Das barrierefreie Wohnmobil

Mit einer Reise quer durchs grenzenlose Europa, entlang der Route 66 in den USA oder im unerschlossenen Outback Australiens, erfüllt sich für Viele der Traum von Freiheit. Wenn allerdings Barrierefreiheit bei der Realisierung dieses Traums eine Rolle spielt, werden Planung und Umsetzung schon schwieriger. Einfacher wird der Road Trip im barrierefreien Wohnmobil.

Wenn man als Rollstuhlfahrer im Wohnmobil unterwegs ist, kann man sicher sein, dass es keine Rolle spielt, wenn man während der Reise oder am Reiseziel selbst auf Bedingungen trifft, die nicht 100% Rolli-gerecht sind. Denn alles was man braucht, hat man ja an Bord! Dadurch kann man mit mehr Spontanität und ohne großes Planen und Sorgen unterwegs sein. Man kann fahren wann man will, wohin man will. Ein Wohnmobil bedeutet also beides: Luxus und Freiheit; Sicherheit und Abenteuer. Wohin auch immer die Straße führt – Barrierefreiheit ist garantiert.

Anpassung an individuelle Bedürfnisse

Im Wohnmobil gilt: Alles was in Haus oder Wohnung für einen Rollstuhlfahrer in puncto Umfeldanpassung notwendig oder von Vorteil sein kann, ist auch im Wohnraum des Reisemobils notwendig oder von Vorteil. An allererster Stelle steht natürlich der rollstuhlgerechte Zugang via Rampe oder Hebevorrichtung – am zweitwichtigsten ist die befahrbare Nasszelle (Dusche und Toilette) mit entsprechenden Transfermöglichkeiten. Das Anpassen des Wohnraums erfolgt in allen Aspekten gemäß den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben des Nutzers. Weitere Grundlagen sind:

  • Breite Türen (ca. 90 cm), breiter befahrbarer Innenraum
  • Anpassung von Fahrraum, Fahrersitz und Fahrzeugsteuerung
  • Transferhilfen, z. B. Deckenliftsysteme
  • Vorzugsweise elektronische Umfeldsteuerung

Der Einstieg ins barrierefreie Wohnmobil: Rampe oder Lift?

Bei der Befahrbarkeit des barrierefreien Wohnmobils stellt sich die Frage, was besser ist. Eine Rampe oder ein Lift bzw. eine Hebebühne? Beide Systeme können ferngelenkt werden und bieten eigene Vorteile.

  • Rampen sind
    • Schnell ausgeklappt
    • Wenig anfällig für Schäden
    • Kostengünstig
  • Lifts – zur Auswahl stehen Linear-, Kassetten- oder Schwenklifte – sind
    • Teurer als Rampen
    • Auch für schwere Elektrorollstühle geeignet
    • Ohne Kraftaufwand befahrbar

Die Fahrerkabine im barrierefreien Wohnmobil

Prinzipiell ist bei der Anpassung der Fahrersituation im barrierefreien Wohnmobil alles möglich, was beim behindertengerechten PKW-Umbau auch machbar ist (siehe: Was im Fahrzeugumbau alles möglich ist). Dies beinhaltet z.B.:

