Selbstschnürende Schuhe – Die Zukunft hat begonnen

Wer in den 80er Jahren ein begeisterter Kinobesucher war (oder einen Fernseher besitzt), kennt zweifellos die legendäre Science Fiction Trilogie „Zurück in die Zukunft“. Die Handlung spielte abwechselnd oder auch parallel in den Jahren 1985, 1955 und 2015. Eine der Visionen, die die Macher von der damals 30 Jahren entfernten Zukunft hatten, ist nun Wirklichkeit geworden: Der selbstschnürende Sportschuh.

2015-Nike-Mag-02_native_600

Die Schuhe, die laut Spielfilm 2015 an allen Füßen sein sollten, sind alleine schon optisch ein ziemliches Highlight – wenn man Ankle-Boots und den Lichtorgel-Style mag. Das verwendete Material ist weiches Kunstleder, die Sohlen sind mit blinkenden Elementen versehen und das blaue Logo des Herstellers leuchtet ebenfalls im Dunkeln. Das herausragendste Merkmal der „Nike Mags“ sind jedoch die Power Laces (dt. Powerlaschen) – die Schnürsenkel, die sich selbst zuziehen.

Bereits 2011 hatte der Sportbekleidungshersteller Nike eine Version dieser futuristischen Schuhe auf den Markt gebracht. Allerdings ohne Powerlaschen und nur in einer auf 1.500 Exemplare limitierten Sonderausgabe. Nike versteigerte die leuchtenden „Air Mag“-Modelle damals auf der Auktionsplattform eBay. Der Erlös von fast fünf Millionen US-Dollar ging an die Michael J. Fox Stiftung zur Erforschung von Parkinson, einer neurologischen Krankheit, die die Motorik erheblich beeinträchtigen kann. Fox, der Hauptdarsteller der Film-Trilogie, wurde im Alter von 30 Jahren mit Parkinson diagnostiziert; seine Arbeit als Schauspieler beschränkt er heute auf Gastauftritte.

Zukunftsmusik

Im Februar 2014 wurde Nikes Produktdesigner Tinker Hatfield während einer Pressekonferenz gefragt, ob die Powerlaschen denn nun 2015 auf den Markt kommen würden. Seine Antwort: „Dazu sag ich: JA!“

Diese Aussage Hatfields wurde von Unternehmensseite im Januar 2015 offiziell bestätigt, was klar macht, dass die Powerlaschen nicht bloße Zukunftsmusik sind. Zwar wurde noch kein Verkaufsdatum genannt – Kenner der Trilogie tippen auf den 21. Oktober – doch die Technologie existiert schon länger. Bereits 2010 ließ Nike ein “Automatic Lacing System” (dt. automatisches Schnürsystem) für Schuhe patentieren. Aus marketingtechnischen Gründen würde es allerdings großen Sinn machen, das entsprechende Produkt erst ab 2015 – das Jahr in dem „Zurück in die Zukunft“ teilweise spielt – zu verkaufen. Siehe: Nike Air Mag TV Spot aus dem Jahr 2011 (in englischer Sprache)

Die Produktentwickler von Nike sind nicht die einzigen, die sich mit der möglichen Umsetzung von Powerlaschen beschäftigt haben. Designerin Blake Bevin, z. B., realisierte 2010 ein Kickstart Projekt für selbstschnürende Schuhe, nachdem sie ihren Entwurf im Internet veröffentlicht hatte. Bevins Prototyp verfügt über einen Halbleiterchip inkl. Prozessor und Peripheriefunktionen und Druckmesssensoren in der Schuhsohle, die registrieren, wann der Schuh getragen wird. Die Schnürsenkel ziehen sich dann mit Servomotoren automatisch zu. Die Marktreife wurde kürzlich über Bevins Twitter Account für dieses Jahr angekündigt. Siehe: Power Laces 2 PROTOTYPE DEMO

Ob nun von Nike oder von einem anderen Hersteller: Die selbstschnürenden Schuhe werden kommen. Und das sind nicht nur für Fans der Filmreihe, sondern vor allem für Menschen mit eingeschränkter Handfunktion, ziemlich gute Nachrichten. Nach dem Überstreifen des Schuhes würde ein leichter Zug am Schaft genügen, um die Passform optimal an den Fuß anzupassen. Wie das Ganze aussehen könnte, zeigt folgender Filmausschnitt: Martys Schuhe schnüren sich selbst

Und weiter?

Eine weitere Vision, die „Zurück in die Zukunft“ für 2015 heraufbeschwört und die sicher sinnvoll wäre, ist der Hover Chair, ein schwebender “Rollstuhl” der sich bei Bedarf sowohl um die X- als auch die Y-Achse drehen kann. Und für den Treppen wirklich kein Hindernis mehr darstellen. Produktentwickler, macht euch ran!

Update: Der Schuh ist da! Es ist ein Nike Mag!

Am 21.10.2015 veröffentlichte der Hersteller Nike eine Pressemitteilung mit der die selbstschnürenden Schuhe endgültig aus dem Reich der Science Fiction in die Realität befördert werden. Das erste Paar Schuhe ging an Michael J. Fox, der in folgendem Video zeigt, wie es gemacht wird:

Dies ist an sich ja durchaus ein Grund zum Jubeln und bestätigt: „If you can dream it, you can do it!“ (etwa:„Wenn du es dir vorstellen kann, kannst du es tun.“)

Leider gibt es einen Wehrmutstropfen. In Serie gehen werden die Schuhe nicht, und an jedermanns Füßen werden sie weder dieses noch nächstes noch folgendes Jahr sein. Geplant ist lediglich eine limitierte Sonderedition. Die Schuhe – wieviel Paare ist noch unklar – werden per Online-Auktion im Frühjahr 2016 zu ersteigern sein. Die Einnahmen sollen, wie bei der oben erwähnten Aktion 2011, der Michael J. Fox Stiftung zur Erforschung von Parkinson zur Verfügung gestellt werden.

Womit wir bei den Kosten für die selbstschnürenden Schuhe mit Powerlaschen wären: 2011 wurden 1.500 Paare für eine Gesamtsumme von fast 4.700.000 US Dollar versteigert. Im Schnitt zahlten die Käufer also über 3.100 US Dollar (ca. 2.800 Euro) pro Paar. Und das für Schuhe, die gar keine Powerlaschen hatte, sondern nur so aussahen…

Für die Version, die tatsächlich funktioniert, dürfte noch mehr fällig werden. Wer in Geld schwimmt, kann ja mal mitbieten. Eine Kostenübernahme durch die Kostenträger ist höchstwahrscheinlich ausgeschlossen.

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.