Roboter-Greifarm Jaco für Tetraplegiker

Der Jaco Roboter-Greifarm der kanadischen Firma Kinova ist ein Roboterarm, für Menschen mit eingeschränkter Mobilität der oberen Extremitäten. Seit kurzem ist er nun auch in Deutschland zu beziehen und wurde mit dem Innovationspreis der Deutschen Stiftung für Querschnittlähmung (DSQ) ausgezeichnet.

 

JACO REhab gross

Robot Jaco ist ein Greifarm mit drei Fingern, der Personen mit verminderter oder nicht vorhandener Handfunktion ermöglicht, Alltagsaktivitäten souverän zu meistern.

Der Jaco Roboter-Greifarm übernimmt die Aufgaben von Arm und Hand und soll so helfen, die Grenzen einer motorischen Einschränkung zu überwinden und den Nutzer befähigen, in einer Welt mit vielen Hindernissen zurechtzukommen. In Kombination mit verschiedensten Elektrorollstühlen hilft  Robot Jaco dem Anwender mit großer Präzision Bewegungen im Alltag zu bewältigen, die der Anwender nicht oder nicht mehr manuell durchführen kann. Am wichtigsten sind Aktivitäten, die dem Benutzer ein unabhängiges Leben ermöglichen, wie z.B. Essen und Trinken, die Bewegung von Objekten, das Ergreifen von Gegenständen und die tägliche Körperpflege.

Merkmale des Robot Jaco

Material: widerstandsfähige Carbonfaser

  • Gewicht:
    Mit einem Gewicht von  4,5 kg wird die Rollstuhlstabilität nicht beeinflusst und eine problemlose Montage (am Rollstuhl oder am Tisch) ist möglich.
  • Hand mit den drei flexiblen Fingern kann sicher Alltagsgegenstände greifen und festhalten.
  • Einsetzbar sowohl drinnen als auch im Freien (unterliegt denselben Bedingungen wie der Rollstuhl)
  • Die Bewegungsabläufe sind laut Hersteller so gut wie geräuschlos.
  • Antrieb:
    Angetrieben wird der Arm direkt über die Batterie des Elektro-Rollstuhls. Er verbraucht nach Herstellerangaben so viel Energie wie eine Glühbirne.
  • Reichweite und Hebekapazität:
    Von der Armlehne aus kann der Jaco einen Gegenstand vom Boden aufheben oder in hohe Regale greifen (Reichweite: 90 cm). Auf mittlere Distanz, d.h. wenn er leicht angewinkelt ist, kann er bis zu 1,5 kg, wenn er voll ausgesteckt ist, bis zu 1 kg Gewicht tragen.
  • Kosten:
    Diese schöne, futuristische High-Tech Variante der Greifhilfe, die sogar mit Weintrauben und rohen Eier hantieren kann, hat ihren Preis. Der deutsche Verkäufer des Jaco, die Firma Orfomed, möchte zu den Kosten keine genauen Angaben machen, da sie abhängig sind von den individuellen Bedürfnissen des Anwenders, vom Rollstuhl sowie evtl. Modifikationen und Montageaufwand. Das kanadische Produkt ist für 50.000 CN$ zu haben, was ca. 37.000 € entspricht. (Im Vergleich dazu: Der Prototyp des Exoskelettarms Titan Arm kostet etwa 7.400 €.)
  • Kostenübernahme:
    Die Aufnahme in das Hilfsmittelverzeichnis PG24 ist beantragt. Laut Vertreiber besteht in Einzelfällen jetzt schon die Möglichkeit einer Kostenübernahme durch die Leistungsträger.
  • Anschluss:
    Der Robot Jaco kann an (fast) jedes Model von Elektrorollstühlen integriert und an dessen Steuerung angeschlossen werden.
  • Programmierung:
    Über seine fortschrittliche Programmierschnittstelle (API) können per USB 2.0 Anschluss jederzeit weitere Parameter und Abläufe programmiert und integriert werden. Regelmäßige Updates sind vorgesehen.

Für welche Zielgruppe ist Robot Jaco geeignet?

Hilfreich kann der Jaco für Tetraplegier, Multiple Sklerose Patienten und Menschen mit Cerebralparese, d. h. für Menschen mit eingeschränkter Mobilität der oberen Extremitäten sein, und deren Selbstständigkeit ungemein verbessern.

Durch seine intuitiven Bedienfunktionen können sowohl Erwachsene wie auch Kinder Robot Jaco über einen Joystick, Touchpad bzw. Kopf- oder Kinnsteuerung nutzen, und kommen aufgrund seiner Maße durch jede reguläre Tür – die sie mit Hilfe des Jacos auch selbst öffnen können.

Jacos Entwicklung – eine Familiengeschichte

Robot Jaco ist eine Entwicklung des kanadischen Herstellers Kinova. Die Produktdesigner bei Kinova entwickeln praktische Plattformen im Bereich der Assistenzrobotik, die der Lösung realer und problematischer Situationen im Alltag dienen, speziell zugeschnitten für Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen.

Benannt wurde Robot Jaco nach dem Onkel des Mitbegründers Jacques Forest, der an einer Muskelerkrankung litt und nur seinen linken Daumen nutzen konnte. Dies beeinträchtigte Forest wesentlich in der Ausübung seines Alltagslebens. Als ambitionierter Erfinder begann Forest, Werkzeuge bedarfsgerecht zu modifizieren, um seinen Alltag leichter zu bewältigen. Seine Genialität und Durchhaltekraft waren Ideenschmiede für viele Entwicklungen, weshalb der Robotergreifarm heute stolz den Spitznamen „Jaco“ trägt.

Innovationspreis der Deutsche Stiftung Querschnittlähmung (DSQ)

Die DSQ verleiht seit mehreren Jahren einen Preis für Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der Lebensqualität Querschnittgelähmter. Der Jaco wurde Anfang 2014 als Hilfsmittel bei  neuromuskulären Erkrankungen ausgezeichnet. PD Dr. Rainer Abel, Chefarzt Querschnittzentrum Klinikum Bayreuth und Vorsitzender des Vorstandes der DSQ, Nürnberg sagt: „Die DSQ hat sich bei der Verleihung des diesjährigen Innovationspreises für den Roboterarm Jaco entschieden, weil uns als Stiftung für Querschnittgelähmte überzeugt hat, wie sich die Lebenssituation der Anwender durch dieses technische Hilfsmittel zum Positiven verändert. So können Betroffene ein flexibleres und selbstbestimmtes Leben führen, ihren Alltag gestalten und erleben durch den Greifarm eine deutlich größere Autonomie.“

 

Für weitere Hilfsmittel bei eingeschränkter Handfunktion siehe: Kleine Hilfsmittel für den großen Unterschied.

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