Verhinderungspflege

Wenn ein pflegender Angehöriger „verhindert“ ist, weil er z. B. Urlaub macht, greift die Verhinderungspflege. Bis zu sechs Wochen im Jahr zahlt die Pflegeversicherung die Kosten für eine Person oder auch einen professionellen Anbieter, der in dieser Zeit ersatzweise die Pflege übernimmt.  

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Pflegende Angehörige sollten/dürfen sich mal eine Pause gönnen – nur für sich.

Pflegebedürftige haben einen Anspruch auf Verhinderungspflege, wenn der pflegende Angehörige krank ist, Urlaub macht oder andere Gründe ihn für eine gewisse Zeitspanne daran hindern, sich um den Pflegebedürftigen zu kümmern.

Wer in dieser Zeit einen professionellen Pflegedienst, eine erwerbsmäßig tätige Person, Verwandte oder Nachbarn mit der Ersatzpflege beauftragt, kann bis zu 1.612 Euro pro Jahr dafür in Anspruch nehmen. Gewährt werden die Mittel für die „Urlaubsvertretung“ für maximal 6 Wochen, bzw. 42 Tage. Diese können komplett am Stück oder auch in Teilabschnitten von Tagen, Wochen oder auch nur Stunden eingesetzt werden.

Voraussetzungen:

  • Der Antragsteller hat Pflegegrad 2 bis 5
  • Die „verhinderte“ Person pflegt den Betroffenen seit mindestens sechs Monaten in dessen häuslichem Umfeld

Erstattet werden nur die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege.

Nahe Angehörige oder Mitbewohner

Übernehmen nahe Angehörige oder Menschen, die mit dem Pflegebedürftigen in einem Haushalt leben, kurzeitig und vor allem nicht erwerbsmäßig dessen Betreuung, gelten eigene Regeln: Hier darf die Pflegekasse nur bis zum maximal 1,5-fachen Betrag des Pflegegeldes belastet werden. Kann die Ersatz-Pflegeperson notwendige Aufwendungen (Verdienstausfall, Fahrtkosten o.ä.) nachweisen, kann die Leistung jedoch aufgestockt werden. Allerdings nicht unbegrenzt, da ja insgesamt pro Kalenderjahr nur maximal 1.612 Euro für Verhinderungspflege zur Verfügung gestellt werden.

Gut zu wissen: Während der Verhinderungspflege wird die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes weitergezahlt.

Kombination mit Kurzzeitpflege

Wer sein Kontingent für Kurzzeitpflege nicht gänzlich braucht, kann bis zu 806 Euro aus diesem Topf für die Verhinderungspflege nutzen – womit in diesem Fall sogar bis zu 2.418 Euro pro Kalenderjahr zur Verfügung stehen.

Rentenansprüche

Die Pflegeversicherung zahlt pflegenden Angehörige unter bestimmten Voraussetzungen Beiträge zur Rentenversicherung. Damit soll honoriert werden, dass Menschen für die Pflege von Familienangehörigen beruflich oft zurückstecken, manchmal sogar ihre Erwerbstätigkeit ganz aufgeben.

Dieser Umstand wird auch bei der Verhinderungspflege berücksichtigt. Geht der pflegende Angehörige z.B. in Urlaub, zahlt die Pflegekasse die die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge weiter.

Für weiterführende Informationen siehe auch Neun Rechte und ein Tipp, die pflegende Angehörige kennen sollten