Wenn der Nachwuchs mitfahren soll – Kindervorspannwagen und Co.

Solange ein Baby im Bauch seiner Mutter ist, hat das gewisse Vorteile: Es kann trinken und schlafen wann es will, Mama weiß immer wo es ist und für den Transport ist es schon optimal verpackt. Aufregender wird es, wenn der Junior geschlüpft ist. Dies gilt für alle Eltern, insbesondere aber für jene, die im Rollstuhl sitzen. Glücklicherweise gibt es Hilfsmittel, die es querschnittgelähmten Müttern und Vätern erleichtern können den Nachwuchs zu befördern.

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Clevere Menschen haben Hilfsmittel entwickelt, in denen Kleinkinder mit dabei sein können, wenn Mama oder Papa mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Die Auswahl ist derzeit (2019) allerdings alles andere als groß:

Multi-Rollstuhladapter

Der Multi-Rollstuhladapter ist, wie sein Name vermuten lässt, ein Multi-Talent. Ihn kann man mit dem Nachwuchs mitwachsen lassen, d. h. je nach Größe des Kindes kann man eine Baby-Schale, Sitzschale oder einen Kindersitz für Kinder bis sechs Jahren anbringen. Zudem kann man Tische, Tabletts, Einkaufkörbe und mehr an ihm anbringen. Ein Schnäppchen ist der Multi-Adapter mit seinen ca. 3.000 €* nicht; er hat aber einen entscheidenden Vorteil: Er ist über das Prototypen-Stadium (s. u.) hinaus und derzeit tatsächlich zu haben.

Für Details siehe: Immer zur Steller: Der Multi-Rollstuhladapter

SwissTrac mit Kindersitz

Ein SwissTrac (siehe: Mobil mit Speedy, SwissTrac und Co.) ist ein Zuggerät für den Rollstuhl. Für das Modell SWT-1 gib es als Zubehör eine Schnellkupplung für das Lenkrohr, wodurch es mit einem Kindersitz (dem Römer Jockey Komfort) aufgerüstet werden kann. Geeignet ist dieses Produkt für Kinder zwischen neun Monaten und fünf Jahren.

 

Trittbrettfahrer mit dem RoTec-Fun-BoardBild funborad3 copyright RoTec, 2014

Ältere Kinder (ab ca. zwei Jahren) werden mit dem Fun-Board des Herstellers RoTec zum Trittbrettfahrer. Das Brett wird hinter dem Rollstuhl angebracht und fest verschraubt. Es ist mit einem eigenen Rad an der Unterseite versehen, das Stabilität und Sicherheit gewährleistet; ein Belastungsgewicht von 20 kg sollte laut Herstellerangeben allerdings nicht überschritten werden.

Sollten Dritte den Rollstuhl schieben, entstehen für deren Laufkomfort keine Einschränkungen durch das Fun-Board, da seine höhenverstellbare Trittfläche recht schmal ausfällt. Der Preis für das RoTec-Fun-Board beläuft sich auf gerade mal 69 €*, und da sind Verpackung und Versand schon mit dabei. Lediglich Nachnahmegebühren fallen ggf. an. Für mehr Informationen siehe RoTec-Fun-Board auf der Hersteller-Website.

Transporter Trittbrett

Für eine weitere Option hinsichtlich Trittbrettern siehe: Trittbrett am Rollstuhl. In diesem Beitrag wird der Transporter des Herstellers Stricker vorgestellt, mit dem man problemlos größere Kinder und auch Erwachsene mitfahren lassen kann. Und auch der Beitrag Anhänger und Co.: Dinge transportieren im Rollstuhl könnte interessant sein; es wird ein Gurtsystem vorgestellt, das man über dem Schoß schließt.  Ein Kleinkind kann so gesichert auf Mamas oder Papas Schoß mitfahren.

Tragetücher und Tragegestelle

Tragetücher oder Tragegestelle, mit denen Babys vor dem Oberkörper der Eltern getragen werden können, sind in verschiedenen Ausführungen schon lange auf dem Markt. Es sind allerdings nicht alle Trage- und Wickelvariationen für Eltern im Rollstuhl geeignet. Katharina Marks von lewu.net hat gemeinsam mit einer Physiotherapeutin für Kleinkinder eine Wickeltechnik für RollstuhlfahrerInnen entwickelt. Siehe: Tragetuch-Wickeltechnik für Eltern im Rollstuhl

Tragetücher gibt es ab 44 €* im Fachhandel.

