Visionen: „Mobi“ zusatzangetriebener Falt-Rollstuhl

Der Mobi Folding Electric Wheelchair ist der Prototyp eines faltbaren Rollstuhls mit Zusatzantrieb, der sich so klein zusammenfalten lässt, dass er nicht mehr Platz braucht als ein (großer) Picknick-Korb. Er passt in jeden Kofferraum, den Schrank oder unter das Bett. Und das ohne dass auch nur eine einzige Komponente entfernt werden muss.

Bild mobi-folding-electric-wheelchair copyright Jack Martinich, 2012

Seit der Erfindung des Rollstuhls hat dieses wichtigste Hilfsmittel zur Mobilität einen langen Weg zurückgelegt. Heutige Modelle haben nicht mehr viel mit den sperrigen, kantigen und schweren Gefährten von früher zu tun: Sie sind klein, schnell, wendig und gestatten es ihren Fahren sogar sich mit ihnen in Half-Pipes zu stürzen. Wenn sie das denn wollen. Und trotzdem ist noch Luft nach oben – finden nicht nur viele Rollstuhlfahrer sondern auch junge Designer weltweit. Einer von ihnen ist Jack Martinich, Produktentwickler aus Australien, der einen faltbaren Rollstuhl mit Zusatzantrieb entwarf, der ein elegantes Äußeres mit den wichtigen funktionellen Anforderungen an Mobilität und Komfort verbindet.

Bild 1=105057221copyright Kellis, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com Bild 2=mobi-folding-electric-wheelchair copyright Jack Martinich, 2012

Was der Mobi alles kann

Der Mobi wird weder komplett manuell angetrieben, noch ist er ein reiner Elektro-Rollstuhl; er wird angetrieben durch eine Kombination der Bewegungen des Nutzers und einer Motion-Sensing Technologie. Auf diese Weise kann der Fahrer die Vorteile beider Systeme voll nutzen.

  • Der Mobi bietet die Manövrierfähigkeit eines Rollstuhls und die Reichweite eines Elektroscooters.
  • Der Faltmechanismus gestattet es, den Rollstuhl zusammenzulegen, zu verpacken und zu transportieren, ohne dass auch nur eine Komponente demontiert werden muss.
  • Die 26 –Zoll Reifen haben sehr gute Fahreigenschaften auf schwierigem Untergrund.
  • Der Mobi verfügt über eine dem Segway ähnliche Technologie, die den Rollstuhl in Balance hält, wenn er fährt. Wenn der Fahrer sich nach vorne lehnt oder den Antriebsreifen betätigt, registrieren Sensoren diese Bewegung und verstärken sie.
  • Wieder aufladbare Lithiumbatterien versorgen die Servomotoren mit Strom, die in beiden naben -und speichenlosen Rädern integriert sind. Ca. 20 Kilometer kommt man mit einer Aufladung, danach müssen die Batterien neu geladen werden.
  • Lenkräder sind keine vorhanden. Die Fahrtrichtung wird über die Oberkörperneigung bestimmt.

Darüber hinaus macht der Mobi optisch einiges her. Er ist bunt, schlank und futuristisch ohne sich dabei zu verkleiden, dass es sich bei ihm um einen Rollstuhl handelt. Laut Martinich soll das Design dazu beitragen den Rollstuhl optisch moderner, interessanter und dadurch einladender zu machen.

Für wen ist der Mobi geeignet?

Da im Gegensatz zu den Lenkrädern die Greifreifen für den manuellen Antrieb noch vorhanden sind, unterscheidet sich die Nutzung des Mobis nicht allzu sehr von der eines herkömmlichen Rollstuhls. Ein Umsteigen wäre für Langzeitrollis also keine große Umstellung.

Das Vorankommen aber wird im Mobi um ein vielfaches erleichtert – was für Querschnittgelähmte dann interessant wird, wenn evtl. mit fortschreitendem Alter die Muskelkraft oder Kondition nachlässt oder vorübergehend die Funktion der Hände ausfällt oder eingeschränkt ist, z. B. bei einem auftretenden Karpaltunnelsyndrom (siehe: Karpaltunnelsyndrom bei Querschnittlähmung) oder Schulterproblemen (siehe: Die Schulterproblematik bei Querschnittlähmung).

Der Mobi wurde mit Hinblick auf die Tendenz „alternde Gesellschaft“ entworfen. Querschnittgelähmte sind dem Alterungsprozess ebenso unterworfen wie Fußgänger, müssen zusätzlich aber mit den Komplikationen und Langzeitfolgen kämpfen, die die Lähmung einerseits und eine sitzende Lebensweise andererseits mit sich bringen können.

Auch für Querschnittgelähmte, die kurze Strecken gehen können und nur hin und wieder auf einen rollenden Untersatz angewiesen sind, wäre der Mobi eine denkbare Alternative, ebenso wie für alle Zielgruppen der Segway- und Freizeitrolli-Modelle. Wenn er denn in Produktion gehen sollte.

Derzeit (März 2020) existieren keine Pläne den Mobi als Serienprodukt auf den Markt zu bringen, doch laut Martinich häufen sich die Anfragen. „Es ist eine große Bestätigung wöchentliche Anfragen nach Bezugsquellen für den Mobi zu erhalten. Es spornt mich in meinen Bemühungen an, einen Hersteller für mein Design zu finden.“

Für mehr Informationen (in englischer Sprache) siehe:

Universaldesign.com