Schokolade macht glücklich und hilft bei Stress

Gute Schokolade wirkt wie eine Droge. Sie schmilzt im Mund, schmiegt sich wie ein Geliebter an Zunge und Gaumen, und bringt unsere Geschmacksknospen dazu niederzuknien und ewige Treue zu schwören. Verantwortlich dafür sind neben Fett und Zucker, die gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffe des Kakaos.

 

Bild_132733886 copyright juliasv, 2013 Mit Genehmigung von Shutterstock.com

Als Vertreter der menschlichen Spezies vor Jahrtausenden als Jäger und Sammler durch die sommerliche Tundra marschierten, waren sie darauf angewiesen, genügend Nahrung zu finden um körpereigene (Fett-) Reserven anlegen zu können, die sie durch den harten Winter bringen würden. Hochkalorische Lebensmittel waren also der Schlüssel zum Überleben, und als ob das noch nicht Anreiz genug gewesen wäre, die Strapazen, diese zu finden, auch auf sich zu nehmen, bediente sich Mutter Natur eines Tricks: Zucker, Fett – und vor allem die Kombination aus beidem – aktiviert beim Verzehr das Belohnungssystem im Gehirn, d. h. macht glücklich. Und Schokolade enthält reichlich davon.  Zudem wartet die beliebteste aller Süßigkeiten daneben aber auch noch mit einer dritten Zutat auf, die Glückshormone freisetzen und Stress reduzieren kann. Die Rede ist natürlich von Kakao.

Die glücklich machenden Inhaltsstoffe des Kakaos

Kakao enthält neben einem hohen Fettanteil beträchtliche Mengen an Mikronährstoffen wie Magnesium, Kalium, Chrom, Eisen und Vitamin E. Zudem verfügt er über (schätzungsweise ca. 500 verschiedene) wertvolle Inhaltsstoffe, u. a. Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe (Radikalfänger), die den Körper vor Schäden durch freie Radikale schützen und denen eine lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben wird. Die Wichtigsten sind:

  • Anandamid (Neurotransmitter); u. a. verantwortlich für die Fähigkeit Glück zu empfinden
  • Arginin (Aminosäure);  fördert den Blutfluss und auch die Durchblutung der Geschlechtsorgane Dopamin (Neurotransmitter); hat eine anregende und stimmungsaufhellende Wirkung,
  • Epicatechin (Antioxidans)
  • Ergosterol (Vorläufer von Vitamin D)
  • Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), hemmen Stresshormone
  • Koffein (Alkaloid); hat eine anregende und stimmungsaufhellende Wirkung
  • OPC (Antioxidans)
  • Phenethylamin (Neurotransmitter), soll gegen Depression (und Liebeskummer) helfen; es wird allerdings vermutet, dass das in Schokolade enthaltene Phenylethylamin die ihm zugesprochene Wirkung nicht entfalten kann, da es im Gegensatz zu den anderen enthaltenen Neurotransmittern, im Körper zu schnell abgebaut wird.
  • Polyphenol (Antioxidans)
  • Resveratrol(Antioxidans)
  • Serotonin (Neurotransmitter) – und dessen Vorstufe Tryptophan –,  schützen vor den negativen Auswirkung von Stress und hat eine anregende und stimmungsaufhellende Wirkung
  • Sitosterol (Phytosterin); senkt den LDL Cholesterinwert sowie dessen Oxidationsrate (entscheidend bei der Arterienverhärtung)
  • Theobromin (Alkaloid); hat eine anregende und stimmungsaufhellende Wirkung
  • Theophyllin (Purinalkaloid); wirkt stimulierend auf den Kreislauf und das zentrale Nervensystem (ZNS) und kann eine harntreibende Wirkung haben

Für viele ist es nichts Neues: wenn man Stress bei der Arbeit oder mit dem Partner hatte, greift man zu einem Stück Schokolade – und die Welt sieht gleich wieder freundlicher aus. Lange war unklar was hinter diesem Phänomen steckt – die Vermutung, dass es sich um einen Placebo-Effekt handelt, lag nahe – doch Forschungsergebnisse bestätigen immer wieder, dass die Inhaltstoffe der Schokolade tatsächlich die Stimmung beeinflussen können.

Neue Studie: Dunkle Schokolade hilft gegen Stress

Forscher der Universitäten Bern und Zürich und des Inselspitals Bern haben herausgefunden, dass der Konsum von einer halben Tafel dunkle Schokolade, d. h. mit einem hohen Kakaoanteil, vor einer Stresssituation, z. B.  einem öffentlichen Auftritt, den Stresspegel des Körpers senkt. Der vermutete Grund: Kakaobestandteile hemmen Stresshormone.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den Industrieländern die häufigste Todesursache. Kurzer, heftiger Stress kann einen akuten Herzinfarkt auslösen. Bereits bekannt ist, dass der Konsum dunkler Schokolade vor Herzerkrankungen schützt aufgrund bestimmter Kakaobestandteile, der Kakao-Flavonoide. Warum das so ist, ist erst teilweise erforscht. Nun hat eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Petra H. Wirtz vom Institut für Psychologie der Universität Bern erstmals beim Menschen eine entsprechende Untersuchung durchgeführt.

