Sprachsteuerung für Fahrer mit Körperbehinderung

„Blinker links.“ „Scheibenwischer an.“ „Fernlicht aus.“ Diese Funktionen können Autofahrer mit Mobilitätseinschränkung nun mit Hilfe einer Sprachtechnologie, d. h. über das gesprochene Wort, lenken. Diese Steuerungsvariante ist neu in Serie und könnte in Zukunft als Standardlösung für Sekundärfunktionen dienen; die ersten barrierefreien Fahrzeuge mit Sprachsteuerung sind bereits verkauft.

Bilc 106_5_Joysteer-3 und Sprachcomputer copyright EML und Zawatzky Automobile, 2014 Pressedownload

Für Menschen mit einer körperlichen Behinderung ist es dank der heutigen Technik problemlos möglich, ein Auto selbstständig zu steuern. Mechatronische Systeme ermöglichen das Lenken, Gasgeben oder Bremsen. Wer jedoch den Blinker setzen oder die Klimaanlage einstellen will, musste bisher je nach Art der Behinderung auf individuelle und dadurch kostenintensive Zusatzanfertigungen zurückgreifen. Für solche sogenannten Sekundär- und Komfortfunktionen erweist sich die Sprache als praktisches Steuerungsinstrument. Ein entsprechendes System wurde von der European Media Laboratory GmbH (EML) und der Mobilcenter Zawatzky GmbH entwickelt und geht nun in Serie.

Was die Spracherkennung kann

Während die Primärfunktionen (z. B. die Lenkung) weiterhin mit einem Joystick (Joysteer) ausgeführt werden, können Fahrer die Sekundärfunktionen (z. B. Hupen, Blinken oder die Steuerung des Fernlichts) nun über die Sprache, d. h. gesprochene Befehle, ausführen. Die Spracherkennungshardware ist wie ein Smartphone an der Steuerkonsole angebracht; die Erkennung ist laut Herstellerangaben auch in Situationen mit hohem Geräuschpegel gewährleistet. Angeboten wird das System für mehrere Fahrzeugtypen und es wurden auch schon einige Wagen mit der Zusatzfunktion verkauft. Bei einem Test zeigte sich Oliver Fleiner vom Verein „behindert-barrierefrei“ begeistert: „Die Spracherkennung funktioniert wirklich super, das imponiert mir sehr.“

Künftig mehr Komfortfunktionen

In der nächsten Version soll das Spracherkennungssystem dem Fahrer noch mehr Komfort bieten: Das EML-Team arbeitet daran, die Sprachsteuerung über das Internet zu realisieren. Damit werden auch Komfortfunktionen wie Navigationssysteme, Wetterberichtsabfragen oder das Diktieren von Kurznachrichten möglich. Ein erster Prototyp der Sprachsteuerung inklusive der Komfortfunktionen wurde bereits Ende 2013 im Rahmen des Jahrestreffens der „European Mobility Group“ präsentiert.

Das Projekt; die Kooperationspartner

Das Projekt wurde im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. ZIM ist ein bundesweites, technologie- und branchenoffenes Förderprogramm für mittelständische Unternehmen und wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen. Der Meckesheimer Fahrzeugumrüster Zawatzky besitzt langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Fahrzeuganpassungen für Menschen mit Behinderung. Das Heidelberger IT-Unternehmen EML verfügt über eine hohe Expertise auf dem Gebiet der Mensch-Technik-Interaktion und Sprachtechnologie.

Kontakt:

EML European Media Laboratory GmbH

Berliner Str. 45, Mathematikon

69120 Heidelberg

Tel.: +49 -6221 / 533 323

E-Mail: anja.varga@eml.org

www.eml.org

MobilcenterZawatzky GmbH

Bemannsbruch 2-4

74909 Meckesheim

Tel.: +49-6226 / 92 17 – 0

Email: info@zawatzky.de

www.zawatzky.de

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