  • Automatikgetriebe
  • Brems- und Gassysteme wie: Handgas, Handbremssystem (je nach Modell mit drehbarem Knauf, zum Vorziehen und Zurückschieben oder als Oben-Unten-Funktion) Pedale mit Verlängerung und/oder Untergleitschutz bei bedingter Beinfunktion
  • Lenkhilfen, wie Drehknauf, Lenkgabel, Dreizack, Lenkung mit Joystick oder elektronische Lenksysteme inkl. den neuen Systemen zur Sprachsteuerung (siehe: Sprachsteuerung für Fahrer mit Körperbehinderung)
  • Einstiegshilfen: Hier kommen meist Rampen oder Rollstuhlhebebühnen zum Einsatz, da ein Einsteigen über die Fahrer- bzw. Beifahrertüren nicht notwendig ist.
  • Beim Transfer vom Rollstuhl auf den Fahrersitz, können dann wieder die gängigen Möglichkeiten (Rutschbretter, Schwenksitze, etc.) angewendet werden. Am günstigsten ist es, wenn sowohl Fahrer- als auch Beifahrersitz in Schwingsitzsausführung sind.
  • Auch ein Fahren im eigenen Rollstuhl – wobei der Rollstuhl mit entsprechenden Adapterklemmen am Boden befestigt wird – ist im Wohnmobil möglich. Dies allerdings schließt aus, dass sich hin und wieder auch mal ein Fußgänger hinters Steuer klemmen kann.
  • Rollstuhlrückhaltesystem mit Bodenbefestigung und Spanngurten
  • Es ist zu bedenken, dass in einem Wohnmobil deutlich längere Strecken zurückgelegt werden, als im PKW; schließlich ist es fürs Reisen gedacht. Daher sollte bei der Wahl der Sitze auf ein Maximum an Komfort geachtet werden. Ergonomische und orthopädische Autositze sind vor allem hier eine Überlegung wert.

Innenausbauten im barrierefreien Wohnmobil

Auch beim Innenausbau im barrierefreien Wohnmobil gilt: Was die Einrichtung in Wohnungen und Häuser barrierefrei macht, erfüllt diese Aufgabe auch hier.

  • Unterfahrbare Tische und die Küchenzeile
  • Schalter und Bedienelemente in erreichbarer Höhe
  • Systeme zur automatischen Umfeldsteuerung
  • Ein- und ausklappbare Möbel (Betten, Sitzbänke und Tische)
  • Schiebetüre
  • Bett mit ausreichend Platz für Transfers oder ggf. mit Transferhilfen wie Deckenhebevorrichtungen
  • Barrierefreie Nasszelle mit entsprechend geeignetem Fußbodenbelag

Dusche und Toilette im barrierefreien Wohnmobil

Auf Reisen das eigene Badezimmer dabei zu haben, bietet mehrere Vorteile: Zum einen weiß man immer, wo die nächste behindertengerechte Toilette ist, zum anderen stellt sich die Frage nach der Hygiene nicht. Im eigenen Bad hat man diese selbst unter Kontrolle. Und dass die Dusche barrierefrei zugänglich ist, versteht sich auch von selbst. Was die Nasszelle sein sollte:

  • Ebenerdig mit Ablaufneigung
  • Befahrbar mit Duschrollstuhl oder
  • Mit Ausklappbarem Duschsitz
  • Transferhilfen (Haltegriffen, Stangen, etc.)
  • Waschbecken unterfahrbar und hochklapp- bzw. ausziehbar
  • Kippspiegel oder zwei Spiegel in unterschiedlichen Höhen angebracht
  • Flexible Armaturen

Nice to have

Wohnmobile kommen mit verschiedenen niedlichen Spielereien, von denen hier nur einige beispielhaft genannt werden:

  • Fahrradträger für Handbikes
  • Robuster Bodenbelag, geeignet für das Befahren mit Rollstühlen
  • Automatisch ausfahrbare Markise
  • Strom- oder Gasanschluss im Außenbereich für Grill, etc.
  • Zusätzliche Dusche im Außenbereich für ein einzigartiges Wildnis-Feeling

Viele Hersteller von Wohnmobilen bieten rollstuhlgerechte Varianten bereits ab Werk. Der Umbau eines gewöhnlichen Wohnmobils ist allerdings ebenso gut möglich. Wer auf den Preis achten muss, ist vielleicht besser mit einem gebrauchten Wohnmobil bedient, das dann angepasst wird, als mit einem rollstuhlgerechten Neuwagen.

Ein paar Anwenderbeispiele gibt es (in englischer Sprache) hier:

 

Anbieter: In Deutschland werden rollstuhlgerechte Wohnmobile z. B. von HRZ Reisemobile angeboten.

 

Siehe auch: Rollstuhlgerechte Wohnmobile mieten

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