippen. Ebenso wichtig sind einfach bedienbare und sichere Bremsen. Diesen Gesichtspunkt unterstreicht auch der Sprecher der Herstellerfirma Invacare, Udo Weinstock, in einer Pressemitteilung vom Februar 2014 und fügt kritisch hinzu: „Ein Aspekt, auf den Stiftung Warentest leider gar nicht eingegangen ist, sind die bei vielen Rollatoren abstehenden Bremskabel. Sie sind oft hinderlich und man kann an ihnen leicht hängen bleiben. Wir haben deshalb bei unserem Produkt (dem Dolomite Jazz) darauf verzichtet.“

Tipps von Stiftung WarentestBild Invacare_Rollator Dolomite Jazz_Anw_030214 copyright Invacare, 2014 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Neben der Beurteilung der geprüften Kriterien (Handhabung, Sicherheit, Verarbeitung und Schadstoffbelastung) gibt Stiftung Warentest einige Tipps zu Umgang und Kaufentscheidung, z. B.:

  • Bremsen auf Funktion testen
  • Rollator im beladenen Zustand Probe fahren
  • Auf geringes Gewicht und einfache Faltbarkeit (Langsfalter) achten
  • Preise vergleichen: Im Onlinehandel kosten Rollatoren oft deutlich weniger als  im Sanitätshaus

In puncto Onlinehandel rät Weinstock allerdings entschieden zur Vorsicht: „Online entfällt die individuelle Beratung zur richtigen Nutzung. Die Rollatoren werden auch nicht auf den Nutzer eingestellt. Eine falsch angepasste Gehhilfe ist jedoch wirkungslos. Wir empfehlen weiterhin, die Beratung eines Sanitätsfachhändlers in Anspruch zu nehmen.“

Kostenübernahme

Schon die Überschrift des Testberichts: Rollatoren – Komfort kostet extra weißt darauf hin, dass Stiftung Warentest demselben Irrtum unterliegt wie viele Kassenpatienten; wiederholt wird dieser Denkfehler mit dem Hinweis „…entweder ein von der Krankenkasse bezahltes, schweres und sperriges Modell oder ein leichtes, einfach zu verstauendes Gefährt für 300 bis 400 Euro“. Leichte Rollatoren müssen keineswegs vom Patienten selbst bezahlt werden; auch nicht die Differenz zwischen genehmigtem und Wunschmodell. Sie müssen von den Krankenkassen bezahlt werden – wenn sie durch den Arzt verordnet werden. Die Angabe von Indikation und Hilfsmittelnummer auf dem Rezept ist bei Antragstellung sehr hilfreich. Budgetrelevant sind Hilfsmittel für Ärzte nicht.

Zweifellos wahr ist leider, dass man als Betroffener damit rechnen sollte, dass die Kasse zunächst Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit des verordneten Hilfsmittels überprüfen und eine Kostenübernahme ggf. ablehnen wird. In diesem Fall gilt die Devise: Keine Angst vor Widerspruch, denn Recht hat eine Krankenkasse mit der Ablehnung eines verordneten Hilfsmittels noch lange nicht.

Näheres hierzu im Beitrag: Die richtige Gehhilfe finden

Die Testergebnisse im Einzelnen

Russka Vital

  • Gesamturteil: „gut“ (2,0)
  • Handhabung (65%): „gut“ (1,9);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (2,2);
  • Verarbeitung (10%): „sehr gut“ (1,0);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (3,0).

Topro Olympos

  • Gesamturteil: „gut“ (2,1)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,0);
  • Sicherheit (20%): „befriedigend“ (2,7);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (1,9);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (2,6).

Dietz Taima

  • Gesamturteil: „gut“ (2,2)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,2);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (2,4);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (1,6);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (2,6).

Invacare Dolomite Jazz

  • Gesamturteil: „gut“ (2,2)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,4);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (1,8);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (2,1);
  • Schadstoffe (5%): „sehr gut“ (1,4).

Meyra Ortopedia Mobilus

  • Gesamturteil: „gut“ (2,2)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,0);
  • Sicherheit (20%): „befriedigend“ (2,7);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (1,9);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (2,8).

Topro Troja 2G Basic

  • Gesamturteil: „gut“ (2,2)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,1);
  • Sicherheit (20%): „befriedigend“ (2,7);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (1,9);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (2,7).

Volaris S7 Smart

  • Gesamturteil: „gut“ (2,2)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,3);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (1,9);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (2,4);
  • Schadstoffe (5%): „sehr gut“ (1,2).

Drive Medical Migo

  • Gesamturteil: „befriedigend“ (2,6)
  • Handhabung (65%): „befriedigend“ (2,6);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (1,8);
  • Verarbeitung (10%): „befriedigend“ (2,6);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (3,2).

Handicare Gemino

  • Gesamturteil: „befriedigend“ (2,7)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,2);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (2,0);
  • Verarbeitung (10%): „sehr gut“ (1,4);
  • Schadstoffe (5%): „ausreichend“ (3,7).

Drive Medical Nitro

  • Gesamturteil: „befriedigend“ (2,8)
  • Handhabung (65%): „befriedigend“ (2,8);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (1,9);
  • Verarbeitung (10%): „sehr gut“ (1,0);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (2,6).

Invacare Dolomite Legacy

  • Gesamturteil: „befriedigend“ (3,0)
  • Handhabung (65%): „befriedigend“ (3,0);
  • Sicherheit (20%): „befriedigend“ (3,0);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (2,1);
  • Schadstoffe (5%): „sehr gut“ (1,2).

Rebotec Polo-Plus-T

  • Gesamturteil: „befriedigend“ (3,0)
  • Handhabung (65%): „befriedigend“ (3,0);
  • Sicherheit (20%): „gut“ (2,3);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (1,9);
  • Schadstoffe (5%): „sehr gut“ (1,2).

Bischoff & Bischoff RL-Smart

  • Gesamturteil: befriedigend“ (3,4)
  • Handhabung (65%): „gut“ (2,4);
  • Sicherheit (20%): „befriedigend“ (3,3);
  • Verarbeitung (10%): „gut“ (2,1);
  • Schadstoffe (5%): „ausreichend“ (4,4).

Dietz Ligero

  • Gesamturteil: „befriedigend“ (3,4)
  • Handhabung (65%): „befriedigend“ (2,7);
  • Sicherheit (20%): „ausreichend“ (3,9);
  • Verarbeitung (10%): „befriedigend“ (2,6);
  • Schadstoffe (5%): „befriedigend“ (3,3).

Bischoff & Bischoff Rollator B

  • Gesamturteil: ausreichend“ (3,6)
  • Handhabung (65%): „befriedigend“ (3,0);
  • Sicherheit (20%): „ausreichend“ (4,1);
  • Verarbeitung (10%): „ausreichend“ (4,0);
  • Schadstoffe (5%): „ausreichend“ (3,8).

Das Heft von Stiftung Warentest mit den ausführlichen Testergebnissen und Verhaltensbewertung der Rollatoren auf verschiedenen Untergründen und mit Beladung ist ab 28.02.2014 im Handel erhältlich. Für weitere Informationen siehe: Rollatoren: Komfort kostet extra (externer Link).

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