ChairSkating heißt jetzt WCMX

WheelchairMX (WCMX) ist der weltweit gebräuchliche Name für das Skaten mit dem Sportrollstuhl. Aus Rampen, Treppen oder Kanten werden in diesem Extremsport Herausforderungen mit atemraubendem Potenzial.

Bild Actionsport_ChairSkating_Workshop_HH_Credit_DRS_Wittmershaus_035, Copyright: rollstuhlsport.de, Duisburg

WCMX hat sich nicht zuletzt über das Internet einen Namen gemacht. Hier kursieren die Rollstuhl-Backflips des Amerikaners Aaron Fotheringham und beschleunigen allein beim Zuschauen den Puls.

Der Mann aus Las Vegas ist der Einzige, der den Salto rückwärts im Rollstuhl bisher gewagt hat. Fotheringham stürzt sich mit dem Gefährt eine Rampe steil abwärts, um in der gewonnenen Geschwindigkeit die nächste wie eine Sprungschanze zu nehmen – Fahrer und Rollstuhl heben ab und drehen sich in der Luft, als seien sie eins.

Es geht auch ohne Backflip

„Wenn ich volle Pulle auf den Boden knalle, dann brechen die Schrauben in meinem Rücken“, kommentiert David Lebuser, der bekannteste RolliSkater in Deutschland, die riskante Aktion gegenüber dem Tagesspiegel und will seinen Rücken lieber verschonen. Anders als Aaaron Fotheringham, der eine angeborene Rückenmarkschädigung hat, verletzte sich Lebuser bei einem Unfall im Lendenwirbelbereich und ist seitdem Rollstuhlfahrer.

Auch wenn der Backflip seine Sache nicht ist, gehört er mittlerweile zu den besten Chairskatern der Welt. Beim Deutschen Rollstuhl-Sportverband e. V. (DRS) ist er Ansprechpartner für Actionsport und leitet die Skate-Tage für Kids und Erwachsene.

Große Nachfrage

„Das Extreme ist im Rollstuhl- und Behindertensport angekommen!“ heißt es im Flyer zum 1. Rollikids Skate Day, der im April 2014 unter Lebusers Leitung in Dortmund stattfindet. Die Veranstaltung ist eine von mehreren im Bereich des Actionsportes, einer Rubrik, zu der vom DRS erst kürzlich eine AG gegründet wurde.

Bisher stand Behindertensport vor allem für klassische Winter- und Sommersportarten, für Rehasport oder Breitensport. Aber die Nachfrage nach Actionsportarten ist groß und veranlasst den DRS zur Planung zahlreicher Veranstaltungen.

Einzelkämpfer

Wie auch bei anderen Actionsportarten steht beim WCMX nicht das Vereinsleben im Vordergrund, sondern die Individualität. Es geht um persönliche Herausforderungen und individuelle Fortschritte. Der noch junge Sport bietet Pionieren dabei den Raum, neue Tricks zu erfinden und ihnen Namen zu geben.

Das Hobby funktioniert allein genauso wie mit anderen; wer will, kann sich auch mit ihnen messen. Das geht allerdings bisher nur im Ausland. In den USA tragen die weltbesten ChairSkater ihr Können in einer Weltmeisterschaft aus, zu der auch David Lebuser 2014 wieder reisen will, nachdem er in den vergangenen beiden Jahren jeweils den dritten Platz belegte. Wie schon früher, soll aus der geplanten Reise, gesponsert nach dem Crowdfunding-Prinzip, ein Videotagebuch über seine Erfahrungen, Begegnungen und die Möglichkeiten des WCMX hervorgehen, diesmal mit Unterstützung erfahrener Filmer und Cutter.

In jedem Fall will Lebuser zeigen, was ihn selbst im Sommer 2008 nach seinem schweren Unfall aus einem tiefen Loch holte. Damals liefen gerade die Paralympics im Fernsehen: „Da habe ich zum ersten Mal gesehen, dass mit dem Rollstuhl auch sportliche Höchstleistungen möglich sind“ (moz, 2014).

Kleines WCMX-Lexikon

  • Halfpipe (engl. „Halbröhre“): Sportanlage aus Metall, Holz oder Beton in Form einer längs halbierten Röhre. Vorwiegend Skater nutzen die Halfpipe als Basis für artistische Aktionen.
  • Transition Die Krümmung einer Halfpipe zu beiden Seiten
  • Drop-In Der gelungene Sprung in die Halfpipe
  • Backflip Rückwärtssalto
  • Frontflip Vorwärtssalto
  • Handplant Eine Bewegung, bei der der (Chair-)Skater auf seiner Hand balanciert, nachdem er die Transition einer Halfpipe hochgefahren ist.

Termine des DRS 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.