Das Experiment: Getürkte Schokolade, fingiertes Vorstellungsgespräch

In einer Placebo-kontrollierten Studie aß die eine Hälfte der Probanden – gesunde Männer zwischen 20 und 50 – eine halbe Tafel schwarzer Schokolade mit hohem Flavonoid-Gehalt. Die andere Hälfte erhielt eine Placebo-Schokolade ohne Flavonoide. Nach zwei Stunden wurden die Versuchsteilnehmer einem standardisierten Stresstest unterzogen: ein fingiertes Vorstellungsgespräch mit freier Rede und Kopfrechnen vor einem Gremium von zwei Prüfenden in weißem Kittel. Dieser zehnminütige Test löst zuverlässig eine akute körperliche Stressreaktion mit Ausschüttung von Stresshormonen aus.

Flavonoide vs. Stresshormone

Vor dem Stresstest und bis zu einer Stunde danach wurden wiederholt Stresshormone gemessen, die von der Nebenniere sowie vorwiegend in zentralen Teilen des Körpers wie dem Gehirn freigesetzt werden. Gemessen wurden ferner der Flavonoid-Spiegel im Blut und die persönliche Einschätzung des Stress-Ausmaßes durch die Probanden. Resultat: Wer echte dunkle Schokolade gegessen hatte, wies einen schwächeren Anstieg der Nebennieren-Stresshormone Kortisol und Adrenalin aus als die Placebo-Gruppe. Je höher die Flavonoid-Spiegel im Blut, desto geringer war der Stresshormonanstieg. Bei den anderen Stresshormonen und der psychologischen Stressbewertung zeigten sich hingegen keine Unterschiede zwischen den beiden Testgruppen.

„Wir vermuten, dass schwarze Schokolade aufgrund der darin enthaltenen Flavonoide auf Ebene der Nebennieren vor der körperlichen Reaktion auf Stress schützt, indem sie die Stresshormonfreisetzung reduziert“, folgert Petra Wirtz. Die Forschenden erhoffen sich von diesen Erkenntnissen ein besseres Verständnis der schützenden Effekte von Kakao-Flavonoiden auf das Herzkreislaufsystem sowie neue Ansatzpunkte für die Prävention von Herzkreislauferkrankungen bei Personen mit erhöhtem Risiko und bei Gesunden.

Diese Studie wurde erstmal im April 2014 in der renommierten kardiologischen Fachzeitschrift «Journal of the American College of Cardiology (JACC)» publiziert.

Ohhh, Kalorien…

Ein Hinweis für Kalorienbewusste: Die beste Auswirkung auf die Psyche hat dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil (mind. 70%). Und während diese beim Schmelzen des ersten Stückchens auf der Zunge noch ein Feuerwerk veranstaltet, melden schon beim dritten oder vierten Stückchen die im Kakao enthaltenen Bitterstoffe dem Gehirn, dass man genug hat. Zudem hält dunkle Schokolade den Insulinspiegel konstant, da sie vergleichsweise wenig Zucker dafür aber viel Fett enthält.

Dabei unterscheiden sich Zartbitterschokolade (hoher Kakaoanteil) und Milchschokolade (geringerer Kakaoanteil) hinsichtlich ihrer Kalorienzahl nicht all zu sehr.  100 g dunkler Schokolade enthalten ca. 490 kcal, 100 g hellerer Schokolade enthalten ca. 535 kcal. Allerdings muss man ja nicht unbedingt Schokolade essen, um in den Genuss der glücklich machenden Inhaltsstoffe zu kommen. Man kann Schokolade auch trinken; zubereitet mit fettarmer Milch – oder noch besser Wasser und einer Prise Vanille – und Stevia hat sie kaum Auswirkungen auf die Kalorienbilanz.

Bei Kakao unterscheidet man schwach entölte und stark entölte Sorten. Sie unterscheiden sich schon deutlicher in Fett- und Kaloriengehalt und auch hinsichtlich der enthaltenden Mikronährstoffe gibt es Abweichungen; alles zu Gunsten der stark entölten Variante.

Nährwerte pro 100 g Schwach entölter Kakao Stark entölter Kakao
Energie 340 kcal 253 kcal
Eiweiß 20 g 23 g
Fett 24 g 12 g
Kohlenhydrate 11 g 12,6 g
Ballaststoffe 30 g 38,1
Wasser 5 g 6 g
Cholesterin
Natrium 17 mg 19 mg
Kalium 1920 mg 2238 mg
Calcium 114 mg 133 mg
Phosphor 656 mg 765 mg
Magnesium 414 mg 483 mg
Eisen 12 mg 14,5 mg

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