Bewegungstherapie mit dem HAL Exoskelett

Am Zentrum für Neurorobotales Bewegungstraining (ZNB) in Bochum können Querschnittgelähmte an einem Langzeittraining mit dem Exoskelett HAL teilnehmen. Betroffene sollen aus dieser Bewegungstherapie verschiedene Vorteile ziehen können: Im Idealfall das Wiedererlangen der Gehfähigkeit.

Bild copyright ZNB, 2012 Downlaod aus dem Pressebereich des Klinikums Bergmannsheil unter: http://www.bergmannsheil.de/uploads/media/Neurorobotales_Bewegungstraining_mit_HAL.jpg

https://www.cyberdyne.jp/english/products/LowerLimb_medical.htmlDem ZNB – Teil des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil – steht das HAL-System (Hybrid Assistive Limb) der japanischen Firma Cyberdyne Inc. zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein Exoskelett (siehe: Über Funktion und Nutzen von Exoskelette für Menschen mit Querschnittlähmung), das die Bewegung von Gliedmaßen effizient unterstützt und verstärkt. Gehbehinderten Menschen kann die Bewegungstherapie mit dem Geh-Roboter langfristig zu einer deutlichen Steigerung ihrer Mobilität verhelfen.

Wer kann teilnehmen?

Das Training mit dem HAL ist besonders für inkomplett Querschnittgelähmte mit vorhandener Armkraft und Restimpulsen in den unteren Extremitäten sowie für Schlaganfall- und MS-Patienten geeignet. In einer klinischen Voruntersuchung wird jeweils geprüft, ob die Therapie im Einzelfall in Frage kommt.

Wie funktioniert das Training mit dem HAL?

Der Nutzer ist mit dem 14 kg schweren HAL mit Sensoren verkabelt. Von der Hautoberfläche nehmen diese Sensoren Nervenimpulse auf, der HAL analysiert und verstärkt sie und setzt damit sich und den Nutzer in Bewegung. Es handelt sich dabei um eine vom Nutzer willentlich gelenkte, kontrollierte Bewegung, d. h. das Gehirn schickt Impulse zu den Beinen und der HAL führt die Schritte aus, die wegen zu geringer Nervenreize und/oder zu schwachen Muskeln nicht selbst getan werden können. Mit dieser Technologie kann der Nutzer unter Anleitung individuell und optimal unterstützt trainieren und sich dadurch die Chance auf eine größere Selbständigkeit eröffnen: Im Idealfall das eigenständige Gehen ohne HAL.

Mit einem individuell angepassten Exoskelett trainiert der Nutzer in der Regel täglich über einen Zeitraum von drei Monaten.

Zu Beginn jedes Trainings wird ein medizinischer Check-up mit Blutdruck- und Pulsmessung durchgeführt; zur Dokumentation der erzielten Fortschritte macht der Nutzer einen Gehtest, bei dem die für eine bestimmte Strecke benötigte Zeit und die Anzahl der zurückgelegten Schritte festgehalten werden. Dann findet das eigentliche Training im HAL auf einem Laufband statt. Im weiteren Therapieverlauf übt der Nutzer das aktive Bewegen der Beine beim freien Gehen sowie bei der Überwindung kleiner Hindernisse.

Erfolge

„Sich selbst wieder gehen zu sehen, das ist schon sehr ergreifend“, sagt Philippe von Glisczynsk,  der nach einem Unfall  ab Th12 inkomplett querschnittgelähmt ist – stark eingeschränkte Sensibilität in beiden Beinen ist gegeben – und drei Jahre im Rollstuhl saß. Seit Trainingsbeginn  mit dem HAL hat sich seine Gehfähigkeit erheblich verbessert; heute läuft von Glisczynsk an einem Rollator (ohne HAL) weit über 1.000 Meter.

Exoskeletales Bewegungstraining in Bochum

Für Patienten, die in der BG Klinik Bergmannsheil behandelt werden gilt: „Die klinische Erfahrung mit Exo­skeletten zeigt, dass das Training bei inkomplett gelähmten Menschen erfolgreich in das Gehtraining integriert werden kann. Auch für komplett gelähmte Patienten kann man durch ein regelmäßiges Training durchaus Vorteile beobachten, etwa im Hinblick auf die Ausprägung der Spastik, die vegetative Regulation und den Kreislauf.  Exo­skelette sind deshalb fester Therapie­bestandteil in den Querschnitt­zentren der BG Kliniken. Uns wurde von den Unfall­versicherungs­trägern bei der Entscheidungs­findung zur Verordnung von exo­skelettalem Training eine wesentliche Steuerungs­funktion zugewiesen.“

Kontakt unter BG Klinik Bergmannsheil Bochum