Der Cybathlon – Bionische Spiele

Schneller, weiter, höher, besser – dies ist das Motto von Menschen, die sich gerne im sportlichen Wettkampf mit anderen messen. Es geht um Siege und um Medaillen, aber auch um das Miteinander im Team und um das Dabeisein. Und nicht einmal eine komplette Querschnittlähmung ab C1 ist noch eine Grund sich da rauszuhalten.   

 

Bild 74128769 copyright Sarah-Holmlund, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Wettkampf für Sportler mit robotischen Hilfsmitteln und Assistenzsystemen

Schon bald, im Oktober 2016, wird in Zürich der ersten Cybathlon ausgetragen werden, bei dem Sportlerinnen und Sportler mit einer Behinderung gegeneinander antreten. Was zunächst nach nichts Neuem klingt – die Paralympics sind schließlich im Bewusstsein von Publikum und Sportverbänden angekommen – folgt unter der Organisation und Leitung der Eidgenössischen Technische Hochschule Zürich (ETHZ) als „Bionische Spiele“ einer innovativen und technikorientierten Ausrichtung. Die Teilnehmer an dem Wettkampf werden nämlich durch neuste Entwicklungen in der Robotertechnik unterstützt, deren Bedienung ein wesentlicher Teil der zu erbringenden sportlichen Leistung sein wird. Bisher war dies aufgrund der restriktiven Regeln gegenüber dem Einsatz von Technik im internationalen Sport nicht möglich.

Robotertechnik zugänglich machen

Die Idee einen internationalen Wettkampf für Nutzer von z. B. Elektrorollstühlen, Exoskeletten oder bionischen Armprothesen zu schaffen, stammt von Robert Riener, Professor für sensomotorische Systeme an der ETH Zürich.

Das Hauptziel des Cybathlon ist es, laut Riener, eine Plattform zu schaffen, auf der gezeigt werden kann, welchen Stellenwert die neuentwickelten robotertechnischen Hilfsmittel bei Rehabilitation und Integration von z. B. hochgradig Querschnittgelähmten einnehmen. Denn konventionelle Hilfsmittel, wie manuelle Rollstühle und passive Prothesen oder Orthesen genügen Menschen mit schweren Behinderungen nicht – weder um den Alltag optimal zu meistern noch um sich mit anderen Athleten in einem internationalen Wettkampf zu messen.

Mit dem Cybathlon möchten die Organisatoren von der ETH Zürich nun erreichen, dass sich die Forschungslabore und Firmen Gedanken machen, wie die verschiedenen technischen Hilfsmittel nicht nur leistungsfähiger, sondern auch alltagstauglicher gemacht werden können. Zudem soll eine gegenseitige Zugänglichkeit zwischen der Öffentlichkeit, Nutzern von robotischen Hilfsmitteln und der entwickelnden Forschung geschaffen werden. Zuschauer sollen über Herausforderungen für Menschen mit Handicap aber auch über technische Möglichkeiten informiert werden, die Dysfunktionen ausgleichen. Außerdem, so Riener, soll mit dem Cybathlon als Plattform die Zusammenarbeit zwischen Forschenden in der Industrie und an den Hochschulen vertieft werden.

Die Disziplinen

Die Teams, bestehend aus einem oder mehreren Piloten und einem Vertreter des Technologieentwicklers, treten in einer der sechs genannten Disziplinen gegen ihre Kontrahenten an.

  • Power-Prothesenrennen
    Piloten mit einer Beinamputation verwenden eine aktuierte Beinprothese und absolvieren so einen Parcours mit Hindernissen aus dem täglichen Leben.
  • Geschicklichkeitsparcours mit Armprothesen
    Athleten mit einer Oberarmamputation verwenden eine aktuierte Armprothese, um damit alltagsrelevante ein- und zweihändige Bewegungsaufgaben schnellstmöglich zu absolvieren.
  • Hindernisparcours für Exoskelette
    Piloten mit einer Querschnittlähmung absolvieren einen Hindernisparcours mittels eines motorisierten Exoskeletts.
  • Hindernisparcours für Elektro-Rollstühle
    E-Rollstuhlnutzer steuern einen motorisierten Rollstuhl über einen vorgegebenen Kurs mit alltäglichen Hindernissen wie Stufen und Rampen.
  • Autorrennen für Nutzer von Hirn-Computer-Schnittstellen
    Hochgradig gelähmte Piloten steuern Kraft ihrer Gedanken einen Avatar mittels einer Hirn-Computer-Schnittstelle (Brain Computer Interface, BCI) entlang eines computeranimierten Rennparcours.
  • Radrennen mit elektrischer Muskelstimulation
    Piloten mit einer kompletten Querschnittlähmung können mittels elektrisch stimulierter Muskeln ein Radrennen absolvieren. Jede Disziplin hat seinen eigenen Parcours mit Hindernissen und Aufgaben, die speziell darauf ausgerichtet sind, das optimale Zusammenspiel zwischen den Piloten und ihren technischen Hilfsmitteln unter realistischen Umweltbedingungen zu testen.

Der Cybathlon: Wann und Wo?

Der Wettkampf findet erstmalig im Oktober 2016 in Zürich, Schweiz statt.

Wer kann am Cybathlon teilnehmen?

Der Cybathlon ist ein Wettkampf für Teams, die aus einem „Piloten“ und den Entwicklern der verwendeten robotergestützten Technik bzw. Assistenzsystemen bestehen. Hauptzielgruppe sind Menschen mit schwerem Handicap, deren motorische Fähigkeiten nicht ausreichen, um sich ohne moderne Hilfsmittel mit anderen im Wettkampf zu messen. Zugelassen werden jegliche robotischen Assistenzsysteme; die wesentliche Voraussetzung zur Teilnahme besteht darin, dass die Systeme von ihren Trägern kontrolliert werden müssen, und über eine eigene Stromversorgung, ohne Verbindung an eine zentrale Einheit, verfügen.

Für weitere Informationen (in englischer Sprache) und Anmeldebedingungen siehe:

Der Cybathlon 2016

Cybathlon für Piloten und Entwickler Teams

 

 

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