 

Prototypen: Visionen für Eltern im Rollstuhl

Die Bedürfnisse von Eltern im Rollstuhl sind auch Produktdesignern bewusst und weltweit gibt es verschiedene Ansätze, die den Transport von Babys und Kleinkindern am Rollstuhl erleichtern können. Leider hat es keines dieser Produkte bisher auf den Markt geschafft oder sind sang- und klanglos wieder verschwunden.

Baby Carrier

Der britische Hersteller Designability hat einen Vorspannkinderwagen, den Baby Carrier entwickelt, einen Kindersitz, der auf einem Vorspanngestell angebracht ist. Er wird ähnlich einem Vorspannrad vor dem Rollstuhl positioniert und mit einer Universalhalterung fixiert, die an alle handelsüblichen manuellen Rollstühle passen sollte. Der Baby Carrier verfügt über ein eigenes einzelnes Rad, das beim Fahren Stabilität und Sicherheit gewährleistet. Solange er nicht am Rollstuhl angebracht ist, ist der Baby Carrier dank zweier kleinerer Hinterräder freistehend, so dass Eltern ihr Kind einfacher hineinsetzen und an- und abschnallen können. Wenn der Vorspannkinderwagen gerade nicht benutzt wird oder im Auto transportiert werden soll, lässt er sich platzsparend zusammenfalten.

Der Preis hatte es allerdings in sich: £ 1.080 (ca. 1.350 €) berechnete der Hersteller, ohne Verpackung und Versand. In Großbritannien gab es zudem einen kostenlosen Verleihservice für den Baby Carrier. 2019 ist das Produkt vom Markt verschwunden und der Hersteller ruft zur Mithilfe bei einer Neuentwicklung auf.

Cursum Kinderwagen – Ein Prototyp

Bild cursum-stroller-5 copyright Cindy Sjöblom, 2014Dass herkömmliche Kinderwagen für Eltern ohne Gehbehinderung konzipiert und für Rollstuhlfahrer nur sehr schwer zu handhaben sind, bemerkte auch Cindy Sjöblom, Designstudentin am Umeå Institute of Design in Schweden und entwarf den Cursum: Den Kinderwagen für rollstuhlfahrende Eltern.

Er wird wie der Baby Carrier vor dem Rollstuhl positioniert, anders als bei diesem ist der Sitz nach hinten ausgerichtet, so dass immer ein direkter Blickkontakt zwischen Baby und Mutter oder Vater besteht. Zudem ist er direkt vom Rollstuhl aus bedienbar: Höhe und Position sind individuell anpassbar. Bei Bedarf lässt sich der Kinderwagen abkoppeln und mit einer Bremse feststellen. Der Cursum wurde in Zusammenarbeit mit gehbehinderten Eltern entwickelt, so dass gewährleistet ist, dass deren Bedürfnisse optimal erfüllt werden. Siehe: Promo-Video Cursum (in schwedischer Sprache mit englischen Untertiteln)

Auf Anfrage der Redaktion im August 2016 teilte Sjöblom mit, dass der polnische Hersteller Vitea Care daran interessiert ist das Design umzusetzen. 2019 ist Vitea Care im Netz nicht mehr zu finden.

EasyStroll – Adapter für Vorspannwagen

Der EasyStroll Adapter ist die Erfindung eines israelischen Designerteams um Projektleiterin Dana Yichye Shwachman von Jonathan Bar-Or Industrial Design (zur Website des Designers geht es hier: JBDesign). Es handelt sich dabei nicht um einen Vorspannwagen an sich sondern um einen Adapter, mit dem handelsübliche Kinderwagen und Buggys vor Rollstühlen befestigt werden können.

Vorgestellt wurde der Prototyp des Vorspannwagenadapters Ende 2015. Derzeit sucht der Designer eine Kooperation mit einem Hilfsmittelhersteller, um den EasyStroll an verschiedene Rollstuhltypen und Vorspannwagen anpassen und schließlich mit dem Endprodukt in Serie gehen zu können. Eine weitere Vision der Entwickler ist der universelle Einsatz des Adapters, so dass nicht nur Kinder- sondern auch Einkaufswagen damit geschoben werden oder z. B. Taschen und Körbe bei Bedarf daran befestigt werden könne. Auch für den Transport von Koffern könnte dieser Adapter eine Lösung sein. Mit seinem geringen Gewicht und sparsamen Maßen sollte der Adapter leicht mitzuführen sein, ohne den Rollstuhl deutlich schwerer und dadurch die Kraftaufwendung beim Antreiben zu sehr zu erhöhen. Die Markteinführung, die 2016 schnell erwartet wurde, ist bis 2019 nicht erfolgt.

 

 

*Alle Preise Stand: Mai 2017

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