Antiseptische Lösungen zur Katheterisierung auf Rezept

Personen, die ihre Blase mittels Intermittierendem Katheterismus (IK) entleeren, verbrauchen mehrmals täglich antiseptische Lösungen zur Desinfektion von Händen und Schleimhäuten. Dass sie diese Antiseptika nicht selbst bezahlen müssen, ist nicht sonderlich bekannt.

 

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Viele Menschen, die sich regelmäßig selbst katheterisieren oder dazu Hilfe in Anspruch nehmen (Fremdkatheterismus), lassen sich zwar die Katheter vom Arzt verschreiben, nicht aber das benötigte Zusatzmaterial. In dieser Frage kann es leicht zu Missverständnissen kommen, weil antiseptische Lösungen in der Regel tatsächlich nicht verschreibungspflichtig bzw. -fähig sind. Die besondere Situation von Menschen, die auf die Technik des Katheterisierens angewiesen sind, wurde vom Gesetz jedoch berücksichtigt.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Der Intermittierende Katheterismus gilt als Mittel der ersten Wahl zur Harnblasenentleerung bei Neurogener Dysfunktion des unteren Harntrakts, auch als neurogene Blasenfunktionsstörungen bekannt, und kann nur unter Gebrauch von Antiseptika medizinisch sachgerecht durchgeführt werden. In besonderen Fällen kann auch der Einsatz eines Gleitmittels notwendig sein, um das Einführen eines Katheters reibungsarm zu gewährleisten und Verletzungen der Harnröhre vorzubeugen. Da beim IK beides bis zu sechs Mal am Tag zum Einsatz kommen kann, hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Krankenversicherungen (G-BA) bereits vor Jahren eine Ausnahme von der Arzneimittelrichtlinie formuliert. Darin heißt es:

„Die Vorschriften in § 12 Abs. 1 bis 10 der Richtlinie (Passage über apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel; Anm. d. Red.) in Verbindung mit dieser Anlage regeln abschließend, unter welchen Voraussetzungen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig sind. (…) Schwerwiegende Erkrankungen und Standardtherapeutika zu deren Behandlung sind:

 … Antiseptika und Gleitmittel nur für Patienten mit Katheterisierung.“ (G-BA, 2018)

OTC-Präparate

Diese Ausnahmeregelung wird auch als „OTC-Übersicht“ bezeichnet. Die Abkürzung OTC kommt aus dem Englischen und betrifft Medikamente, die es nur in der Apotheke gibt (over the counter = über den Tresen), die aber nicht verschreibungsfähig sind. Da sie nicht verordnet werden müssen oder können, werden sie auch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

In der OCT-Übersicht sind Therapeutika gelistet, die in Zusammenhang mit einer Erkrankung eine Ausnahme von der Regel darstellen und mit entsprechender Begründung doch verschrieben werden können. Antiseptika, wie z. B. Octensisept, die zum aseptischen Kathetern benötigt werden, gehören dazu und können vom Arzt zu diesem Zweck auf Rezept verordnet und von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.

Die OTC-Übersicht beschäftigt sich nicht nur mit Personen, die katheterisieren, sondern mit zahlreichen chronischen Erkrankungen oder Handicaps, die eine dauerhafte Behandlung und entsprechende Präparate notwendig machen.  Zur Behandlung schwerwiegender Erkrankungen können Ärzte auf dieser Grundlage verschiedene  Verordnungen begründet ausstellen.

Für nähere Details siehe (externer Link): OTC-Übersicht